Gunther von Hagens mit seinem Sohn und Körperspendern
Video: Brandenburg Aktuell | 19.07.2019 | Phillipp Manske | Bild: rbb/Anja Kabisch

Plastinarium Guben - "Wir haben genug Leichen im Keller"

Der eigene Tod - für viele ein Tabu-Thema. Weltweit haben sich 18.000 Menschen damit intensiv beschäftigt und für sich entschieden, nach dem Tod nicht beerdigt oder verbrannt zu werden. Sie wollen plastiniert werden. In Guben. Von Anja Kabisch  

Das Gubener Plastinarium ist eines der wenigen Labore auf der Welt, das Körper dauerhaft haltbar macht, plastiniert. Der größte Teil der Exponate wird für wissenschaftliche Zwecke hergestellt, erklärt Rurik von Hagens. Der Sohn des seit einigen Jahren an Parkinson erkrankten Begründers des Gubener Plastianriums, Gunther von Hagens, spricht von 90 Prozent.

Drei Körperspenden kommen in jeder Woche nach Guben, sechs werden in jedem Monat plastiniert. Rurik von Hagens beweist Humor im Umgang mit seiner Arbeit wenn er sagt: "wir haben genug Leichen im Keller."

Blick in Werkstatt Plastinarium Guben
Plastinarium Guben | Bild: rbb/Anja Kabisch

Weltweit 18.000 Körperspender

An diesem Freitag besuchen Engländer das Plastinarium. Sie wollen sich nach ihrem Tod in Guben plastinieren lassen. Während ihres Besuches sehen sie das Labor, erleben die Präparatoren bei der Arbeit und erfahren, wie das Verfahren zum dauerhaften Haltbar machen funktioniert.

Eine, die sich längst als Körperspenderin registrieren ließ, ist Minh Bo. Ihren Wunsch begründet sie damit, dass sie ihren Körper für medizinische Studien zur Verfügung stellen möchte. Andererseits hofft sie natürlich darauf, dass dieser Moment noch weit entfernt ist. Außerdem werde sie ihre Organe spenden, um damit Todgeweihten ein Überleben ermöglichen zu können. Ein ultimatives Recycling resümiert die Britin mit dem Blick auf die eigene Vergänglichkeit.

Minh Bo ist eine von 162 Engländern, die bisher als Körperspender registriert sind. Weltweit sind es 18.000. Die größte Gruppe stammt aus Deutschland.

 

Rurik von Hagens in der Werkstatt des Plastinariums
Erklärungen von Rurik von Hagens | Bild: rbb/Anja Kabisch

Die Leichen werden mit Formaldehyd haltbar gemacht, bevor sie plastiniert werden. Das ist ein langwieriger Prozess.

Für die Gäste aus Großbritannien sind es bemerkenswerte Einblicke an diesem Tag in Guben. "Es ist die Transparenz, die Ausbildung, das Verständnis des Körpers als ein faszinierendes Ergebnis dessen, wie wir Menschen mit unserem Körper und in unserem Körper leben" beschreibt eine Engländerin ihre Gedanken beim Gang durch das Labor in Guben.

Das Plastinarium existiert seit 2006 in Guben. Anfänglich gab es zum Teil heftige Diskussionen darum, ob Körper derart zur Schau gestellt werden können. Inzwischen hat sich das Unternehmen in der Neißestadt längst etabliert und gibt etwa 50 Mitarbeitern Arbeit.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Die Bedruckte mit den falschen blonden Haaren gibt sicherlich 'ne tolle Plastik-Leiche ab, die wieder für Besucherrekorde sorgen wird :-) Falls ich das noch erlebe, werde ich hingehen.

  2. 7.

    Nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich akzeptiere wenn es Personen gibt, die ihren Körper nach dem Tod diesem Künstler zur Verfügung stellen. Für mich ist das nichts. Gehe nicht mal in seine Ausstellung. Aber „ekeln“ tue ich mich vor was ganz anderem.

  3. 6.

    Der Tod: Zwischen erklärtem und verbreitetem Schrecken und einer hemmungslosen, recht geschäftstüchtigen Zurschaustellung.

    Ich lebe, also sterbe ich auch - dies jenseits von Geschäftsinteressen, all zu vordergründigen Nutzenvorstellungen und grassierender Angst, die keiner mir jemals einreden kann.

  4. 5.

    An Schwester Constructa: Naja, so einfach kann man sich dem nicht entziehen weil die Werbung zu den Ausstellungen durch Plakate in den öffentlichen Verkehrsmitteln, überhaupt im öffentlichen Raum, sehr aggressiv eingesetzt wird. Medizinisch dieses morbide Hobby zu begründen finde ich lächerlich, weil die Leichen z.B. als Schauspiel dargestellt werden, in tollen Posen... der Körper aber in unserer aufgeklärten Zeit schon be - und durchleuchtet ist. Wenn ich mich nicht erschrecken muss und mit der Übelkeit kämpfen, weil ich direkt vor einem Plakat in der U-Bahn stehe, ist es mir egal.

  5. 4.

    Wo leben Sie? Im Mittelalter oder im 21. Jahrhundert. Niemand wird gezwungen weder die Ausstellung zu sehen oder sich diesem Mann zu Opfern nach dem Tod. Mein Körper soll beispielsweise den Studenten in der Rechtsmedizin zur Verfügung stehen, so habe ich es schriftlich verfügt. Ob diese mich nimmt, kann ich nach meinem Tod nicht mehr beurteilen.

  6. 3.

    Ekelhaftes Geschäftsmodell. Früher nannte man so etwas Leichenfledderei.

  7. 1.

    Wenn jemand seinen Körper dafür hergibt, warum nicht?

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