Das Schiff "Klara" wird mit einem Kran in den Sedlitzer See gehoben, wo es in den nächsten Monaten das wasser bekalken soll, damit es ph-neutral wird.
Audio: Antenne Brandenburg | 03.06.2020 | Bild: rbb/Iris Wußmann

Gegen saures Wasser - Spezialschiff "Klara" schaufelt Kalk in den Sedlitzer See

Die Lausitzer Tagebauseen haben alle das gleiche Problem: Ihr Wasser ist zu sauer. Auf dem Sedlitzer See ist deshalb seit Dienstag ein Spezialschiff im Einsatz, das Kalk in den See einleitet. Dadurch soll das saure Wasser neutralisiert werden.

Das Boot, das am Dienstag mit einem Kran aufs Wasser des Sedlitzer Sees (Oberspreewald-Lausitz) gehoben wird, sieht unspektakulär aus - die Fracht des kleinen Kutters hat es aber in sich. Das Spezialschiff "Klara" der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hat tonnenweise Kalk an Bord. Dieser wird während der Fahrt in das Wasser des Sees eingeleitet, um den pH-Wert anzuheben.

Der Sedlitzer See ist durch die Flutung des ehemaligen Tagebaus Sedlitz entstanden. Wie auch andere Tagebau-Seen hat auch der Sedlitzer See zu saures Wasser. Pflanzen und Fische können darin schlecht gedeihen. Durch die Zugabe von Kalk soll das Wasser neutralisiert werden.

Ein LKW mit Aufliieger bringt das Gewässerbehandlungsschiff "Klara" zum Sedlitzer See.
| Bild: rbb/Iris Wußmann

Spezialschiff wird mehrere Monate im Einsatz sein

Die LMBV geht davon aus, dass das Spezialschiff voraussichtlich bis Ende September auf dem Sedlitzer See im Einsatz sein wird.

Rund 10.000 Tonnen sogenannter Branntkalk werden in den Sommermonaten in das Bergbaufolgegewässer eingebracht, pro Tag werden es rund 150 Tonnen sein.

Dazu ist es notwendig, dass täglich bis zu sieben Silofahrzeuge durch den Ort Sedlitz fahren und den Kalk anliefern werden, teilt die LMBV mit.

Saures Wasser ist Spätfolge des Kohleabbaus

Die Säure im Wasser entsteht durch das Graben nach Kohle und das dafür erforderliche Absenken des Grundwasserspiegels.

Eingelagertes Pyrit wird dadurch in Schwefelsäure umgewandelt, die später durch die Flutung und den Wiederanstieg des Grundwassers in den See gelangt. Zudem bindet die Säure im Wasser Nährstoffe wie Phosphor, die Pflanzen und Fische für ihr Wachstum benötigen.

Bis der pH-Wert neutralisiert ist, vergehen in manchen Fällen Jahre, je nach Größe der Seen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.06.2020, 14:10 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    An sich nichts dramatisches. Es entstehen CaSo4 Verbindungen. Gemeinläufig als Gips oder Anhydrit bekannt. Dürfte sich auf dem Boden ablagern und dort sich noch als Düngemittel für Pflanzen dienen. 10.000 Tonnen sind für einen großen See nicht sehr viel. Da sind einige Mio Tonnen Wasser drin. 1330 ha und auch recht tief. Ich denke locker über 60mio Tonnen Wasser. Wäre ja schön wenn die Journalisten solche fachlichen Informationen mal aufbereiten würden. Im Internet findet man konkretes gar nicht so leicht.

  2. 4.

    Branntkalk ist kalziumoxid, wird im Wasser zu loeschkalk kalziumhydroxid und kann so Schwefelsäure zu Gips Kalziumsulfat Schwefeldünger neutralisieren. Der geringe ph-Wert der sauere steigt in Richtung basisch. Die Experten machen das schon. Halbwissen wird nicht addiert, es multipliziert sich :-)

  3. 3.

    Alles nicht so wild, es bildet sich Calciumsulfat, in dem Fall Gips und die Gefahr das die Temperatur zu hoch wird, ist bei der Masse an Wasser nicht da. Es handelt sich ja nicht um konzentrierte Lösungen. In der Abwasserbehandlung ist das ein normales Vorgehen.

  4. 2.

    Was ist mit dem entstehenden Sulfat? Ich bin kein Fachmann, aber gesund hört sich das nicht an.

  5. 1.

    10.000t Ätzkalk, 150t täglich? Wo liegt denn dann der ph-Wert des Sees, bei knapp über Null?

    Mein Chemie-Unterricht ist schon länger her. Aber ergibt die Kombination aus Calciumverbindungen mit Schwefel nicht eine ziemlich tödliche Wirkung für manches in Flora und Fauna und haben davon unabhängig Calciumhydroxid bzw. dessen Lösungen nicht eine ätzende Wirkung? Den ph-Wert abzusenken ist eines, aber Verbindungen bleiben doch auch zurück, sie lösen sich ja nicht in Wohlgefallen auf. Ganz abgesehen von der Reaktion selbst, schließlich kann das Wasser dabei sieden (Wäre ja mein Exkursionstipp für alle Chemielehrer*innen). Hinzu kommt, dass sich Calciumhydroxid nur unter ganz best. Bedingungen in Wasser löst, es wird also dort verbleiben. Es ist dann letztendlich immer noch ein ätzender See, nur eben nicht sauer, sondern basisch. "Toll!" Das wird das reinste Naturparadies.

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