Archivbild: Ein Schüler lässt sich die Funktionen eines Mähdreschers erklären. (Quelle: dpa/W. Thieme)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.07.20 | Iris Wussmann | Bild: dpa/W. Thieme

Wenig Interesse an Beruf - Der Landwirtschaft gehen die Azubis aus

Immer weniger Jugendliche gehen in die Landwirtwirtschaft werden. Der Bauernverband beschreitet deshalb neue Wege: Mit Videos auf Instagram, Facebook und Youtube will man Jugendliche dort abholen, wo sie sind - und dabei Lust auf den Beruf machen.

Die Landwirtschaft in Brandenburg hat ein Azubi-Problem. Immer weniger Jugendliche wollen Landwirt werden. Der Südbrandenburger Bauernverband hat deswegen eine Initiative gestartet und produziert nun Werbeclips für die sozialen Medien. Erschienen sind sie bisher nicht.

Webvideos für Youtube, Facebook, Instagram

Mit einer Schubkarre holt Lilli Reimann Heu für die Bullenkälber heran. Sie ist 17 und im zweiten Lehrjahr zur Landwirtin. Auch bei ihr war Bäuerin nicht der Traumberuf, doch die Großeltern hatten einen Hof. Der Weg war damit vorbestimmt. "Deswegen mache ich das weiter", sagt sie. So kann sie draußen arbeiten, ohnehin sei sie mit Tieren aufgewachsen. Doch die Arbeit ist kein Zuckerschlecken, wie Lilli Reimann zugeben muss.

Der Bauernverband Südbrandenburg produziert nun Webvideos, die authentisch und ohne Werbebrille den Beruf des Landwirts präsentieren sollen und so mehr Jugendliche wie Lilli für die Landwirtschaft begeistern sollen. "Wir wollen sie eigentlich überall dort abholen, wo sie auch unterwegs sind, nämlich in den sozialen Medien, bei Facebook, Youtube, Instagram", sagt Borjana Dinewa-Zelt vom Bauernverband. Der Verband erhofft sich damit eine große Reichweite, auch über die Eltern, die häufiger auf Facebook unterwegs seien, erklärt sie.

Heiko Terno, Geschäftsführer des Gutes Kemlitz (Bild: rbb/Wussmann)
Heiko Terno, Geschäftsführer des Gutes Kemlitz | Bild: rbb/Iris Wussmann

Anspruchsvolle Arbeit - niedrige Bezahlung

Heiko Terno, Lilli Reimans Chef auf dem AWO Gut Kemlitz bei Dahme (Teltow-Fläming), ist selbst sehr aktiv bei Facebook. Er weiß, dass er gegen das Image seines Berufes ständig ankämpfen muss. "Früher war das hier mit Gummistiefeln und Mistgabel, aber heute ist vieles automatisiert", so Terno. Melkmaschinen, Tränkapparate, Traktoren - vieles laufe heute computergestützt ab. Die Landwirtschaft sei moderner als ihr Ruf, aber auch anspruchsvoller als früher. Auch das ist ein Grund, warum es immer weniger Bewerber auf freie Lehrstellen gibt.

Helmut Richter, Chef eines Agrarbetriebes in Saßleben (Oberspreewald-Lausitz), bekommt das deutlich zu spüren. Zum ersten Mal in seiner Laufbahn hat er in diesem Jahr keinen Lehrling gefunden. Als Grund sieht er einerseits die schwere Arbeit, auf der anderen Seite aber auch die vergleichsweise niedrige Bezahlung in der Landwirtschaft, vor allem für Auszubildende.

Mehr sei nicht möglich, so Richter, da die Preise für Milch, Fleisch und Getreide zu niedrig seien. Seine Melker kommen mittlerweile alle aus Polen, in Deutschland hat er niemanden für die Arbeit gefunden. Das war sein Antrieb, auf einen hochmodernen neuen Stall zu setzen. Wenn der fertig ist, soll vom Füttern über das Melken bis zum Ausmisten fast alles automatisiert ablaufen.

Richter sieht auch darin eine Chance, junge Leute von der Landwirtschaft zu überzeugen. Für Lilli Reimann kommt hingegen nur noch dieser Beruf in Frage. "Das Leben findet draußen statt, nicht nur drin."

2 Kommentare

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  1. 2.

    nach einem Leben mit schlechter Bezahlung und harter Arbeit kaum Rente.... Es geht doch hier darum, dass die Bezahlung von landwirtschaftlichen Arbeitskräften noch nicht sehr weit von „einer Kanne Magermilch und einem Kanten Brot“ entfernt ist. Um eine Gesellschaft, die solche Arbeitsverhältnisse zulässt. Und Rundfunkjournalisten, die nicht ein Minimum an kritischer Distanz aufbringen. Mal die Lohnhöhe nennen. Oder klären, warum es im Ökolandbau den Mangel an Ausbildungswilligen nicht gibt. Vielleicht möchten die jungen Menschen ihr Leben nicht als schlecht bezahlte Tierquäler und Bödenvernutzer verbringen.

  2. 1.

    "Mehr sei nicht möglich... "
    Jetzt fehlt nur noch die Forderung nach neuen Subventionen für Azubis. Aber sonst ist alles klar auf der Andrea, der Doria. Wenn es nicht geht - dann lass es.

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