Pressegespräch zur Zusammenarbeit BTU und CTK (Foto: CTK)
Video: Brandenburg aktuell | 22.09.2020 | Phillip Manske | Bild: CTK

BTU und CTK Cottbus forschen an Medizin der Zukunft - Ultraschall aus dem heimischen Wohnzimmer

Wie können Menschen im ländlichen Raum auch bei Ärztemangel medizinisch versorgt werden? Und wenn die Praxen, die noch bleiben, durch fehlende Mobilität älterer Leute immer schwieriger erreichbar sind? An Lösungen wird in Cottbus geforscht. Von Philip Manske

Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus (CTK) arbeiten stärker zusammen, um medizinische Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Dazu gehören Ultraschall per Videoschalte, eine virtuelle Patientennachsorge und eine neue Generation von Langzeit-EKGs - die noch entwickelt werden muss.

Am Dienstag wurden die Projekte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von BTU und CTK vorgestellt.

Testphase für neuen EKG soll im nächsten Jahr starten

Hinter allem steht die Idee: Die Medizin soll zum Patienten kommen - nicht anders herum. So wollen die Cottbuser Mediziner ein EKG-Gerät entwickeln, das die Herzaktivität ohne Batteriewechsel bis zu einem Monat lang messen kann. Das Gerät soll die gesammelten Daten permanent an einen Arzt senden. "Durch den Einsatz künstlicher Intelligenz sollen künftig Unregelmäßigkeiten erkannt und der Patient durch einen Warnton veranlasst werden, seinen Arzt aufzusuchen", sagte eine CTK-Sprecherin. Bis Ende nächsten Jahres solle ein Prototyp entwickelt sein und in die Testphase übergehen.

Weitere Ideen sind sogenannte Versorgungsterminals, die an zentralen Stellen installiert werden sollen, wie zum Beispiel Gemeindehäusern. Dort sollen Patienten an so genannten Chatboards Blutdruck und Herzfrequenz messen können. Außerdem sollen sie dem Arzt einen optischen Eindruck vom Patienten geben können.

Es wird auch an einem Konzept gearbeitet, um künftig mobile Ultraschallgeräte einzusetzen. Medizinisches Personal soll mit so einem Gerät über das Land fahren. "Die Idee ist, dass eine Pflegekraft den Ultraschall beim Patienten zu Hause durchführt und sich dabei filmt", so die CTK-Sprecherin. Der Arzt sehe so live die Ultraschallaufnahme und die Aufnahme der Untersuchung und könne die Pflegekraft anleiten. Der Arzt bekomme "ein so umfassendes Bild, als hätte er die Sonographie selbst durchgeführt", heißt es weiter.

Weitere Projekte sind in Vorbereitung, wie zum Beispiel ein 5G-Campusnetz am CTK. Die Klinik wäre nach eigenen Angaben eine der ersten in ganz Deutschland mit einem solchen Netz. "Es wird unter anderem neue Versorgungskonzepte und eine vernetzte Notfallversorgung ermöglichen." Alle am Dienstag vorgestellten Projekte hat das Klinikum auf seiner Internetseite veröffentlicht [ctk.de].

Die Lausitz als Blaupause

Dabei wollen Mediziner und Forscher wollen verhindern, dass Patienten bald nur noch von Maschinen behandelt werden. Demnach soll immer noch medizinisches Personal in irgendeiner Form mit dabei sein, allerdings seltener ein Arzt. Denkbar seien auch völlig neue Berufsfelder, "die die Lücke zwischen Arzthelfer, Pflegepersonal und Arzt schließen könnten", so wurde es bei der Projektvorstellung am Dienstag formuliert.

Doch warum so viel moderne Medizinforschung in der Lausitz? Sie steckt mitten im Strukturwandel. Da geht es zum einen um die Frage, was nach der Braunkohle kommt. Dabei ist ein Baustein, dass das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum Uniklinik werden soll. Mit den Strukturwandelhilfen steht Geld für Forschung zur Verfügung.

Gleichzeitig gilt die Lausitz als Blaupause für andere ländliche Regionen. Eine Gemeinsamkeit sind die großen Funk- und Internetlöcher. Bevor es also richtig losgehen kann mit der Medizin über das Internet, muss das erst einmal überall vorhanden sein.

3 Kommentare

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  1. 3.

    Warum nicht? Als ich Kind war, gab es sie noch: die Gemeindeschwester. Sie hat sich um Patienten gekümmert, wenn der Arzt nicht da war. In anderen europäischen Ländern gibt es den ordentlichen Beruf des „Sonographers“, der standardisierte Ultraschallbilder akquirieren kann. In Deutschland gibt es das nicht und wo MTAs die Untersuchungen durchführen, ist das eine tiefe Grauzone. Mobile Ultraschallsysteme sehr guter Qualität gibt es seit über 10 Jahren. Bleibt nur noch die Frage wie die Bilder live zum auswertenden Arzt kommen sollen? In der Regel findet sich im ländlichen Raum kein Netz nirgends. Den Arzt gibt es vermutlich auch nicht. Aber die Idee ist gut. Packen wir es an.

  2. 2.

    Ich begrüße es natürlich, wenn ich mir Krankschreibungen und Rezepte selbst ausdrucken kann, ohne dass ein Arzt kontrolliert ob das auch stimmt...

  3. 1.

    Fehlt nur noch die Antwort auf die Frage, ob es dann im ganzen Bundesland noch einen oder gar drei Kardiologen geben soll, die die erfassten Daten auswerten werden. Und fehlt auch die Frage, an wen sich Menschen bei wenden können. Attraktiver wird dadurch keine Region.

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