Panoramaaufnahme des Cottbuser Ostsees. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Trockenheit in Brandenburg - Dem Cottbuser Ostsee geht das Wasser aus - bevor es da ist

Vor gut einem Jahr begann die Flutung einer Tagebaugrube bei Cottbus, aus der in ein paar Jahren Deutschlands größter Binnensee werden soll. Doch das Projekt "Ostsee" leidet zunehmend unter der anhaltenden Trockenheit in Brandenburg. Von Marie Asmussen

Vor über einem Jahr, am 12. April 2019, hieß es "Wasser marsch!". Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) persönlich startete damals die Flutung des Ostsees mit Wasser aus der Spree.

Zwei Wochen später musste der Hahn schon wieder zugedreht werden, weil die Spree selbst nicht mehr genug Wasser hatte. In diesem Jahr war der Februar erfreulich nass. Aber seit dem 25. März ist schon wieder Schluss mit Frischwasser für den Ostsee. In den sächsischen Talsperren herrscht Ebbe. Von dort kriegt die Spree nur noch ein gutes Drittel der Wassermenge, die sie eigentlich kriegen sollte.

Leag-Projektleiter bleibt zuversichtlich

Stefan Fisch ist beim Energieunternehmen Leag Projektleiter für den Ostsee. Für dessen Flutung habe man auch solche langanhaltenden Trockenphasen wie jetzt als mögliches Szenario eingeplant, sagt der promovierte Umweltwissenschaftler. Man müsse eben warten, bis es mal wieder mehr regnet. Dann könne man wieder Wasser aus der Spree in den Ostsee leiten. Stefan Fisch bleibt zuversichtlich und erwartet, dass der See Mitte der Zwanziger Jahre bis zur Oberkante gefüllt sein wird.

 

Auch René Schuster von der Grünen Liga in Cottbus rechnet mit einem vollen Ostsee - irgendwann. Für den Umweltschützer stellt sich allerdings die Frage: Wird der See voll bleiben? Denn von dessen riesiger 1.900 Hektar Oberfläche werden in heißen, trockenen Sommern Millionen Liter Wasser verdunsten, fürchtet Schuster. Aus der Spree könne man das dann nicht nachfüllen.

Flacher See könnte schnell verdunsten

Der Ostsee soll am Ende gut zweieinhalb Mal so groß sein wie der Müggelsee und über weite Strecken mit zwei bis drei Meter Wassertiefe ziemlich flach. Auch das könne die Verdunstung beschleunigen, meint René Schuster. Mit möglicherweise unerfreulichen Konsequenzen. Sollte der See nämlich zu viel Wasser verlieren, müsste er beim Unterschreiten eines bestimmten Pegels gesperrt werden. Die Ufer würden zwar verdichtet und damit gegen Abrutschen gesichert, aber nur wenn der Wasserstand nicht zu tief fällt.

So musste der Senftenberger See, der auch aus einem Tagebauloch entstanden ist, im Herbst 2018 für ein halbes Jahr gesperrt werden. Bei Niedrigwasser war eine unbefestigte Insel teilweise abgerutscht. So etwas wird beim Ostsee nicht passieren, versichert Projektleiter Stefan Fisch von der Leag. Der liegt nämlich in einem Urstromtal. Und aus dem werde der See später mit Grundwasser versorgt. Und zwar so reichlich, dass der Ostsee sogar überlaufen wird, meint der Umweltwissenschaftler. Vielleicht werde es in besonders trockenen Jahren mal keine Abflüsse geben, aber durch die Grundwasserzuflüsse sei extremes Niedrigwasser ausgeschlossen.

Umweltschützer warnt vor "enormen Verdunstungsverlusten"

René Schuster von der Grünen Liga ist da weniger optimistisch. Zwar sieht auch er keine Alternative zur Flutung von Tagebaulöchern, aber diese Seen sollten so klein wie möglich bleiben. Denn im Klimawandel könne man sich die enormen Verdunstungsverluste großer Wasseroberflächen nicht mehr leisten, so Schuster.

Im Übrigen würde in heißen Sommern in der Lausitz nicht nur aus dem Cottbusser Ostsee Wasser verdampfen, sondern auch aus den vielen großen Tagebauseen, die der DDR-Kohlebergbau schon hinterlassen hatte. Im Laufe des Kohleausstiegs kommen da noch einige hinzu. Und die brauchen alle Wasser.

Sendung: Inforadio, 14.07.2020, 6:05 Uhr

Beitrag von Marie Asmussen

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15 Kommentare

  1. 15.

    Ich bin mal gespannt was die ganzen Weltuntergangstheoretiker sagen, wenn es mal wieder ein paar feuchte Jahre gibt und Hochwasser. Man hat manchmal das Gefühl, diese Leute gehen gar nicht vor die Haustür und plappern nur nach. Dass hier Zweifel an der Machbarkeit des CB Ostsee geäussert werden, kann nur bedeuten dass diese Leute die letzten 30 Jahre in der Lausitz absolut nichts mitbekommen haben oder wie lässt sich sonst erklären dass trotz trockener Jahre Anfang/Mitte der 90er z.b. der Bärwalder See, Bernsteinsee, Lohsa 2, Dreiweiberner See, Spreetaler See, Geierswalder See, Partwitzer See, Gräbendorfer See, Grossräschener See bereits geflutet sind? Oder dass man im Bärwalder See, Dreiweiberner See, Gräbendorfer und Geierswalder See jetzt schön angeln kann? Dass diese Seen und ein paar andere vielfältig nutzbar sind(Wassersport, Fahrrad fahren, Outdoor, Natur)Wie ist trotz allem zu erklären, dass ich jetzt in Mischwäldern! Pilze sammeln kann, wo vor 25 Jahren noch ne Sandfläche war?

  2. 14.

    Es ist nicht richtig formuliert worden. Der Ostsee wird der größte künstlich angelegte See werden. Somit müßte man eigentlich von Teich und nicht von See reden.

  3. 13.

    Lieber RBB, der Ostsee wird weit davon entfernt bleiben, Deutschlands größter Binnensee zu sein. Es kommt noch mehr als ein Dutzend Seen davor – neben Müritz und Chiemsee wird er bloß eine Pfütze. Es langt nur für die Krone in Brandenburg.

  4. 12.

    Ich könnte ja fragen, ob Ihnen Greenpeace das Spielzeug weggenommen hat oder warum sonst Sie hier jeden anpinkeln.

    Aber im Ernst: Promovierte Umweltwissenschaftler gibt es viele. Allerdings werden nicht alle von der Leag bezahlt. Unter den anderen gab es auch welche, die es von vornherein für keine gute Idee hielten, in Deutschlands trockenster Region so einen großen See anzulegen, und stattdessen für einen tieferen und folglich kleineren See plädierten, der weniger Wasser durch Verdunstung verliert. Das finde ich als Ingenieur für Umwelt- und Energietechnik (ja, diese Kombination gibt es; nein, man muss deswegen nicht für die Braunkohle arbeiten) gar nicht mal so abwegig.

    Was das Gerede von „Weltklimaretter-Subventionen“ bedeuten soll, wissen Sie wahrscheinlich selbst nicht – Hauptsache, mal wieder seinen Hass an den Umweltfreaks auslassen, stimmt’s?

  5. 11.

    Ich könnte ja fragen, ob Ihnen Greenpeace das Spielzeug weggenommen hat oder warum sonst Sie hier jeden anpinkeln.

    Aber im Ernst: Promovierte Umweltwissenschaftler gibt es viele. Allerdings werden nicht alle von der Leag bezahlt. Unter den anderen gab es auch welche, die es von vornherein für keine gute Idee hielten, in Deutschlands trockenster Region so einen großen See anzulegen, und stattdessen für einen tieferen und folglich kleineren See plädierten, der weniger Wasser durch Verdunstung verliert. Das finde ich als Ingenieur für Umwelt- und Energietechnik (ja, diese Kombination gibt es; nein, man muss deswegen nicht für die Braunkohle arbeiten) gar nicht mal so abwegig.

    Was das Gerede von „Weltklimaretter-Subventionen“ bedeuten soll, wissen Sie wahrscheinlich selbst nicht – Hauptsache, mal wieder seinen Hass an den Umweltfreaks auslassen, stimmt’s?

  6. 9.

    Logisch, dann merken diese nämlich dass IHRE kassierten und dann ausgelaufenen Weltklimaretter-Subventionen nichts außer Schulden für die Folgenerationen hinterlassen haben. Aber SIE machen es ja nur für die Umwelt...

  7. 8.

    Wenn der Fisch dann noch ohne Wasser da steht wirds doppelt lustig.....
    Nur unsere Enkel werden nichts zu lachen haben.

  8. 7.

    Natürlich ist ihr Weitblick bedeutend höher einzuschätzen als die Szenarien eines promovierten Umweltwissenschaftlers.
    Hat die LEAG Ihnen mal die Freundin ausgespannt?

  9. 6.

    Na es gibt ja jetzt noch ein paar Extra-Milliarden für Kohlebosse. Davon kann man die Löcher dann vielleicht wieder zuschütten.

  10. 5.

    Das konnte man aber schon vorher wissen.

  11. 4.

    Zählt ein See auch zur Bergbaufolgelandschaft?
    Oder ist das nur die einfachste Variante?
    Wozu braucht die Region so viel künstliche Wasserfläche?
    So wie es im Beitrag beschrieben wurde, droht doch recht bald eine Verlandung und Austrocknung. Eine Begrünung wird auch mangels Wasser schwierig werden. Außer es wieder die Kiefer gepflanzt.

  12. 2.

    Man darf gespannt sein wie groß der Optimismus bei der Leag ist die noch zu flutenden Kohlelöcher voll zu kriegen.
    Von der ( bescheuerten) Idee abgesehen einen Elbe Überleiter für 500 Mio zu bauen, ein Fluss der auch immer weniger Wasser führt. Einen Vorteil hat die Situation, führt sie doch dem Blindesten die Folgen des billigen Kohlestroms vor Augen.

  13. 1.

    "keine Alternative zur Flutung von Tagebaulöchern" Wenn kein Wasser da ist dann gibt es auch keine Flutung.

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