Büffel im Stall (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.12.2019 | Susanne Hakonjos | Bild: rbb/Susanne Hakenjos

Fast 500 Tiere aus Putlitz umgezogen - Wie das Wasserbüffel-Eis nach Mittenwalde kommt

Pechschwarze Nasen, puschlige Riesenohren und mächtige Hörner: 475 Wasserbüffel sind aus Putlitz nach Mittenwalde umgezogen. Dort will Deutschlands größter Büffel-Halter neben Mozzarella bald auch Eis und Camembert anbieten. Von Susanne Hakenjos

Einmal rund um Berlin führte der große Büffel-Treck: Unspektakulär, ohne große Staubwolke, haben die mächtigen schwarzen Rinder die knapp 200 Kilometer lange Wegstrecke bewältigt. Rund 30 Tiere jeweils stiegen in Putlitz (Prignitz) in den Viehtransporter. Anschließend ging es über Autobahn und Landstraßen zum Ziel nach Mittenwalde (Dahme-Spreewald). Der Umzug lief über mehrere Wochen. "Jetzt sind die Letzten angekommen, das waren die Jungkälber und die tragenden Kühe", erklärt Matthias Wegert.

Der geschäftsführende Gesellschafter der neuen "Büffelfarm Mittenwalde GmbH" freut sich, dass auch die Empfindlichsten den Umzug gut überstanden haben. "Das Gute an Wasserbüffeln ist eben, sie sind sehr gemütlich, aber auch sehr neugierig. Und völlig anders als Kühe. Sie rennen einem hinterher wie ein Hund", weiß der Büffel-Pionier aus Erfahrung. Seit 2012 bereits züchtet sein Büffelbetrieb die mächtigen Tiere als Milchlieferanten für die eigene Mozzarella-Produktion.

Bueffelfarm-Geschäftsführer Matthias Wegert vor der Jungbueffel-Weide mit Blick auf den Kirchturm von Mittenwalde. (Quelle:rbb/Susanne Hakenjos)
| Bild: rbb/Susanne Hakenjos

Seine ersten Tiere kamen noch direkt aus Salerno in Italien. Heute sind alle bereits echte Brandenburger Büffel. Weil in der Prignitz Pachtverträge für Weideflächen nicht verlängert wurden, hat das Unternehmen die nicht mehr rentable Milchvieh-Anlage der Märkischen Agrargenossenschaft Mittenwalde (MAG) gekauft. Die Entscheidung fiel für Mittenwalde, nicht nur wegen des 75.000 Quadratmeter großen Geländes mit Stallanlagen sowie 200 Hektar Grün- und Ackerland, sondern auch wegen der Nähe zu Berlin. Der Vertrag wurde im Sommer unterzeichnet, mit dem Umzug sind große Pläne verbunden.

Büffelgerechter Umbau

Seit dem Sommer bereits liefen die Vorbereitungen für den großen Umzug. Die ehemalige Milchvieh-Anlage wurde büffelgerecht umgebaut. So sensibel und friedlich die Tiere auch sind: Die besonderen Kühe mit dem schwarzen Fell wiegen immerhin um die 700 Kilogramm. Bullen sind noch einmal 300 Kilo schwerer. Ställe, Gatter und Melkstand mussten ordentlich aufgerüstet werden, erklärt Betriebsschlosser Jörg. "Wenn da irgendwas wackelt, dann rütteln die so lange, bis es kracht."

Sogar Leitplanken aus Metall habe er daher als Verstärkung an Gatter angeschweißt: "30 Jahre war ich hier als Schlosser im Rinderbetrieb, aber Wasserbüffel sind einfach ein anderes Kaliber als Kühe." Trotzdem hat er sich bereits mit den Neuen angefreundet: "Diese Büffel sind wirklich liebe Tiere, zutraulich, gewöhnen sich schnell an einen - sehr cool."

130 Wasserbüffel-Kühe stehen mit ihren Bullen im Großstall

Für die neuen Bewohner gibt es auch einen luftigen Großstall: 130 Wasserbüffel-Kühe stehen hier in verschiedenen Gruppen zusammen, mit jeweils einem Bullen. Platz genug wäre für 250 Tiere. Jetzt im Winter bringt ihnen der Futterfahrer Heu, im Sommer gehen sie dann auf die Weide. Mit Weitblick bis zum Mittenwalder Kirchturm grasen dort bereits die ein- bis dreijährigen Jungrinder. Sie bleiben so lange wie möglich im Freien.

Ebenfalls an der frischen Luft, aber windgeschützt zwischen zwei Stallgebäuden, stehen die Kälber. Um sie kümmert sich Mitarbeiterin Tanja Ohlendorf. Gerade hat sie die etwas Älteren in Gruppen zusammengelegt. "Drüben können sie schön zusammen toben", erklärt die sogenannte "Kälberfrau". Auch für sie ist die Arbeit mit Büffeln neu, aber spannend. "Sie sind ein bisschen sturer, aber andererseits können sie schneller lernen. Wenn man alles schön ruhig macht und sich Mühe gibt, dann klappt das schon. Also ich finde es schöner als mit Kühen", erzählt die junge Frau begeistert.

Büffel im Stall (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)

Die hohe Kunst der Wasserbüffelhaltung

Frühmorgens um vier Uhr legen die Melker das erste Mal los: Jeweils 26 Büffel-Kühe passen in den für viel Geld für die größeren und breiteren Tiere umgebauten Melk-Stand. Allerdings ist Büffel-Melken eine hohe Kunst, sat Hofmanager Robert Kuchenbecker. "Das Melken ist wesentlich anspruchsvoller als bei klassischen Milchkühen. Die Büffelkuh muss sehr ruhig behandelt werden, damit sie überhaupt Milch gibt. Die Milchproduktion mit Büffeln ist daher im Gegensatz zur Büffel-Fleischproduktion wirklich die Königsdisziplin", erklärt der neue Betriebsleiter.

Der Aufwand mit den robusten aber sensiblen Wasserbüffeln lohnt sich dafür finanziell: Die Büffelmilch, doppelt so fett wie normale Kuhmilch, wird aktuell noch in die betriebseigene Käserei in Kremmen (Oberhavel) zum begehrten, dank hohem Fett und Eiweißgehalt geschmacksintensiven original Büffel-Mozzarella verarbeitet.

Camembert, Eis und Joghurt aus Büffel-Milch

Noch gibt es den Mozzarella in ausgewählten Restaurants, Supermärkten und Feinkostläden, sogar im Berliner KaDeWe, bald aber auch vor Ort auf dem Hof. Als größter Büffel-Halter Deutschlands investiert das Unternehmen am neuen Standort mehrere Millionen Euro: Die "Büffelfarm Mittenwalde" wird zum Erlebnishof mit Schaukäserei, eigener Fleischerei, Hofladen mit Restaurant und Streichelzoo ausgebaut. Die Planungsunterlagen sind eingereicht, bis 2021 soll eröffnet werden.

Bereits jetzt arbeiten auf dem Hof zehn Beschäftigte, ein Teil ist aus der Prignitz mitgekommen, 60 weitere Arbeitsplätze sollen künftig entstehen. Auf dem neuen Büffel-Erlebnishof an der Straße am Waldschlösschen westlich von Mittenwalde können Besucher in Zukunft dann neben Mozzarella auch Büffel-Camembert und sogar Eis und Joghurt aus Büffel-Milch probieren sowie Büffel-Steak von den Jungrindern.  

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.12.2019, 14:10 Uhr

Beitrag von Susanne Hakenjos

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Jäger versammeln sich nach einer Treibjagd bei den erlegten Wildschweinen. (Quelle: imago-images/Marius Schwarz)
imago-images/Marius Schwarz

Afrikanische Schweinepest - Die Stunde der Brandenburger Jäger

Als Vorsorge gegen einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest soll in Brandenburg die Jagd auf Wildschweine verstärkt werden. Das Landwirtschaftsministerium empfiehlt Jagden mit Treibern und Hunden - bei dem auch gleich anderes Wild erlegt werden könne.