Winzer Hubert Marbach bei der Weinlese in Jerischke (Foto: rbb/Jahn)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.09.2020 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Jahn

Weinlese in Brandenburg hat begonnen - Winzer in Jerischke rechnet mit sehr gutem Weinjahr

In Jerischke (Spree-Neiße) hat am Montag die Weinlese begonnen. Auf insgesamt vier Hektar Land werden die Reben noch per Hand bearbeitet. Schon zum frühen Morgen sind rund 25 freiwillige Helfer gekommen, um ehrenamtlich die Trauben zu pflücken. Der Ertrag könnte in diesem Jahr überdurchschnittlich werden.

Blick auf den Wein in Jerischke (Foto: rbb/Jahn)
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"Ein Gefühl für die Beeren bekommen"

Montag, acht Uhr, die Sonne scheint über den Weinberg im Süden Brandenburgs. In typisch gebückter Haltung verteilen sich die freiwilligen Helfer auf dem Weinberg von Hubert Marbach, um die Johanniter-Trauben zu ernten. "Vorschlag wäre mal eine Züchtung, die rückenfreundlich ist", scherzt Helferin Marina Zahnleiter. Detlef Nickel ergänzt: "Wenn nicht so ein bissl Schinderei ist, schmeckt der Wein nicht" - und lacht.

Also knipsen die beiden weiter Trauben und legen sie in Eimer. Bis zum Mittag schafft die ganze Truppe rund drei Tonnen. Die werden dann in die Kelterei nach Meißen gefahren und dort weiterverarbeitet.

Ein Berg geerntete Weintrauben in Jerischke (Foto: rbb/Jahn)
Bild: rbb/Jahn

Auch der Chef selbst packt mit an. Es mache ihm nicht nur Spaß, sagt der 73-jährige Marbach, sondern er wolle auch selbst sehen, wie die Trauben sind. "Ich will ein Gefühl dafür bekommen, was wir für Beeren in diesem Jahr haben, wie reif sie sind."

Als Sohn eines Winzers in Bacharach am Rhein (Rheinland-Pfalz) groß geworden, hat Marbach erst Karriere in der Energiewirtschaft gemacht, bevor er in seiner zweiten zum Wein zurückgefunden hat. Seit 2003 baut er in Brandenburg an.

Erntehelfer im Ruhestand

Die Bedingungen für den Weinanbau seien in Jerischke ideal, sagt Marbach. "Wir haben ja hier diese Jerischker Endmoräne und eine Neigung nach oben bis 18 Prozent. Es ist reine Südlage, die Sonne wandert jetzt rüber." Im Durschnitt bringt die Weinlese im Jahr rund 20 Tonnen Trauben, die ergeben dann 20.000 Flaschen Wein, darunter Sorten wie Johanniter, Riesling und ein Cabernet. In diesem Jahr werden es vermutlich sogar mehr sein, meint der Winzer.

Für die Erntehelfer, die wie Egbert Feuerriegel meist schon im Ruhestand sind, gibt es kein Geld. Sie kommen trotzdem gerne. "Weil's einfach Spaß macht, auch wenn es hier mächtig auf den Rücken geht", sagt er. Man frage sich dann am Abend zwar schon, warum man sich das antue, sagt Marina Zahnleiter: "Aber am nächsten Tag geht's wieder los."

Als Dank für ihren Einsatz bekommen die Erntehelfer eine Verpflegung - und natürlich Wein. Wenn sie möchten, von Trauben, die sie selbst mit gepflückt haben.

Weinland Brandenburg

Der Weinberg in Jerischke ist laut dem “Netzwerk Weinbau im Land Brandenburg“ eins von insgesamt 26 Anbaugebieten in Brandenburg. Die meisten befinden sich im Süden des Landes. Insgesamt wird in Brandenburg zurzeit Wein auf einer Fläche von rund 30 Hektar angebaut [mluk.brandenburg.de].

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