Ein buntes Schild hängt vor einem Wartezimmer einer Kinderarztpraxis. (Quelle: dpa/Stefan Puchner)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.09.2020 | Bild: dpa/Stefan Puchner

Kreisstadt Forst - 18.000-Einwohner-Stadt findet nur mit Mühe neue Kinderärztin

Gravierender Ärztemangel in Brandenburg: In der Kreisstadt Forst leben 2.500 Kinder- und Jugendliche. Und der einzige Kinderarzt geht Ende des Monats. In letzter Minute wurde eine Nachfolgerin gefunden. Das Problem aber bleibt.

Für die Kreisstadt Forst (Spree-Neiße) ist eine Kinderärztin gefunden worden. In den vergangenen drei Jahren hatte ein junger Arzt die Praxis in der Lausitzklinik übernommen, doch der verlässt sie Ende des Monats.

Nun ist die Nachfolge gesichert, wie rbb|24 von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg erfuhr. Doch die Suche gestaltete sich wie auch in anderen Orten Brandenburgs schwierig. Wann genau die Ärztin mit ihrer Arbeit beginnen kann, ist noch unklar.

KV: Politik muss attraktive Rahmenbedingungen schaffen

Rund 18.200 Menschen leben in Forst, davon sind nach Angaben der Stadt etwa 2.500 Kinder und Jugendliche. Für sie könnte theoretisch schon in wenigen Tagen am gleichen Standort wie bisher eine Ärztin da sein, sagt Chrisitian Wehry, der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

"Es ist für eine junge Ärztin die Genehmigung erteilt worden, ab 1. Oktober in Forst als Kinderärztin tätig zu sein." Ob sie an diesem Tag auch wirklich schon zu arbeiten beginnt, könne Wehry aber nicht sagen. "Das ist Sache der Ärztin." Er hofft, dass die Ärztin der Stadt länger erhalten bleibt.

Immer wieder änderten sich in den vergangen Jahren die Namen der Kinderärzte in Forst. Die jetzige Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin war schwierig, erklärt Chrisitian Wehry. Doch das sei nicht nur in Forst ein Problem.

"Letztendlich ist häufig entscheidend, wie die Situation vor Ort ist. Wenn Ärzte in die Niederlassung gehen, sind sie häufig Mitte 30 bis Mitte 40." Sie hätten Partner und Kinder. "Und dann stellen sich so Fragen: Findet mein Partner einen Job in der Region? Wie ist es mit Schulangeboten? Freizeitangeboten? Anschluss an Straße und Schiene?" Hier sei die Politik gefragt, attraktive Rahmenbedingungen für alle Regionen zu schaffen, meint Wehry.

Wettbewerbsnachteil für Brandenburg

Um junge Ärzte in die Region zu locken, sei aus seiner Sicht ein Stipendienprogramm für Studenten ein richtiger Schritt, wie es das in den Kreisen Dahme-Spreewald und Elbe-Elster bereits gibt und der Kreis Oberspreewald-Lausitz erst in dieser Woche auf den Weg gebracht hat. "Wir sind sehr froh, dass wir für die ländlichen Regionen seit dem vergangenen Jahr auch das Stipendienprogramm der Landesregierung, des Gesundheitsministeriums haben."

Bei dem Programm verpflichten sich Medizinstudenten, nach ihrem Studium mindestens fünf Jahre in ländliche Regionen zu gehen und dort zu arbeiten. "Brandenburg war lange Zeit das einzige Flächenland in Deutschland, das so ein Programm nicht hatte", so Wehry. "Das war ein echter Wettbewerbsnachteil."

9 Kommentare

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  1. 9.

    " Mit ist vielmehr ein Rätsel, ,,, "

    die Budgetierung hilft das Rätsel teilweise zu lösen

  2. 8.

    Ihre Vorschläge grenzen schon an Sozialismus und sind nicht durchzusetzen. Dann müssten Sie das für fast alle Studienberufe durchsetzen . Denken Sie das mit ihrer Forderung so auf einen motivierten Arzt treffen. Ich glaube nicht. Die Rahmenbedingungen müssen einfach verbessert werden. Dann kommen auch wieder Ärzte. Jahrelang wurden die Hausarztpraxen kaputt gespart.

  3. 7.

    Die von Ihnen genananten Ärzte, die in ihren Praxen keine Telematik-Infrastruktur haben, dürfen deutlich in der Minderzahl sein, damit ist der Ärztemangel ganz sicher nicht zu erklären. Mit ist vielmehr ein Rätsel, wie die Kassenärztlichen Vereinigungen den Bedarf an Ärzten / Fachärzten ermittelt. Bei uns wartet man zum Beispiel auch monatelang bis zu einem Jahr auf einen Termin beim Augenarzt (wenn einem nicht von vorn herein erklärt wird, dass keine neuen PAtienten aufgenommen werden können). Beim Dermatologen ist es ähnlich, auch für manche radiologischen Untersuchungen soll der Patient monatelang warten.

  4. 6.

    Oder wir finden uns einfach damit ab, dass der ländliche Raum stirbt und hören auf weiter Klein- und Kleinstädte zu subventionieren. Einfach Anwohner entschädigen und Naturschutzgebiete draus machen. Für die Braunkohlebagger werden Dörfer ja auch aufgegeben.

  5. 5.
    Antwort auf [SB] vom 25.09.2020 um 16:57

    Interessant. Warum warten wir alle monatelang auf einen Termin?
    Beim Kinderarzt 1,5 Jahre im Voraus für eine Vorsorgeuntersuchung. Ich kann keinen Ärzteüberschuss feststellen.

  6. 4.

    Der Mangel an Ärztinnen und Ärzten wird sich weiter verschärfen. Nicht wenige quittieren den Dienst, weil sie von Herrn Spahn gezwungen werden, die ärztliche Schweigepflicht zu verletzen. Wer sich als Arzt/Ärztin aus ethischen Gründen gegen die Zwangsanbindung seiner Praxis an die Telematik-Infrastruktur und Weitergabe der Daten seiner Patient/innen wehrt, wird seit Frühjahr 2019 mit Honorarabzug bestraft und - besonders perfide - als fortschrittsfeindlich verunglimpft oder mit Zulassungsentzug bedroht. Dabei wehren sich vor allem diejenigen, die sich mit Digitalisierung und den Risiken einer zentralen Datenspeicherung auskennen. Der staatlich genehmigte Datenzugriff betrifft über 75 Millionen gesetzlich Krankenversicherte. Es gibt zum Glück noch verantwortungsvolle und aufrechte Ärztinnen und Ärzte, die da nicht mitmachen, die aber erheblichen Nachteilen ausgesetzt sind. Kein Wunder, wenn die irgendwann aufgeben oder junge Mediziner/innen gleich ins Ausland gehen.

  7. 3.

    Tja, die Ärzte machen es sich lieber in z.B. Berlin bequem. Wer auf Kosten der Bevölkerung studiert, der sollte der Bevölkerung etwas zurückgeben. Man könnte z.B. per Losverfahren eine Anzahl "finden" die nach erfolgreichem Studium eine gewisse Zeit aufs "Land" gehen. Auch ein kostenloses Studium nur zulassen wenn eben vorher eine freiwillige Verpdflichtung vorliegt. Oder, oder, oder...
    Und auch noch eine Kritik an den öffentlich rechtlichen Rundfunk. In nahezu jeder Ratgebersendung ermutigt ihr die Leute jede Kleinigkeit von Ärzen abklären zu lassen. Ob stumpfe Haare oder Laktose... wenn ich keine Milch vertrage dann trinke ich keine, da muss ich nicht 3x zum Arzt rennen und Labor machen.

  8. 2.

    Vielleicht sollte man die Bedingungen für eine Niederlassung mit eigener Praxis ändern. Eine Bedingung ist, dass man den Staus eines Oberarztes haben muss. Warum lässt man diese Bedingung nicht fallen, denn ehe man Oberarzt wird, können wertvolle Jahre vergehen.

    Ein weiteres Kriterium ist der NC. Wer Abi hat und auch das Zeug hat, um Medizin zu studieren, der sollte nicht jahrelang warten müssen, bis er seinen Studienplatz hat. Hinzu kommt, dass die Facharztausbildung auch noch einmal mehrere Jahre dauert.

    Insgesamt müsste auch hier nachgebessert werden.

  9. 1.

    Der Ärzte/innen-Mangel wird sich weiter verschärfen. Nicht wenige quittieren den Dienst (d.h. geben ihre Zulassung zurück und gehen früher als geplant in den Ruhestand oder auch in die private Praxis), weil sie von Herrn Spahn gezwungen werden, die ärztliche Schweigepflicht zu verletzen. Wer sich aus ethischen Gründen gegen die Zwangsanbindung seiner Praxis an die Telematik-Infrastruktur und Weitergabe der Daten seiner Patienten/innen wehrt, wird seit Frühjahr 2019 mit Honorarabzug bestraft und - besonders perfide - als fortschrittsfeindlich verunglimpft oder mit Zulassungsentzug bedroht. Dabei wehren sich vor allem diejenigen, die sich mit Digitalisierung und den Risiken einer zentralen Datenspeicherung auskennen! Arbeitgeber, Versicherungen und auch Hacker freuen sich übrigens schon auf die Daten, zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch: „Sie haben ja sicherlich nichts dagegen, dass unser Betriebsarzt mal einen Blick in ihre elektronische Patientenakte wirft?“
    Der staatlich genehmigte Datenraub betrifft über 75 Millionen gesetzlich Krankenversicherte. Es gibt zum Glück noch verantwortungsvolle und aufrechte Ärztinnen und Ärzte, die da nicht mitmachen, die aber erheblichen Nachteilen ausgesetzt sind. Kein Wunder, wenn die irgendwann aufgeben und junge Mediziner/innen gleich ins Ausland gehen.

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