Ein Gewächshaus in Branitz (Bild: rbb/Schiller)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.08.20 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Schiller

Projekt des "Lichtblick Cottbus e.V." - Arbeitslose bauen in Cottbus Gemüse für die Tafel an

Während Eigentümer und Stadt über die Nutzung eines Grundstücks im Cottbuser Stadtteil Branitz streiten, beackern Langzeitarbeitslose auf dem Gelände einen Garten. Das produzierte Gemüse geht als Spende an die Cottbuser Tafel - bis zu 80 Kisten pro Woche.

Ein Grundstücksstreit im Cottbuser Stadtteil Branitz bringt der örtlichen Tafel reichlich Spenden ein. Auf dem Gelände in unmittelbarer Nähe zum Branitzer Park möchte der Eigentümer Häuser errichten. Der Bebauungsplan und somit die Stadt sprechen allerdings dagegen.

Der "Lichtblick Cottbus e.V." hat nun einen Teil des Areals gepachtet - und nutzt ihn.

Auf den ersten Blick sieht das Gelände wie eine normale Gärtnerei aus. Auf einem großen Feld wachsen Sonnenblumen, Kräuter und Kürbisse. Daneben, in sechs großen Gewächshäusern, sprießen Tomaten, Zwiebeln sind zum Trocknen aufgehängt worden.

Das Gemüse ist für die Cottbuser Tafel bestimmt, erklärt Lichtblick-Vorstand Lars Kuhr. Kontinuierlich werde das Gemüse angebaut und zwei Mal pro Woche von der Tafel abgeholt.

Die Arbeitskräfte sind keine ausgebildeten Gärtner, so Kuhr. "Das Ganze wird als Arbeitsgelegenheit vom Jobcenter gefördert. Uns werden Teilnehmer zugewiesen, sogenannte Ein-Euro-Jobber", sagt er. Die würden sich darum kümmern, dass das Gemüse wachse, würden Unkraut jäten und bewässern - auch an den Wochenenden, wie Lars Kuhr erklärt.

Der Garten im Cottbuser Stadtteil Branitz (Bild: rbb/Schiller)
Der Garten im Cottbuser Stadtteil Branitz | Bild: rbb/Schiller

Spenden für Tafel ein "Glücksfall"

Bis zu 80 Kisten kommen so pro Woche für die Tafel zusammen. Für den Träger, das Albert-Schweitzer-Familienwerk, ist das ein Segen, wie Geschäftsführer Kai Noack sagt. "Menschen, die sich in Armut befinden, haben eigentlich kaum eine Möglichkeit sich ausgewogen und gesund zu ernähren", so Noack. "Frisch produziertes Obst und Gemüse, bei dem jeder weiß, wo es herkommt, das ist für uns ein Glücksfall", sagt er.

Jan Wennicke ist einer von denen, die in der Gärtnerei arbeiten. Gern würde er wieder einer regulären Tätigkeit nachgehen, auch als Gärtner. Für seine Arbeit in Branitz gibt es nicht nur etwas Geld, sondern auch produzierte Lebensmittel. "Dann weiß man, was man geerntet hat", sagt er. Er freut sich, in Branitz eine sinnvolle Beschäftigung gefunden zu haben.

Dafür braucht es aber auch Material, Arbeitshandschuhe oder Werkzeug. Für den "Lichtblick e.V.", der das Gelände nur gepachtet hat, sind große Neuanschaffungen nicht zu leisten. "Wir halten es halt am Laufen", sagt Lars Kuhr. Auch, wenn vieles schon in die Jahre gekommen sei. So lebt das Projekt hauptsächlich vom Engagement der Arbeitskräfte und des Vereins.

Der Lichtblick Cottbus e.V. wurde 2005 gegründet, mit dem Ziel sich für bedürftige Menschen einzusetzen. Der Verein bietet Beschäftigungsprojekte, aber auch Beratungen für Langzeitarbeitslose an, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

4 Kommentare

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  1. 4.

    Sinnvoll und ein brachliegendes Grundstück wird aktiv genutzt und danke an die Menschen die dort gerne arbeiten und nicht nur rumjammern.

  2. 3.

    Meinen Respekt dafür - klasse. Mehr davon bitte

  3. 2.

    Coole Sache ,sollte auch bei uns eingeführt werden,in jedem Park ein Teilstück oder auf Brachen mit Ehrenämter und Langzeitarbeitslosen u d anderen Freiwilligen

  4. 1.

    Sehr gutes Projekt. Wenn dann endlich diese unsägliche staatliche Insolvenzverschleppung aktuell beendet ist und die dann mittlerweile fast 1. Mio. Zombieunternehmen kippen, wird das ein wegweisendes Beispiel sein. Dann können wir den Laden hier eh dicht machen, weil das volkswirtschaftliche Kapital aufgebraucht ist. Hat ja in der ddr auch schon nicht funktioniert mit Augen zu und durch. Da können sich dann viele ihr Selbstverwirklichungswochenende im Kloster sparen und auf diese Art zu sich und anderen finden. Top!

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