Fast vertrocknetes Feld bei Finsterwalde
Audio: Antenne Brandenburg | 17.07.2019 | Anja Kabisch | Bild: rbb/Anja Kabisch

Brandenburger Bauern brauchen Tierfutter - "Es fehlt einfach nur der Regen"

Der Regen in den letzten Tagen war der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, sagen die Bauern in Finsterwalde. Auch Tierfutter ist deshalb Mangelware. Die Landwirte befürchten einen ähnlichen Dürresommer wie 2018. Von Anja Kabisch

Das Grünland, auf dem Weidegras wachsen sollte, wirkt wie ein herbstliches Stoppelfeld. Vor drei Wochen ist gemäht worden, sagt Frank Neczkiewicz von der Landwirtschafts-GmbH Finsterwalde. Danach gab es kaum Regen, das Weidegras ist komplett vertrocknet.

Jetzt kommen vereinzelt ein paar grüne Spitzen wieder, aber es wird nicht für eine neuerliche Mahd reichen, deshalb müsse dieses Feld vorzeitig umgebrochen werden, erklärt der Landwirt.

Frank Neczkiewicz Chef der Landwirtschafts GmbH Finsterwalde
Landwirt Frank Neczkiewicz aus Finsterwalde | Bild: rbb/Anja Kabisch

Futter für den Winter wächst kaum

Auf den anderen Wiesen des Landwirtschafstbetriebes in Finsterwalde sieht es nicht viel besser aus, resümiert Neczkiewicz. Die GmbH bewirtschaftet insgesamt 600 Hektar Grünland, um seine 1.500 Milch- und Mutterkühe mit Futter versorgen zu können.

Da das Gras kaum wächst, müssen die Kühe jetzt zum Teil weite Wege zurücklegen, um satt zu werden. Für die Kühe sei das zwar nicht schlimm, sagt Neczkiewicz, die Tiere seien daran gewöhnt. Es bleibe jedoch das große Problem, soviel Futter zu machen, damit das kommende Winterhalbjahr, in dem die Tiere im Stall stehen, abgesichert werden kann.   

Trockenheit auf einem Feld in Finsterwalde
Es fehlt an Feuchtigkeit | Bild: rbb/Anja Kabisch

Teurer Futterkauf könnte nötig werden

Der Landwirtschafts-GmbH fehlen zur Zeit 1.500 bis 2.000 Siloballen, um die Winterfütterung für Mutter- und Milchkühe abzusichern. Weil auf den eigentlichen Futter-Feldern wegen der Trockenheit wenig wächst, darf jetzt auch auf Brachflächen geerntet werden. Das teilte das Landwirtschaftsministerium jetzt mit. Die Tierhalter müssen dafür einen formlosen Antrag bei den zuständigen Landwirtschaftsämtern stellen. Ausgenommen sind Halter von Ziegen und Schafen, welche ab 1. August auch ohne einen solchen Antrag auf Brachen weiden dürfen.  

Diese Aktion bringe allerdings nicht viel, sagt Frank Neczkiewicz. Insgesamt kämen zwar etwa 118 Hektar dafür in Frage, aber tatsächlich wächst nur auf knapp zehn Hektar soviel, dass sich eine Mahd überhaupt lohnen würde. Es sei Wildwuchs, zum Teil mit Kräutern durchmischt, ein Art Heu von geringerer Qualität. Vielleicht kommen 50 bis 60 Ballen zusammen, hofft der Landwirt. Das deckt den Futterbedarf der Mutterkühe für eine Woche.

Im schlimmsten Fall wird die Landwirtschafts-GmbH Futter teuer zukaufen müssen. Daran, Kühe zu verkaufen, will Neczkiewicz noch nicht denken. "Wir hoffen eigentlich auf Regen, wir wollen uns selbst helfen mit den Flächen, die wir haben. Damit wir das noch bewerkstelligen können", sagt der Bauer. Und geradezu flehend mündet sein sehnlichster Wunsch in einem Wort: "Regen".

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4 Kommentare

  1. 4.

    Im Sommer 2017 hat der Biobauer meines Vertrauens über seine verfaulte Ernte aufgrund der Niederschlagsmengen geschimpft.

  2. 3.

    Die Bauern sollten sich darauf einstellen, dass es noch schlimmer wird. Als erstes sollte man sich mal fragen: Warum muss das kostbare Süsswasser in den Regenreichen Zeiten so schnell wie möglich in Ost- und Nordsee abgeleitet werden. Wenn das Oberflächenwasser so schnell abgeleitet wird, bleibt auch nichts mehr für die Pflanzen. Wichtige Schritte, dem entgegen zu wirken sind:
    - Anhebung des Höhenniveaus derBäche auf die ursprüngliche Höhe.
    - Reaktivierung der zugeschütteten Bäche
    - Bau von Wehren an kleinen Bächen und Flüssen
    - Bau von Schleusen an schiffbaren Flüssen

  3. 2.

    Wie im letzten Jahr. Erneut Dürre. Erneut kein Viehfutter. Schon wieder dürfen wertvolle Brachen einfach abgemäht werden. Soll das eine Lösung sein? Der Klimawandel sorgt für mehr Wetterextreme. Die einzige Lösung kann lauten: sich daran anpassen und den Viehbestand verringern!

  4. 1.

    Die Dürre ist nicht ähnlich mit der des letzten Jahres.
    Dieses Jahr ist schon deutlich mehr gefallen, das Problem ist, dass das Niederschlagsdefizit vom letzten Jahr einfach nicht ausgeglichen wurde, sprich das sind die Folgen vom letzten Jahr.
    Was aber stimmt das wir dieses Jahr wieder ein leichtes Defizit haben. 2018 = 2019 Folgeschäden

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