Der 4-jährige Söhnke Beyer, der Dank einer Organspende überlebt hat, beim Spielen.
Audio: Antenne Brandenburg | 16.01.2020 | Bild: rbb/Anke Blumenthal

Organspende für Vierjährigen aus Lauchhammer - Anderthalb Jahre bis zum erlösenden Anruf

Die Bundesbürger sollen künftig mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen auf das Thema Organspende angesprochen werden. Das hat der Bundestag am Donnerstag beschlossen. Einem Jungen in Lauchhammer wurde durch eine Organspende ein zweites Leben geschenkt.

Söhnke Beyer aus Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) ist vier Jahre alt. Ein fröhlicher Junge, der gern herumtobt und lacht, wie andere Kinder in seinem Alter.

Doch bis dahin war es ein weiter, steiniger Weg. Söhnke kommt mit einem seltenen Gendefekt auf die Welt. Seine Nieren sind davon betroffen. Sie arbeiten am Ende nur noch zu 14 Prozent. Söhnke braucht dringend eine Nierentransplantation. Es dauert anderthalb Jahre, bis seine Eltern den erlösenden Anruf erhalten.

Die Spenderorgane bekommt Söhnke von einem im Sterben liegenden Baby, weil dessen Eltern schweren Herzens einer Organspende zugestimmt hatten.

Sandra und Kai-Uwe Beyer, die Eltern von Söhnke, sind diesem Paar unendlich dankbar und setzen sich deshalb für das Thema Organspende ein.

Das Handy war Tag und Nacht an

Nach der Geburt von Söhnke und der Schockdiagnose hatten für Sandra und Kai-Uwe Beyer Monate des Hoffens und des Bangens begonnen.

Bis zu acht Jahre könnte es dauern, bis passende Spendernieren für Söhnke gefunden werden, hatten die Ärzte den Eltern damals gesagt. Weil es zu wenige Spender gibt.

Tag und Nacht bleibt das Handy von Familie Beyer seit Söhnkes Geburt angeschaltet. Immer in der Hoffnung, dass der erlösende Anruf aus der Klinik kommt und passende Spendernieren für ihren Sohn gefunden wurden.

Als Söhnke anderthalb Jahre alt ist, klingelt endlich das Handy. Söhnke bekommt zwei neue Nieren und die Chance auf ein Leben ohne Dialyse und monatelange Krankenhausaufenthalte.

Der 4-jährige Söhnke Beyer auf einem kleinen Spielzeugauto.

Söhnkes Eltern werben für Organspende

Um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen, hat sich Söhnkes Vater der Aktion "Bike for Charity" [bike4charity.de] angeschlossen. Im Juli vergangenen Jahres ist er mit anderen Unterstützern des Projekts 1.000 Kilometer mit dem Fahrrad durch Deutschland gefahren.

Jeden Tag sterben in Deutschland durchschnittlich drei Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Allein 300 Kinder warten derzeit bundesweit auf eine neue Niere.

Damit auch diese Kinder eine neue Chance bekommen, wie ihr Sohn Söhnke, setzen sich die Beyers dafür ein, dass jeder Bundesbürger künftig automatisch Organspender wird.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Welch ein Glück für den Kleinen. - Bei der aggressiven Werbung für die Organspende denke ich mittlerweile daran, meinen Ausweis, den ich seit etwa 35 Jahren habe, zu vernichten. Wir müssen unsere Sterblichkeit annehmen, das hilft gar nichts.

  2. 2.

    Ganz schwieriges Thema.
    Dass man aktiv darauf angesprochen wird, finde ich gut. Das darf auch öfter als alle 10 Jahre sein.
    Aber wie ein sehr interessaner Artikel (ich glaube in der Tagesschau ) erklärt, werden hirntote Patienten weiter tagelang an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen bis alles zur Transplantation vorbereitet ist. Das wollen viele Menschen nicht. Da gehört in erster Linie Aufklärung dazu und die gibt es nicht.
    Nur mit guter Aufklärung fühlen die Menschen sich nicht veräppelt und können eine fundierte Entscheidung treffen.
    Welche Regelung auch immer, ich drücke fest die Daumen für alle, die auf ein Transplantat warten, dass die Spenderquote sich erhöht. Ich glaube, es gibt viele Menschen, denen kein Glaube und keine Angst im Wege steht und die einfach nur aktiv darauf angesprochen werden müssten.

  3. 1.

    Ich verstehe die Aufregung nicht. Jeder, der nicht spenden will, hat die Möglichkeit zu widersprechen. Allerdings sollte dann konsequenterweise auch ein lebenslanger Verzicht auf ein Spenderorgan erklärt werden. Es ist in unserer Gesellschaft zunehmend zu beobachten, dass es in vielen Lebensbereichen immer mehr "Nehmer" als "Geber" gibt. Das ist nicht fair und kann auf Dauer nicht funktionieren.

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