Hahn und Hühner im Garten © imago/blickwinkel
Audio: Antenne Brandenburg | 21.01.2020 | Iris Wussmann | Bild: imago/blickwinkel

Geflügelpest in Brandenburg - Hühnerhalter und Zuchtbetrieb in Alarmbereitschaft

Die Gefahr der Vogelgrippe ist näher gerückt: In Forst wurde bei einer toten Wildgans der Geflügelpest-Erreger nachgewiesen - zum ersten Mal in dieser Saison in Deutschland. Eine Stallpflicht gibt es noch nicht. Doch Lausitzer Hühnerhalter sind alarmiert. Von Iris Wussmann 

Nach dem ersten bestätigten Fall von Vogelgrippe in Deutschland in diesem Jahr hat der Geflügelwirtschaftsverband die Betriebe auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen hingewiesen. Die Halter könnten mit Hilfe einer Risikoampel [risikoampel.uni-vechta.de] im Internet selbst überprüfen, ob ihre Tiere ausreichend vor der Vogelgrippe geschützt sind. Außerdem gibt es Checklisten [gwv-mv.de | pdf], die der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erstellt haben.

In der Nähe von Forst im Brandenburger Landkreis Spree-Neiße hatte es am Montag den ersten bestätigten Vogelgrippe-Fall des Jahres in Deutschland gegeben. Geflügelhalter in Südbrandenburg sind in Alarmbereitschaft.

"Das ist für uns immer der Super-GAU"

Die Hühner von Günther Jank scharren in Byhleguhre (Dahme-Spreewald) in der Wintersonne. Mit 16 Tieren gehört Jank zu den kleineren Geflügelhaltern. Die Meldung vom Näherrücken der Vogelgrippe hat ihm die Stimmung verhagelt: "Jetzt fängt das wieder an, jetzt kriegen wir wieder die Geflügelpest." Dabei sind seine Hühner gesichert. Jank zeigt seinen Stall, der mit Desinfektionsmatte und Gittern gesichert ist. Er mache den Stall einfach zu - und seine Hühner hätten trotzdem "genug Auslauf".

Vom Kleinbestand zum Großbetrieb, nur wenige Kilometer entfernt: Auch die Putenzucht Kartzfehn in Alt Zauche (Dahme-Spreewald) mit aktuell 48.000 Tieren ist in Alarmbereitschaft. Vor drei Jahren mussten hier 45.000 Puten nach dem Ausbruch der Geflügelpest getötet werden. "Wir brauchen das nicht nochmal", sagt der Sprecher des Betriebs, Torsten Mahlstedt. "Das ist für uns immer der Super-GAU, wenn die Vogelgrippe in Deutschland auftritt." Der Betrieb sei auch mittelbar betroffen, weil es "in Regel oft Einfluss auf unsere Exportsituation hat", erklärt Mahlstedt. Beim aktuellen Wildvogel-Fund sei das aber noch nicht zu befürchten, weil es sich um ein Wildtier handelt - und nicht um ein Nutztier aus dem eigenen Bestand.

Appell von Landrat Altekrüger: Todesfälle melden

Trotzdem wird jetzt auch im Putenzuchtbetrieb Kartzfehn akribischer darauf geachtet, dass die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, die ohnehin gelten. Wer in die Anlage will, muss komplett die Kleidung wechseln und duschen, die Räder der Fahrzeuge werden desinfiziert. Die Mitarbeiter wurden laut Mahlstedt nun noch einmal sensibilisiert, wie wichtig diese Maßnahmen sind.

Es ist ein Appell, den auch Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU)  - in dessen Landkreis das Virus nachgewiesen wurde - an alle Tierhalter richtet. "Wenn es jetzt gehäuft zu Todesfällen bei Hausgeflügelbeständen kommt, erwarten wir natürlich auch, dass diese dem Veterinäramt unbedingt gemeldet werden", sagte Altekrüger. Das Gleiche gelte für totes Wassergeflügel und Greifvögel.

Gegen die Pest kann man sich nicht absichern, die kommt durch jede Ritze.

Günther Jank, Geflügelhalter aus Byhleguhre (Dahme-Spreewald)

Auch wenn die Experten im Moment einschätzen, dass das Eintragsrisiko in Haustierbestände gering und damit noch keine Stallpflicht nötig ist, ist allen klar, dass die Situation ernst ist - vom Großbetrieb bis zum kleinen Hühnerhalter im Spreewald. Ein Ausbruch der Pest "wäre ein ganz schöner Verlust", sagt Günther Jank aus Byhleguhre. "Ich sichere mich vor dem Fuchs ab, aber gegen die Pest kann man sich nicht absichern. Die kommt durch jede Ritze."

Noch keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen nötig

Die Geflügelpest breitet sich in Osteuropa seit einigen Wochen aus. Am Montag ist der erste Fall der hochansteckenden Viruserkrankung aus Deutschland gemeldet worden, genauer gesagt aus Brandenburg. Der Erreger H5N8 wurde bei einer verendeten Wildgans nachgewiesen, die in der Nähe von Forst (Spree-Neiße) gefunden wurde.

Geflügelhalter müssen noch keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen ergreifen, sagt Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen). Trotzdem werde das "Seuchengeschehen" sehr aufmerksam beobachtet. "Das fortlaufende Geflügelpest-Monitoring bei Hausgeflügel und Wildvögeln in Brandenburg wird jetzt deutlich intensiviert", sagte Nonnemacher am Montag.

 

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