Kai Noack bekommt den Bundesverdienstorden von Landrat Altekrüger (Foto: rbb/Schiller)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.02.2020 | Bild: rbb/Schiller

Jahrelanges Engagement - Tafel-Chef Noack mit Bundesverdienstorden ausgezeichnet

Er hilft anderen, damit sie anderen helfen können. Nun wurde der Lausitzer Tafel-Chef Kai Noack für sein jahrelanges Engagement mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. Eine Ehre, die er mit Demut annimmt - aber auch mit Wünschen an die Bundesregierung.  

Der Lausitzer Kai Noack ist am Mittwoch mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet worden. Die "Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik", wie die Auszeichnung komplett heißt, wurde dem 48-Jährigen in Forst (Spree-Neiße) für sein ehrenamtliches Engagement verliehen. Er leitet in Südbrandenburg die Tafeln für Bedürftige und ist stellvertretender Vorsitzender der bundesdeutschen Tafeln.

Günther Nawroth und Kai Noack von der Cottbuser Tafel (Bild: Josefine Jahn/rbb)
Kai Noack (rechts) von der Cottbuser Tafel | Bild: rbb/Josefine Jahn

Auf mehreren Ebenen engagiert

Kai Noack war Baufacharbeiter, als er vor rund 25 Jahren beim Albert-Schweitzer-Familienwerk Brandenburg anfing. Er studierte nebenbei Sozialpädagogik und ist jetzt als Geschäftsführer des allgemeinnützigen Vereins auch für die sieben Tafeln in Südbrandenburg verantwortlich.

Als stellvertretender Vorsitzender der bundesdeutschen Tafeln knüpft er Kontakte zu möglichen Spendern und Unternehmen, die Sachspenden bereit stellen - von Obst und Gemüse über Schokoriegel bis hin zu kleinen Dingen des täglichen Bedarfs.

Außerdem ist Kai Noack seit vielen Jahren im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Spree-Neiße und seit 2019 Mitglied des Kreistages.

"Staat darf sich nicht seiner Aufgaben entledigen"

Kai Noack nimmt den Bundesverdienstorden "sehr dankbar und demütig entgegen." Doch er erklärt, dass er die Auszeichnung stellvertretend für die "vielen, vielen Helfer in den Tafeln aber auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer in de Albert-Schweitzer-Kinderdörfern und Familienwerken" entgegennimmt. Noack betont, dass seien arbeit ohne die vielen Ehrenamtlichen gar nicht möglich wäre.

Allerdings dürfe der Staat sich nach Ansicht von Kai Noack auch nicht auf so einer Auszeichnung ausruhen, sondern müsse das Ehrenamt stärken und unterstützen. "Der Staat darf sich nicht seiner Aufgaben entledigen und die an ehrenamtliche und gemeinnützige Organisationen übertragen. Ich glaube, das fällt uns irgendwann auf die Füße."

Im vergangenen November forderte Kai Noack als stellvertretender Vorsitzender der Tafeln Deutschland Unterstützung von der Bundesregierung bei der Infrastruktur und Organisation. Obwohl die Bundesregierung die Tafeln als wichtigen Akteur im Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln sehe, gebe es keine Hilfe bei täglichen Ausgaben wie Miete oder Strom, so der Chef der Cottbuser Tafel. Die Tafeln kämen damit an ihre Grenzen.

Immer mehr alte Menschen auf Tafel angewiesen

Die Tafeln verteilen Lebensmittel an Bedürftige. Das Angebot wird laut Kai Noack vor allem von Rentnern, Hartz4-Empfängern, Flüchtlingen und Familien mit Kindern genutzt. 300 bis 400 Menschen profitieren pro Tag von den Lebensmitteln, die allein die Cottbuser Tafel bereitstellt.

Blickt man auf ganz Deutschland, so retten die rund 950 Tafeln jährlich knapp 265.000 Tonnen Lebensmittel und verteilen sie an Bedürftige. Laut Zahlen aus dem vergangenen Herbst, sind iImmer mehr Menschen auf Lebensmittel-Spenden angewiesen. Demnach waren es im September 1,65 Millionen Menschen, das sind zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vor allem Senioren sind betroffen - und in Berlin und Brandenburg besonders viele von ihnen.

Hier liege der Anteil der Menschen, die im Rentenalter sind und zur Tafel kommen, insgesamt bei 32 Prozent. Im Bundesdurchschnitt seien es nur 26 Prozent.

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