Hunde und die Gänse auf dem Biohof Auguste in Kolkwitz (Foto: privat/Biohof)
Video: zibb | 29.08.2019 | Katrin Hampel | Bild: Biohof

Schock in Kolkwitz - Hunde töten 160 Gänse auf Biohof

Auf dem Biohof Auguste in Kolkwitz (Spree-Neiße) haben zwei Hunde 160 Gänse getötet. Wie der Betreiber des Hofes berichtet, waren die Hunde in der Nacht zum Mittwoch in das Gänsegatter eingedrungen. Der wirtschaftliche Schaden soll mindestens 17.000 Euro betragen. Hinzu kommt der Schock für die Mitarbeiter. Die Lebenshilfe betreibt den Biohof überwiegend mit Menschen mit Beeinträchtigungen.

Mitarbeiter mit einer Gans auf dem Biohof Auguste in Kolkwitz (Foto: rbb/Kabisch)
| Bild: rbb/Kabisch

20 weitere Gänse erlösen

Donnerstagmittag. Biohofleiter Rainer Tosch ist bei den immer noch aufgeregt schnatternden Tieren. Er war derjenige, der die Hunde Mittwochfrüh zusammen mit seinem Kollegen entdeckt hat, inmitten einer panischen Gänseschar. Der Kollege wollte die Hunde aus dem Gatter herausnehmen, wurde aber von ihnen mit "Bellen und Knurren" attackiert.

Polizei und Tierarzt haben schließlich die Hunde entfernen können. Erst dann haben die Hofmitarbeiter das Ausmaß der Attacke erkannt. "Wir haben tote Tiere vorgefunden, halbtote Tiere vorgefunden und stark verletzte, traumatisierte Tiere, die sich durch die Panik übereinander gedrückt haben und dadurch zu Tode gekommen sind", sagt Tosch.

Insgesamt haben sie 100 tote Tiere gefunden, 40 weitere mussten wegen ihrer Verletzungen eingeschläfert werden. Am Donnerstag hat der Tierarzt weitere 20 Gänse erlöst.

Gänsefedern nach Angriff auf dem Biohof Auguste in Kolkwitz (Foto: rbb/Kabisch)
Bild: rbb/Kabisch

Krankenstation eingerichtet

Die Mitarbeiter haben nun eine Krankenstation eingerichtet, auf der sie versuchen wollen, rund 60 Tiere wieder gesund zu pflegen. Allerdings werden die meisten von ihnen nicht überleben. Denn die meisten können sich nicht bewegen, werden von Angestellten zum Wasser- und Futtertrog getragen, "in der Hoffnung, dass die Kraft noch ausreicht, dass sie Futter und Wasser aufnehmen", so Tosch.

Hoher wirtschaftlicher Schaden

Wie die Hunde in die Anlage gekommen sind, ist unklar. Möglicherweise durch eine kleine Kuhle unterm Zaun. Die beiden Tiere waren bislang unauffällig, bestätigt Mathias Klinkmüller von der Gemeinde Kolkwitz. Das Ordnungsamt hat noch am Mittwoch mit dem Biohof und dem Hundehalter gesprochen. Die Berner Sennenhunde würden eigentlich als gutmütig und nicht aggressiv gelten. "Wie jetzt mit den Hunden verfahren wird, ist deshalb auch noch offen." Es gebe jetzt eine Prüfung, die Hunde befinden sich beim Halter.

Getötete Gänse auf dem Biohof Auguste in Kolkwitz (Foto: rbb/Kabisch)
Bild: rbb/Kabisch

Die Lebenshilfe Werkstätten als Betreiber des Biohofs Auguste hat bereits Anzeige gehen die Halter erstattet und hofft auf ihre Versicherung. Denn der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Allein der Verkaufspreis von 200 Gänsen liege bei rund 17.000 Euro. Dazu kommen die Aufzucht- und auch die Entsorgungskosten, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Tamara Swensson. "Wir haben ohnehin zu tun, dass wir mit dem Biohof schwarze Zahlen schreiben. Da sind wir auf einem guten Weg. Natürlich haut so ein Ereignis mächtig rein und verhindert, dass wir ans Ziel kommen."

"Nicht so schnell aus den Köpfen zu bekommen"

Bei der Weihnachtsgansbestellung wird es nun einen Engpass geben, heißt es vom Biohof. Der jetzige Verlust betrage über zehn Prozent des Gänsebestands.

Was für die Mitarbeiter aber zur Zeit schwerer wiegt, ist die Ausnahmesituation der zum Teil psychisch behinderten Mitarbeiter, die die Tiere von Anfang an betreut haben. "Wir brüten ja selbst die Tiere aus, ziehen sie dann groß", sagt Biohofleiter Tosch. Die Mitarbeiter leiden unter dem Ereignis, sagt auch Swensson. Sie glaubt, "dass so ein Ereignis auch nicht so schnell aus den Köpfen heraus zu bekommen ist.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

24 Kommentare

  1. 24.

    Ich kann Ihnen nur beipflichten. Die Funktionalisierung der sog. HAUStiere hat nichts mit "Tierliebe" zu tun und wird zunehmend zu einem gesellschaftlichn Problem in vielen Bereichen. Tierliebe ist, wenn man keine Tiere als Handelsobjekt züchtet und zur eigenen Befriedigung einsperrt und zum Spielzeug, willigen Befehlsempfänger usw. macht .....
    UND wenn man keine Tiere ißt!

  2. 23.

    Ca. 200 Gänse multipliziert mit 85,00 Euro ergibt 17.000 Euro. Das ist eine ganz einfache mathematische Rechenaufgabe.
    Ich denke, hier geht es aber nicht nur um das Finanzielle. Ich sehe hier besonders die Mitarbeiter mit einem Handikap, die sich mit viel Mühe um diese Tiere gekümmert haben, sie versorgt und betreut haben. Das erlittene Trauma, durch den Verlust, sicher auch durch das Miterleben, das Sehen des "Schlachtfeldes". Es gehört nicht viel Empathie dazu, zu begreifen, was in diesen Menschen seelisch vorgehen muss . . .
    Ich denke, man sollte eher Hilfe anbieten, als über den finanziellen Schaden zu debattieren!
    Ich werde am kommenden Freitag in den Biohof fahren und meine Hilfe anbieten . . .
    Es kann jeder helfen! Sei es nur, durch den Kauf im Biohof Auguste.

  3. 22.

    Ist das der sprichwoertliche "getroffene Hund", der hier bellt? Was erwarten Sie denn noch von Statler: Er oder sie hat doch schon geschrieben, "nicht alle, aber viele". Und lustigerweise sagen Sie dann exakt dasselbe wie Statler ueber Hundehalter - aber fuehlen sich jetzt diskriminiert? Legen Sie sich mal ein etwas dickeres Fell zu! Koennen Sie sich ja von Ihren Huete(!)hunden abschneiden - die sicherlich genug Beschaeftigung haben, um abgesehen von den Unmengen an Futter wenigstens die sonstige Tierwelt in Frieden zu lassen.

  4. 21.

    Typisch Hundehalter - weil ja verantwortungs-und rücksichtslos (aber nicht alle, nur die meisten). Was ist denn mit denjenigen ,die nicht in das Raster passen? Und warum verallgemeinern Sie dann trotzdem? Ich bin auch Hundehalter - zufälligerweise habe ich auch 2 Bernersennen, - doch nun fühle ich mich durch Sie diskriminiert.
    Sicher haben viele sich Hunde zugelegt ohne sich bewußt zu sein, welche Ansprüche und Besonderheiten die jeweiligen Rassen an ihre Halter stellen. Deshalb finde ich das Erstellen von Rasselisten,erhöhte Steuern usw. bezogen auf Hunde nicht sehr hilfreich; es ist immer nur der Mensch der aus dem Hund das macht, was er dann hat.Jeder der einen Hund sich zulegen will, sollte auf seine Eignung dafür geprüft werden. Dann gibt es sicher auch weniger solcher Vorfälle und weniger Mitbürger wie Sie, die völlig ahnungslos daher reden und einen Hund als Köter u. Töle betiteln.

  5. 20.

    Mich irritiert etwas die Schadenshöhe. 85 Euro pro Gans plus Aufzucht- und Entsorgungskosten? Für wie viel sollten die edlen Tiere denn verkauft werden?
    Für die Mitarbeiter und die Tiere tut es mir natürlich sehr leid.

  6. 19.

    Und wo sind die reißerischen Schlagzeilen in der Bildzeitung? Wo warnt die AfD vor der "Bestie Hund"? Hunde greifen Menschen an. Regelmäßig. Wölfe tun das nicht. Noch krasser: sie tun es niemals!

  7. 18.

    Hallo.
    So ein Quatsch hab ich noch nie gehört" fast alle Hunde sind zur Jagd gezüchtet"!!

    Berner Sennen sind Familien u Hütehunde!
    Und so eine unqualifizierte Aussage hätten eh eine begrenzte Lebensdauer. Das ist richtig. Aber für unsere körper-und geistig Behinderten Menschen ist es um einiges schwerer so ein "Massacker"erstens zu verstehen zweites zu verarbeiten...

    Mal nachdenken was der Biohof ist!!!
    Klar soll er wirtschaftl.arbeiten aber die Hauptaufgabe ist die Beschäftigung für unsere Leute die auf dem1.Arbeitsmarkt untergehen würden!!!
    Liebe Biohofmitarbeiter ich drücke euch die Daumen u wünsch euch viel viel Kraft.
    Solltet ihr Hilfe brauchen biete ich hiermit gern an...
    LG Yvonne




  8. 16.

    Vielen Dank fuer diesen interessanten, fundierten und differenzierten Kommentar! Ihre Skizze des Hundeverhaltens ist gut nachvollziehbar. Aber dem Tier an sich mache ich eh keinen Vorwurf. Mir geht es um den Hund, als "Massenartikel" von "tierlieben" Menschen gehalten. Dass der Hund dem Menschen sozial nuetzlich ist, wie Sie sagen, ist mir durchaus klar. Auch die Funktion als effektives "Security System", wie Willi sie in #11 angedeutet hat, leuchtet ein. Wie bei allem im Leben steht aber eine gute alte Fragestellung im Raum: Wieviel Schaden darf man Menschen und Umwelt zumuten, um die eigenen Beduerfnisse zu befriedigen? Ist es legitim, einen Labrador zu halten, weil die anderen auch einen haben? Oder einen trendy Mops mit Atemnot (weil es fuer den Kinderwunsch noch zu frueh ist), den man, das Smartphone immer vor der Nase, 2x tgl schweigend Gassi fuehrt? Mit 10.000 anderen dem Hund mal Freilauf goennen, waehrend die eigtl Bewohner von wald u Park vor Angst oder an Bissen sterben?

  9. 15.

    Ich kann Ihren Ärger schon verstehen, - und es tut mir auch für die betroffenen Mitarbeiter des Hofes leid , ich kaufe selbst sehr viel Bio und weiss um die Mühen der Tierzucht ... bin selbst Hundebesitzer. Viele lieben vordergründig ihre Hunde, verstehen aber deren Wesen und den Rassecharakter nicht. Hunde sind unterfordert und frustriert, ein Gartenzugang reicht nicht. Der Sennenhund will hütend mit Schafen oder Ziegen beim Bauern arbeiten, so ist er gezüchtet. Er hat aber nichts zu tun, und nebenan schnattern dauernd Gänse. Nachts ist der Hund vermutlich ebenfalls frustriert, weil er nicht in der Nähe seiner Menschen liegt, sondern halb draussen nächtigt. Das ist dann eben auch kein Herdenschutz vorm Wolf.
    Andererseits tun Hunde so viel für ihre Menschen, sie helfen soziale Distanzen zu überwinden, alte Menschen und Behinderte bekommen Begleitung.

  10. 13.

    BITTE unterrichten Sie mich über die von Ihnen verwendete Bezeichnung "Durchschnittshund" sowie die damit einhergehenden Verhältnisse sowie Verflechtungen ALLER Hunde; ich werde auf die von Ihnen mir entgegengebrachte Antwort gespannt sein.

  11. 12.

    Hundehalter. Nicht alle aber viele sind völlig verantwortungs- und rücksichtslos. Ich hoffe, daß der Hundehalter die 17.000 € aus eigener Tasche bezahlen muß und aus der Sache lernt. Gestern habe ich auch so einen Experten erlebt. Der wollte mir Baumaterial verkaufen, was auf seinem Hof lagerte. Fragt der mich doch glatt, ob ich Angst vor Hunden habe. Kann er die Tölen nicht kurz einsperren, wenn er Leute auf seinen Hof läßt? Muß er seine Köter die Leute beschnüffeln und ablecken lassen? Wie rücksichtslos und eklig ist DAS denn? Typisch Hundehalter eben.

  12. 11.

    Auch wenn Sie nicht ganz unrecht haben, sollten Sie bei der Sache etwas differenzieren. Im Artikel geht es z.B. nicht um das Großstadtvergnügen "Hund", sondern um den ländlichen Raum. Hier ist er ein wichtiger Bestandteil um Haus und Hof zu schützen. In grenznahen Regionen ist diese Wertigkeit sogar um einiges höher. Mitnichten findet hier ein Halten zum Vergnügen statt. Ich hoffe für den Biohof, dass der Hundhalter gut versichert ist und ein Ausgleich reibungslos verläuft.

  13. 10.

    Sehr schockierend und traurig. An dieser Stelle bin ich froh, dass es kein Wolf war ! Ich wundere mich aber warum die Hunde nach diesem Massaker beim Hundehalter sind, der ja scheinbar keine Kontrolle über diese hat.

  14. 9.

    Das zeigt wieder deutlich, wie die sonstige Tierwelt unter all jenen Hunden leidet, die der Mensch sich zum Vergnuegen haelt: Die ganzen Klaeffer aller Klassen, die in Waeldern, Parks und Wiesen frei laufen, spielen im Unterholz bestimmt auch nicht nur Versteck. Nein, auch die werden dort dauerstressen oder gar toeten, was in ihrer Naehe ist! Wenn schon zwei angeblich gutmuetige Exemplare sowas anrichten, ahne ich, was der Durchschnittshund so treibt. Und dazu kommen nicht zuletzt all die Tiere, die fuer ihn in die Dose gedrueckt werden. Aber so ist sie, die "Tierliebe" des Menschen: komplett eigennuetzig. Wildtieren kann man eben keine Kommandos geben, da muss schon was ins Haus. Moepse finde ich jedoch auch ungeeignet: Die koennen zwar wenigstens kaum rennen, aber dafuer ja auch kaum atmen. - Also, vllt sollte man seine Zuneigung doch irgendwie anders geben und bekommen...

  15. 8.

    Unser "Tier" würde auch sofort in den Gänsestall gehen - wenn sie dürfte! Darf sie aber nicht... genauso geht es mit Entchen und Katzen, Vögelchen und Eichhörnchen. Und da nützt auch Erziehung null - da kommt dieser Jagdinstinkt durch, dann brennt die Sicherung durch - und dann wird gehetzt. Ein sonst so kultivierter WauWau wird zum "Tier". Und das macht auch nur richtig Spaß, wenn der Gegner flüchtet. Eine Katze, die sitzen bleibt, ist total doof.... also "Hundetier" verhält sich da völlig artgerecht - auch, wenn wir das nicht mögen. Die anderen Hunde (Wolf, Fuchs) übrigens auch. Federvieh mögen sie besonders gerne....

    Das ganze ist sehr tragisch, leider. Man kann nur dem Herrchen den Vorwurf machen, warum die Hunde nicht angeleint waren.

    Ich hoffe, alle Mitarbeiter werden recht bald wieder mindestens lächeln können.... auch, wenn so ein Verlust weh tut und ans Herz geht.

  16. 7.

    Fast alle Hunde wurden für die Jagt gezüchtet...ist der Jagtinstinkt erst einmal geweckt,gibt es kein Halten mehr! Den Hunden kann man kein Vorwurf machen. Den Halter...na ja....Hunde Büchsen auch mal aus.Hoffen wir mal,das er Halter eine Hundehaftpflicht hat.Sonst wird es teuer. Was das Federvieh anbelangt...so traurig das ganze ist....die hätten sowieso nur noch ein begrenztes Leben gehabt....

  17. 6.

    Absolut richtig! Es ist immer der Halter! Ich höre es als Postbote bei der Gelben Post ja auch ständig: Der macht nichts! Dennoch wurden in meinem Bezirk erst letzten Monat wieder einige Leute gebissen. Das geht nicht! Nicht wir, sondern der Halter hat sich pro Hund entschieden und eben er muß dafür Sorge tragen das Niemand (auch keine Sache) zu Schaden durch die Hunde kommt!
    Wobei ich mich hier in dem Fall auch ein bisschen Frage, wie die Hunde überhaupt auf das Gelände gekommen sind? Südbrandenburg ist ja auch schon länger wieder Wolfsgebiet! Und ich glaube nicht, daß die Kolkwitzer da besonders fahrlässig sind...

  18. 5.

    Naja, den Hunden sollte man hier doch keinen Vorwurf machen. Es ist am Halter die davon abzuhalten Gänse zu töten.

Das könnte Sie auch interessieren