Branitzer Park in Cottbus © imago images / Shotshop
Audio: Antenne Brandenburg | 29.07.2020 | Amelie Ernst | Bild: imago images / Shotshop

Trockenheit und Klimawandel - Wie historische Parks versuchen, den Baumbestand zu retten

Welke Blätter, Stammververfärbungen, Schädlinge: Klimawandel und Trockenheit gefährden historische Parkanlagen in Berlin und Brandenburg. Auch im Branitzer Park bei Cottbus arbeitet man an Lösungen. Von Amelie Ernst

Auf den ersten Blick scheint Wassermangel im Branitzer Park in Cottbus kein Thema zu sein: Mehrere Gräben und Teiche durchziehen die mehr als 100 Hektar große Anlage, die Fürst Pückler Mitte des 19. Jahrhunderts anlegen ließ.

Doch viele extreme Sommer in Folge hätten speziell den Bäumen zu schaffen gemacht, sagt Parkleiter Claudius Wecke. "Alte Riesen, die sozusagen auf einmal anfangen, nicht mehr richtig austreiben zu wollen, welk zu werden, absterben, von Schädlingen befallen werden, eigenartige Stammverfärbungen bekommen – das hatten wir so noch nicht. Das muss man ganz klar sagen", sagt Wecke.

Bunte Blütenpracht im Branitzer Park, weitere Sommerpflanzen kommen gerade dazu
Branitzer Park wird sommerlich bepflanzt | Bild: rbb/Florian Ludwig

Trockenheit ist Folge des Klimawandels

Um zu überprüfen, ob es sich dabei nicht nur um einen vagen Eindruck handelt, betreibt Wecke seit dem vergangenen Jahr ein Monitoring zur Trockenheit und zu den Folgen für die Bäume.

Erste Erkenntnis: Es handelt sich nicht nur um eine Trockenphase, sondern um die Folgen des Klimawandels. "Das besorgt uns sehr. Wir versuchen uns aber, dem mit Lösungen entgegenzustellen. Wir bewässern gezielt, wir führen das Wasser gezielt an Stellen, wir belüften gezielt Wurzeln, es wird gezielt gedüngt, an verschiedenen Stellen am Wasserspeichervermögen gearbeitet, Altholz ausgeschnitten und vieles andere mehr."

Parks sind oft auch Welterbestätten

Die Gärtner in Branitz und anderswo können und wollen die historischen Parks nicht einfach so aufgeben. Schließlich handelt es sich oft um Welterbestätten und um Gartenarchitektur, die über Jahrhunderte gepflegt wurde.

Doch es werde sich etwas ändern müssen, betont auch der Biologe Michael Succow: "Wir steuern in Richtung eines Waldsteppenklimas hin. Mit enormen Veränderungen, Vertrocknen von Landschaften, Fließgewässern, Seespiegel sinken, kaum noch Grundwasserbildung. Und da ist jeder weitere Eingriff in den Landschaftswasserhaushalt nicht mehr weiter zu akzeptieren."

Gezielt Baumarten für die klimatische Veränderung auswählen

Im Branitzer Park versucht Claudius Wecke vor allem auf natürliche Wasserreservoirs zurückzugreifen und mit ihnen sparsam umzugehen. Deshalb achtet der Parkleiter jetzt zumindest bei Neupflanzungen verstärkt auf die Baumart.

Nicht jede historische Pflanzung wird eins zu eins ersetzt. Vor knapp zehn Jahren hätten sie deswegen die Baumuniversität in der Schlossgärtnerei wieder eingerichtet, sagt Wecke: "Wir lesen da gezielt Arten aus, die an diese Klimaveränderung besser angepasst sind." Zudem experimentiere man mit besonderen Eichen aus dem Mittelmeerraum, die im Wuchs der einheimischen Stieleiche, die häufig im Park vorzufinden ist, nahe kommt. "Deswegen erwarten wir uns hier auch nochmal einen Lösungsansatz", sagt Wecke.

Klar ist: Die historischen Parks befinden sich im Wandel. Früher waren sie ein Luxus für Fürsten und Könige. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden sie wohl ein Luxus für alle – zumindest dort, wo das Wasser fehlt.

Beitrag von Amelie Ernst

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Jetzt einmal recht großzügig unabhängig und über den Klimawandel hinausgedacht, so gab es die besagte Aufgabe einer behutsamen Wandlung immer. Wenngleich auch nicht unbedingt in der gegenwärtigen Rasanz. Die Einführung der elektrischen Beleuchtung in den Bauwerken veränderte die Wahrnehmung von Hell und Dunkel, der Einbau von Fahrstühlen, Treppenliften oder Rampen ist ein gewiss zu verschmerzender Eingriff in die historische Bausubstanz, um allen Menschen den Zugang zu gewähren.

    Es gilt, doppelt zu denken: Die heutigen Anforderungen und Maßgaben mit zu bedenken und gleichzeitig es so in das historische Gepräge einzufügen, dass es nahezu so aussieht, als wäre es schon immer dagewesen. Auch eine Kunst und dabei drücke ich die Daumen. Die Herausforderung ist um so leichter, je stärker die Erderwärmung gebremst werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren