Schwarze Elster liegt trocken (dpa/Tino Plunert).
Video: Abendschau | 03.07.2019 | Jana Wochnik-Sachtleben | Bild: dpa/Tino Plunert

Landkreise verbieten Wasserentnahme - Südbrandenburg braucht jeden Tropfen

Der Wassermangel im südlichen Brandenburg ist in diesem Jahr schlimmer als im Dürresommer 2018. Daher darf in zahlreichen Landkreisen kein Wasser mehr aus den Gewässern entnommen werden. Wer es dennoch macht, muss kräftig zahlen.

Die Schwarze Elster (Oberspreewald-Lausitz) ist beinahe ausgetrocknet und auch andere Gewässer im südlichen Brandenburg leiden unter einem akuten Wassermangel. Deshalb haben zahlreiche Landkreise die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern inzwischen untersagt - darunter Oberspreewald-Lausitz, Cottbus, Dahme-Spreewald sowie Spree-Neiße. Das Verbot gilt von Sonntag an für die Zeit zwischen 6 und 21 Uhr und erstreckt sich auf sämtliche offenen Gewässer. Demnach ist es nicht gestattet, mithilfe von Pumpvorrichtungen Wasser aus Flüssen, Gräben oder Seen zu entnehmen.

Ausgenommen von dem Verbot sind Grundwasservorräte aus privaten Brunnen. Zudem ist es in einigen Landkreisen erlaubt, Wasser mit Gefäßen per Hand zu schöpfen. Doch auch hierbei wird zur Zurückerhaltung aufgerufen. Die jetzigen Einschränkungen gehen dem Leiter der Abteilung Wasser im Brandenburger Umweltministerium, Kurt Augustin, nicht weit genug. Auf Anfrage von rbbI24 sagte er: "Ich hätte ein generelles Verbot konsequent gefunden, aber das entscheiden die Wasserbehörden vor Ort. Dennoch brauchen wir jeden Tropfen."

Geldbußen bis zu 50.000 Euro

Laut dem Brandenburger Umweltministerium fehlen derzeit 30 Millionen Kubikmeter Wasser. Augustin zufolge dürften die Vorräte in zwei bis zweieinhalb Monaten erschöpft sein. "Danach bekommen wir erhebliche Probleme", erwartet der Experte. Daher habe die Trinkwasserversorgung derzeit die oberste Priorität. Noch sei sie zwar nicht eingeschränkt, Augustin ermahnt aber zur Selbstkontrolle: "Ich sollte mir genau überlegen, ob ich an heißen Tagen zweimal duschen muss." Auch der heimische Rasen dürfe ruhig braun und das Auto ungewaschen sein, so der Wasserexperte. "Jeder sollte überprüfen, wann er wirklich Wasser benötigt."

Wer gegen das Entnahmeverbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro. Für die Durchsetzung des Verbots sind die Ordnungsämter zuständig. Augustin vertraut zusätzlich auf aufmerksame Bürger, wenn es um das Anzeigen von Verstößen geht. "Ich gehe davon aus, dass man auch schon einmal schärfere Töne anschlägt, wenn der Nachbar illegal Wasser pumpt."

"Wir bräuchten vier Wochen lang Dauerregen"

Zwischen Kleinkoschen und Senftenberg liegt die Schwarze Elster bereits auf einer Strecke von vier Kilometern gänzlich trocken. "An dieser Stelle des Flusses können wir nichts ändern und etwa Wasser zugeben", sagt Augustin. Auch der Spree mangelt es an Durchfluss. Durch einen hohen Grad an Verdunstung kommt in Berlin kaum noch etwas vom Wasser an. Dort müsse allerdings ein gewisser Mindestabfluss gehalten werden, damit die Sulfatwerte nicht steigen.

Der Dürresommer 2018 und das anhaltend warme Wetter mit wenigen Niederschlägen haben die Situation in den Gewässern verschärft. "In diesem Jahr ist es sogar noch schlimmer als im Vorjahr", so Augustin, "denn auch der Winter war zu trocken". Und eine Entspannung der Situation ist vorerst nicht in Sicht. "Wir bräuchten vier Wochen lang Dauerregen, damit sich der Grundwassermangel der vergangenen zehn Jahre wieder erholt", so Augustin. Es müsse unbedingt regnen.

Zwischen Kleinkoschen und Senftenberg liegt die Schwarze Elster bereits auf einer Strecke von vier Kilometern gänzlich trocken. "An dieser Stelle des Flusses können wir nichts ändern und etwa Wasser zugeben", sagt Augustin. Auch der Spree mangelt es an Durchfluss. Durch einen hohen Grad an Verdunstung kommt in Berlin kaum noch etwas vom Wasser an. Dort müsse allerdings ein gewisser Mindestabfluss gehalten werden, damit die Sulfatwerte nicht steigen.
Zwischen Kleinkoschen und Senftenberg liegt die Schwarze Elster bereits auf einer Strecke von vier Kilometern gänzlich trocken. "An dieser Stelle des Flusses können wir nichts ändern und etwa Wasser zugeben", sagt Augustin. Auch der Spree mangelt es an Durchfluss. Durch einen hohen Grad an Verdunstung kommt in Berlin kaum noch etwas vom Wasser an. Dort müsse allerdings ein gewisser Mindestabfluss gehalten werden, damit die Sulfatwerte nicht steigen.

In einer vorherigen Version dieses Textes stand, dass das Verbot seit Samstag (06.07.2019) gilt. Richtig ist Sonntag (07.07.2019). Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

22 Kommentare

  1. 22.

    Es gibt noch ein Problem mit dem Tagebau. Wasser wird entnommen um Tagebau zu fluten , für unserer Entspannung?

  2. 21.

    Was nützt euch die ganze Diskussion hier?Denkt ihr dadurch bricht die Trinkwasserversorgung nicht zusammen?

    Achtet auf euern Wasserverbrauch:

    -Autowaschen unterlassen vorallem an Tankstellen(eh Geldrausschmeisserei)und Umweltverschmutzung und Energieverbrauch auch noch.
    -Rasen Wässern ehm der Wächst wieder nach man glaubt es kaum :)
    -keine entnahme von Wasser an öffentlichen Gewässern,was ist euch lieber ?Blumen oder Trinkwasser?
    Ein Mensch kann ohne Nahrung bis zu 3Tage überleben ohne Wasser sind es vielleicht im Hochsommer 24 Stunden ohne Krankheitssymtome.
    um mehr geht es nicht.

    Denkt mal drüber nach.





  3. 20.

    Was für „nicht gemachte Hausaufgaben im Hochwasserschutz“ sollen das sein? An den Deichen wurde in den letzten Jahren wie verrückt gebaut; außerdem wurden Rückhaltebecken und Überschwemmungsflächen angelegt. Wenn ich Radtouren in Brandenburg mache, fahre ich fast jedes Mal entweder auf einem neuen Deich oder muss eine Deichbaustelle umfahren. Und mit den zu flutenden Tagebauseen ist noch eine riesige Kapazität zur Aufnahme von überschüssigem Wasser hinzugekommen.

  4. 19.

    „Armutsregion seit über 70 Jahren“ – Aber unterm Führer quoll Südbrandenburg der Reichtum aus allen Poren? In welcher Parallelwelt soll das gewesen sein? In der DDR wurden ja nicht nur Kraftwerke, Stahlbaufirmen und Chemiefabriken aus dem Boden gestampft, sondern auch eine riesige Textilindustrie. Das kann man aus vielen Gründen kritisieren, aber eine „Armutsregion“ ist etwas ganz anderes.

    „ihre Peiniger“ – hoho. Ich stelle mir gerade vor, wie Sie von Stolpe, Platzeck und Woidke brutal gequält wurden. Aber wenn Sie im September die AfD wählen, dann wird endlich der Klimawandel verboten und ganz viel Wasser in die Schwarze Elster gemacht. Man muss nur ganz fest daran glauben!

  5. 18.

    „Also, ich habe da ein Gerücht gehört, das mir gefällt, und deshalb mache ich so weiter.“

    Die Netto-Sauerstoffbilanz von Rasenflächen ist sehr bescheiden. Für den Tagesbedarf eines Menschen reichen nicht mal 10 Quadratmeter. Und da Sie Ihren Rasen natürlich auch immer schön mähen, ist er ökologisch nahezu tot – Insekten haben keine Chance und Vögel nichts zu fressen. Sie sind kein Umweltheld. Sie wollen einfach nur einen grünen Rasen haben. Das ist keine Schande, aber man sollte wenigstens dazu stehen und sich keine schönen Begründungen ausdenken.

  6. 17.

    Schöner als die Schwarze Elster trocken zu legen wäre es ja die Schwarze Pumpe dicht zu machen. Könnte man gleich morgen machen wenn man wollte. Müssten halt die Gaskraftwerke ein bisschen länger laufen als üblich.

  7. 16.

    ..also, 1qm grüner Rasen soll ja am Tag soviel Sauerstoff (nicht Luft!) erzeugen, wie ein Mensch pro Tag zum Leben braucht. Ich bewässere!

  8. 15.

    Die "Diesel-retten"-Partei, die gerne mal sehr eigene Vorstellungen von Klimawandel verbreitet und "anders" argumenitert als Andere, fordert doch ausdrücklich mehr vom Gleichen ein. Kohleabbau soll bleiben, nebst Diesel und Co. Wohin soll das führen, was sollte daran so "alternativ" sein, wie damit unsere Lebensgrundlage erhalten? Klar, gibt es nachweislich Filz, eine bedeutend zu große Nähe zwischen Politik und Wirtschaft sowie kein Lobbyregister, wer mit wem redet, geschweige denn, wer sich wie finanziert. Das haben Andere schon zuvor kritisiert, vor Jahrzehnten, und was illegale Parteienfinanzierung angeht, ist die AfD abermals nicht sonderlich "alternativ". Im Zusammenhang mit Umwelt und Klimapolitik ist die AfD allerdings die Adresse mit der nachweislich größten Inkompetenz. Sie versucht mit Eifer, sich als kompetent darzustellen, wird aber regelmäßig eines Bessere belehrt, selbst von Harald Lesch und Co.

  9. 14.

    Die Wasserknappheit wird noch schlimmer, wenn die Politiker nicht von ihrem Weg "Umweltschutz darf nichts kosten oder muss den Politikern Geld bringen" weggehen. Damit sind alle Parteien gemeint, auch die Grünen. Warum muss das Süsswasser so schnell wie möglich in die Ost- oder Nordsee abgeleitet werden?
    Weil die Natur in Berlin keine Lobby hat.
    Weil die grossen Landmaschinen im Frühjahr auf den Feldern einsacken würden.
    Weil die grossen Landheie in Berlin eine Lobby haben und grosse Maschinen benötigen.
    Die Probleme mit den Tagebauen sind gegen die massive Trockenlegung der Ackerflächen (Melioration) nur Kleinigkeiten.

  10. 13.

    Ähm, also der "Zusturm" zur AfD verwundert einem doch. Ich meine, dass ist die Partei die zwei "Online-Pranger" an den Start gebracht haben. Und das diese Partei die Probleme des Landes "friedlich" lösen will - dieser Eindruck drängt sich nun wahrlich nicht auf.

    Mal ganz davon abgesehen, dass die AfD das eigentliche Problem - Wassermangel - auch nicht lösen kann.

    Also, warum dann AfD wählen?

  11. 12.

    Ich erinnere an die dümmlichen Worte des Herrn Augustin vom 26.04.2019 zum Thema Ostsee-Flutung. "Wir haben insgesamt schon 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben", sagte Augustin. Die Talsperre sei aber aktuell mit einem Volumen von zehn Millionen Kubikmetern noch gut gefüllt, erklärte Augustin weiter. Außerdem könnte der Wasserspiegel in der Talsperre sogar noch steigen, weil es nach wie vor Zulauf gebe. Ich hoffe, das der Inkompetenz des Ministeriums Vogelsänger am 01. September ein Ende gesetzt wird. https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2019/04/lausitz-spree-talsperre-spremberg-ostsee-wasser-trockenheit-duerre.html

  12. 11.

    Südbrandenburg ist Armutsregion schon seit über 70 Jahren. Perspektivlosigkeit, insbesondere junger Leute ist ebenfalls Realität und keiner ist in der Lage - auch die SPD u. LINKEN im Land Brandenburg - haben dazu beigetragen. Aber Südbrandenburger im September kann sich dies verändern. Wählen Sie endlich ihre Peiniger nicht mehr.

  13. 10.

    Es wird so kommen wie vor langer Zeit prophezeit, die nächsten Kriege werden nicht um Öl sondern um Wasser geführt .

  14. 9.

    Wenn Herr Augustin vier Wochen Dauerregen bekommt, fallen ihm wieder die nicht gemachten Hausaufgaben im Hochwasserschutz auf die Füsse !

  15. 8.

    Also, ich bewässere weder einen Rasen und schon gar nicht verfüge ich über einen Swimming-Pool.

  16. 7.

    Ich habe den Eindruck, Sie leiden unter Realitätsverlust, Dagmar. Im übrigen wäre es höchste Zeit, auch das ständige Wässern von Rasen und das Nutzen von Wasser für SwimmingPools etc. mal zu thematisieren.

  17. 6.

    Eine eigene aufklärende Recherche zum Wassermanagement in Berlin und Brandenburg mit Blick auf den zukünftigen Bedarf und mögliche nachhaltige Strategien würde mich sehr interessieren. Gerne mehr dazu recherchieren :)

  18. 5.

    Herr Augustin, schön, dass Sie tatsächlich es fertigbringen, die Bürger gegeneinander aufzuhetzen, sich gegenseitig anzuzeigen, wenn einer nicht spurt, wie Sie es gerne hätten. Und da wundern Sie sich über den Zustrum der AfD? Unglaublich, was Ihnen dazu einfällt. Das kann man doch bestimmt friedlicher lösen. Oder?

  19. 4.

    Das Problem ist doch das sich die Brandenburger Politik von der Kohlelobby vereinnahmen ließ. Woidke spürt das jetzt denn die Kohlekumpel wählen massiv AfD. Das ihnen das nichts nützt ist zweitrangig, für die Demokratie aber ein großes Problem.
    Angemerkt sei noch das die LEAG dank SPD nicht einen Cent für das Wasser zahlt und hier noch als Retter der Spree dargestellt wird. Der Bürger aber wird mit horrenden Strafen belegt sobald er Wasser nimmt.

  20. 3.

    Der Grundwassermangel der "vergangenen 10 Jahre"? Was ist damit gemeint? Das wird aus dem Artikel nicht klar. Mir war bisher nur ein Niederschlagsdefizit seit Anfang 2018 bekannt. Abgesehen davon sind die Auswirkungen echt heftig. Als das Bundesamt für Bevölkerungsschutz vor einigen Monaten noch in einer Studie* untersuchte, was bei einer mehrjährigen Dürre für Folgen zu erwarten sind, wurde die Studie von einigen noch belächelt. Wetterextreme mit extrem langen Dürren sind Folgen des Klimawandels.** Der trifft Brandenburg besonders hart, wie wir heute schon sehen! Gleichzeitig unternimmt die Brandenburger Landesregierung viel zu wenig, um das Land endlich klimaneutral zu machen!

    *https://www.rbb24.de/panorama/thema/2019/klimawandel/beitraege/duerre-mehrere-jahre-trockenheit-risikoanalyse-bundesamt.html
    **https://www.rbb24.de/panorama/thema/2019/klimawandel/beitraege/interview-niederschlaege-starkregen-duerre-peter-hoffmann-pik.html

Das könnte Sie auch interessieren