Mohamed Scharr in Cottbus auf dem Altmarkt (Foto: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 12.08.2020 | Phillip Manske | Bild: rbb

Fünf Jahre "Wir schaffen das" | Portrait - "Cottbus ist eine optimale Stadt, wo man sein Leben wieder aufbauen kann"

Cottbus statt Damaskus. 2016 flieht Mohamed Scharr vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland. Er landet in der Lausitz, fremdelt zunächst mit Cottbus. Doch dann fängt er an, sich zu engagieren. Er will Vermittler sein, zwischen Deutschen und Syrern. Von Phillip Manske

"Ich wollte keine Waffe halten. Dort in Syrien herrscht Krieg." Es ist Anfang Januar 2016, als Mohamed Scharr aus Syrien flieht, um dem Krieg zu entkommen. Mit 18 Jahren macht er sich auf den Weg Richtung Deutschland und landet wenige Wochen später in der Lausitz, in Cottbus.

Der Wunsch nach Sicherheit und Meinungsfreiheit

Mohamed kommt ganz allein nach Deutschland. Ihm geht es um seine Sicherheit und die Möglichkeit, seine Meinung sagen zu können. "In Syrien gibt es keine Demokratie und Menschenrechte mehr. In Deutschland hat man die Demokratie und seine Meinungsfreiheit." Hier könne er sich "gut fühlen", sagt der heute 23-Jährige.

Anfang fällt ihm das noch schwer. Mohamed fremdelt mit Cottbus, denn es brodelt in der Stadt. Immer wieder kommt es zu Gewaltausbrüchen. Flüchtlinge greifen Deutsche an und umgekehrt. "Ich habe mich am Anfang nicht für Cottbus entschieden. Ich bin zugeteilt worden." Er sei mit Neugier nach Cottbus gekommen, aber habe auch gewusst, "dass ich in Ostdeutschland gelandet bin, wo man hört, dass es viele Problematik gegen Ausländer gibt."

Mohamd in der Cottbuser Innenstadt bei einer Demo (Foto: rbb)
Mohamed bei der Demo 2018 | Bild: rbb

Mohamed will sich mit der Situation nicht abfinden. 2018 organisiert er eine Demonstration gegen Gewalt und Rassismus. Dadurch lernt er viele Leute kennen, die ihm Hilfe anbieten. Sie unterstützen ihn bei einer Ausbildung und helfen ihm, sein Leben in Cottbus aufzubauen. Er habe auch ehrenamtlich Nachhilfe bekommen, unter anderem um Deutsch zu lernen. "Das hat mich sehr motiviert und ich habe gemerkt: Cottbus ist nicht übel."

Mohamed wird in Cottbus gebraucht

Mohamed Scharr hat Cottbus schätzen gelernt, die kurzen Wege, die günstigen Wohnungen, die vielen Kontakte. Und er wird in der Stadt gebraucht. Mohamed hat eine Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht. Jetzt will er Erzieher werden und dabei die Art der Erziehung in beiden Kulturen ändern. "Es gibt Kinder, die geschlagen werden, oder runter gemacht und unter Druck gesetzt werden, weil die Eltern überfordert sind. Sie wollen den Kindern eine Art der Konsequenz zeigen ... das ist einfach eine falsche Art."

Mohamd in Cottbus beim Unterricht (Foto: rbb)
Mohamed im Unterricht | Bild: rbb

Mohamed will Brückenbauer sein zwischen Deutschen und Syrern. Gerade hat er einen Film gedreht, der Geschichten von Flüchtlingen und Einheimischen erzählt. Bis Oktober soll er fertig geschnitten sein. Ziel ist, dass der Film bei der Lausitzer Filmschau im Rahmen des Filmfestivals Cottbus, in Cottbuser Kinos und bei Podiumsdiskussionen in der Stadt gezeigt wird, später auch im Internet.

Mohamed ist angekommen. "Cottbus ist eine optimale Stadt, wo man sein Leben wieder aufbauen kann." Mohamed Scharr will in Cottbus bleiben. In seiner neuen Heimat.

6 Kommentare

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  1. 6.

    Ihre Worte in Gottes Ohr.
    Mir persönlich sieht das alles zu rund aus. In einem anderen Forum ist er schon Erzieher, hier will er erst einer werden. weiter heißt es da
    "Neben seinen Erfahrungen als Erzieher findet er eine Ausbildung im Elektronikbereich durchaus reizvoll. Die Zusage dafür hat er schon in der Tasche"

    https://www.hermannimnetz.de/spot-on-mohammed-scharr/

  2. 5.

    Klar wird meist nur aus der Sicht von Flüchtlingen berichtet, aber mir sind solche positiv eingestellten Flüchtlinge wie er, die was aus ihrem Leben machen, lieber als wie die, die Probleme machen.
    Insofern verkörpert er doch das, was Deutsche sich wünschen: Integration.
    Außerdem ein weiteres Beispiel, dass das Märchen "Alle wollen aus Brandenburg weg" nicht stimmt.
    Klar ist das für Flüchtlinge doof in einer neuen Umgebung.
    Aber wo der Wille da ist, kann man auch eine Heimat finden.

  3. 4.

    Das haben Sie falsch verstanden. Er ist kein "Erzieher", er hat eine niedrigschwellige Ausbildung als Sozialassistent gemacht.

  4. 3.

    Verstehe ich auch nicht, warum man bei diesem Porträt eines mutmaßlich anerkannten Asylbewerbers, der offenbar lern- und anpassungswillig ist, unbedingt ein Haar in der Suppe finden möchte. Problematischere Fälle, in denen es entweder an der Aufenthaltsberechtigung oder an der Lern- und Anpassungsfähigkeit hapert, gibt es schließlich genug.

    Man könnte nun dem RBB vorwerfen, dass er für seine "Wir schaffen das"-Serie nur Vorzeige-Zuwanderer porträtiert. Anders ist es allerdings kaum vorstellbar: Diejenigen, bei denen das Einleben scheitert, werden auf ein Interview nicht sonderlich erpicht sein und könnten sich ohne Dolmetscher wohl auch nicht verständigen.

    Herrn Scharr wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei der Integration.

  5. 2.

    Wovon leben denn Erzieher, sagen Sies mir?Soll ja ein ganz normaler Beruf sein, hat mir Google verraten.

  6. 1.

    "Gerade hat er einen Film gedreht, der Geschichten von Flüchtlingen und Einheimischen erzählt. "

    "Mohamed hat eine Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht. Jetzt will er Erzieher werden "

    Und von was will er leben?

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