Archivbild: Mit Holzlatten sind die Eckpunkte für den Bau eines Eigenheimes am 03.07.2018 auf einem Grundstück in Petersdorf, Brandenburg, abgesteckt. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 11.08.2020 | Sebastian Schiller | Bild: dpa/Patrick Pleul

Einschränkungen durch Landesplan - Brandenburger Kommunen geht das Bauland aus

In Ruhland müssen Zuzügler vertröstet oder abgewiesen werden: Das Amt kann kein kommunales Bauland mehr ausweisen. Grund dafür ist der Landesentwicklungsplan. Der soll laut Koalitionsvertrag angepasst werden, doch wann ist noch offen.

Familien, die im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, beispielsweise in Ruhland, Bauland suchen, haben es derzeit schwer. Das Amt darf kommunale Flächen nicht mehr als Bauland ausweisen, Kaufwillige müssen abgewiesen werden. Der Grund für die fehlende Ausweisung von Bauland ist der Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg. Interessenten müssen sich deshalb jetzt an private Grundbesitzer wenden.

Private Grundbesitzer als einzige Chance

Kevin Muschinski beispielsweise wollte aus Dresden zurück in seine alte Heimat. Für seine Familie baut er in Ruhland ein Haus. "Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, haben glücklicherweise gerade gesucht", sagt er. Das Land, auf dem er baut, gehörte allerdings nicht dem Amt Ruhland. Ein privater Investor hatte es gekauft, um ein Seniorenheim zu errichten. Gleichzeitig hat er weitere Baugrundstücke geschaffen.

Für Amtsdirektor Christian Konzack bestätigt, das Bauwillige auf Flächen privater Anbieter ausweichen müssen. "Wir haben keine kommunalen Flächen, die wir Bauwilligen anbieten können", sagt er. Potentielle Käufer müssen vom Amt abgewiesen werden, obwohl gerade dort junge Familien und Rückkehrer herzlich willkommen sind.

Landesentwicklungsplan steuert Entwicklung

Wie Ruhland geht es auch anderen Kommunen, Landrat Siegurd Heinze (SPD) berichtet von Beschwerden aus vielen Gemeinden im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. "Da ist der Landesentwicklungsplan Berlin-Brandenburg ein Stück weit ein Hemmnis für die Entwicklung dort in den Gemeinden. Da ist man mit den Rahmenbedingungen noch nicht zufrieden und hofft, dass im Rahmen einer Evaluierung mehr möglich gemacht wird", so Heinze.

Der Landesentwicklungsplan sieht beispielsweise vor, dass innerhalb von zehn Jahren nur ein Hektar Bauland ausgewiesen werden darf. Das soll verhindern, dass kleine, vereinzelt liegende Siedlungen überhand nehmen, für die aufwändige Infrastruktur nötig ist, oder konkurrierende Einkaufszentren entstehen. Wie der Bund hat sich zudem auch Brandenburg vorgenommen, weniger Land zuzubauen, weil dadurch fruchtbarer Boden verlorengeht [umweltbundesamt.de].

Der Koalitionsvertrag der Landesregierung sieht dennoch vor, dass der Entwicklungsplan überprüft und angepasst wird. Wann genau das aber passieren soll, ist noch unklar.

In Ruhland zumindest bleibt die Nachfrage weiter groß. Hausbauer Muschinski sieht vor allem die Lage als Grund dafür: "Wir sind ja ein bisschen in der Mitte, man ist überall schnell, hat aber eine tolle Region. Gerade das Seenland in Senftenberg, Dresden ist eine wunderschöne Stadt, der Spreewald ist nicht weit weg." Genau das seien die Punkte, die "für junge Familien, die nicht zu verachten sind", sagt Muschinski.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Meine Gemeinde verkauft ihre Flurstücke still und leise und lässt sie dann von einem windigen Investor bebauen, der damit älteren Mitmenschen das Geld 2x aus der Tasche ziehen will. Dafür wird dann auf die Schnelle auch der Bebauungsplan geändert, weil die „arme“ Gemeinde ja angeblich keinen Einfluss mehr hätte. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

  2. 5.

    Andererseits verhindern Kommunen Bebauungspläne für private Grundstücke, um zuerst eigene, neu zu erschließende Grundstücke außerhalb des Gemeindekerns zu verkaufen.

  3. 4.

    "Brandenburger Kommunen geht das Bauland aus" Zum Glück! Diese Zerstückelung und Zersiedelung in 400qm Grundstücke mit immer den gleichen Häusertypen und Carports drauf muss mal aufhören. Die derzeit vorhandenen Baulücken in Städten und Dörfern sollte genutzt werden, in Städten z.B. auch durch verdichtete Bebauung.

  4. 3.

    Grymbart, ich stimme Ihnen vollkommen zu. Die Bebauung mit Einfamilienhäusern ist die am wenigsten nachhaltige Bauweise - angenommen, eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern baut auf einem 400qm-Grundstück - wäre dann also Flächenverbrauch pro Person 100 qm! Mal davon abgesehen, dass die Kinder irgendwann groß sind und wegziehen - der Flächenverbrauch verdoppelt sich dann auf 200 qm/Person. Es wird oft so getan, als wäre es für eine Familie einfach nicht möglich, in einer Wohnung im Mehrfamilienhaus zu wohnen. Es spricht nichts dagegen, dass Kinder in der Freizeit auf Gemeinschaftsspielplätzen spielen, dass die Familie in der Freizeit gemeinsam Ausflüge in die Natur unternimmt, dass man im Mehrfamilienhaus aufeinander Rücksicht nimmt. Das alles lernen Kinder dann ganz nebenbei - wenn es die Eltern vorleben.

  5. 2.

    Dem kann ich mich nur anschließen! Viele Landschaften wurden hier schon von den Neubauwütenden zerhackstückelt, da darf man dann Haus an Haus mit 20 qm Garten leben. Tut mir Leid, aber wie wäre es, Zweit, Dritt und Viertwohnsitze zu verbieten? Dann ist mancherorts plötzlich wieder alles verfügbar. ;)

  6. 1.

    Der Landesentwicklungsplan hat schon seine Berechtigung. Es ist ja gerade der Sinn der Landesentwicklung, dass nicht in jedem Dorf ein Neubaugebiet auf der grünen Wiese entsteht, während gleichzeitig der Kern verödet. Überhaupt sollte das Neuausweisen von Bauland die Ausnahme bleiben. Es gibt doch gerade in Brandenburg unglaublich viele brachliegende Flächen, die zuerst entwickelt werden könnten, bevor Naturland, Landwirtschaftsfläche oder sogar Wald umgewandelt wird.

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