Bilder der betroffenen Häuser in Groß Gaglow (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.09.2020 | Daniel Mastow | Bild: rbb

Betroffene Familien dürfen bleiben - Einigung bei Streit um Grundstücke jüdischer Siedler in Cottbus

Seit fast dreißig Jahren wird um vier Grundstücke in Groß Gaglow gestritten: Die dort lebenden Familien sollten sie an die Jewish Claims Conference rückübertragen, die die Interessen enteigneter jüdischer Siedler vertritt. Nun dürfen die Familien wohl bleiben.

Im Streit um die Grundstücke ehemaliger jüdischer Siedler im Cottbuser Ortsteil Groß Gaglow gibt es eine grundsätzliche Einigung. Das hat der rbb am Freitag von Jürgen Kipp, dem eingesetzten Schlichter, erfahren. Die betroffenen Familien dürfen demnach auf Dauer in ihren Häusern bleiben. Jetzt gehe es nur noch um Details, heißt es. Für die Familien rückt damit ein Ende jahrelanger Ungewissheit näher.

Der Fall hat in den vergangenen Jahren für viel Aufsehen gesorgt und unter anderem die Landes- und Bundespolitik beschäftigt. Auch in Israel wurde über den Streit berichtet, nachdem ein israelischer Journalist die betroffenen Einwohner in Groß Gaglow besucht hatte.

Verschwiegenheit über Details

In der Auseinandersetzung geht es um die Rückübertragung der Grundstücke und Häuser von vier Familien an die Jewish Claims Conference (JCC). Sie vertritt die Interessen der Siedler, die 1933 von den Nationalsozialisten enteignet wurden.

Der von der Staatskanzlei eingesetzte Schlichter Kipp hatte vermittelt und Kompromissvorschläge erarbeitet. Zunächst hätten die betroffenen Bewohner zugestimmt. "Das war nicht einfach, weil von allen Seiten erhebliche Zugeständnisse gemacht werden müssen", so Kipp. Dazu zählen auch Zahlungen der Groß Gaglower an die JCC, über deren Höhe Kipp noch nichts sagen will. Anschließend gab es auch grünes Licht von der JCC – erst von der Zentrale in Frankfurt (Main) und daraufhin auch von der Zentrale in New York.

Das Ergebnis: "Alle betroffenen Parteien in Groß Gaglow können in ihren Wohnhäusern bleiben - und zwar auf Dauer." Damit bleiben die Häuser im Eigentum der Familien, erklärt Kipp. Einige Familien müssen sich aber von einem Teil ihrer Grundstücke trennen. Weitere Details zu den erzielten Ergebnissen nennt Kipp mit Verweis auf die Vertraulichkeit nicht. In der Vergangenheit war auch von Ausgleichszahlungen die Rede.

Details müssen noch geklärt werden

Jetzt gehe es noch um "technische Einzelheiten", die geklärt werden müssen. Für die einzelnen vier Fälle werden Unterlagen erstellt: "Da laufen Gerichtsverfahren, die beendet werden müssen. Es müssen in Teilen Umschreibungen im Grundbuch vorgenommen werden - und so weiter und so weiter", sagt Kipp. Der Schlichter ist optimistisch, dass sich dabei keine großen Hindernisse mehr auftun.

Der Orstvorsteher von Groß Gaglow, Dietmar Schulz, ist froh, dass jetzt ein Abschluss auf den Weg gebracht wird, weil "die Auseinandersetzung über Jahre an den Nerven der Einwohnern gezehrt habe, die zum Teil hochbetagt sind."

Nach Angaben des Schlichters laufen die Verfahren zu den Grundstücken in Groß Gaglow seit 1992. Kipp rechnet noch in diesem Jahr mit einem endgültigen Abschluss.

3 Kommentare

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  1. 3.

    Die Eigentümer haben ihre Grundstücke rechtmäßig erworben. Die Bundesrepublik als DDR-Rechtsnachfolgerin hätte den Ausgleich zu bringen, wenn es rechtens laufen würde! Die aktuellen Eigentümer stehen doch selbst in keinem Schuldverhältnis ggü. den früheren Eigentümern.

  2. 2.

    Ich finde es schwierig, zumindest irreführend, hier von jüdischen "Siedlern" zu schreiben. Es vermittelt den Eindruck, diese seien nicht die rechtmäßigen Eigentümer gewesen.
    Es waren jüdische BÜRGER, die auf schändlichste Art ihres Eigentums beraubt wurden.
    Eine Schande, dass sich dieses Verfahren so lange hingezogen hat.

  3. 1.

    Wahrscheinlich dürfen sie noch drinnen wohnen bleiben, danach geht es aber in den Besitz der rechtmäßigen Eigentümer über.

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