Symbolbild: Ein Wildschwein blickt hinter einem Zaun stehend auf das angrenzende Gelände. (Quelle: dpa/C. Rehder)
Video: Brandenburg Aktuell | 11.09.20 | K. Schirmer | Bild: dpa/C. Rehder

Folgen der Schweinepest in Brandenburg - Bauern haben Angst um Tiere und Futter

Der erste Fund eines Wildschweins, das sich mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert hat, hat Folgen für die Landwirte der Region. Sie müssen mit starken Einschränkungen leben - und sorgen sich um ihre Schweine. Iris Wussmann hat Bauern in der Lausitz besucht.

Ein totes Wildschwein im Spree-Neiße-Kreis, infiziert mit der Afrikanischen Schweinepest, sorgt für Aufruhr. Deutschland gilt nun nicht mehr als seuchenfrei. Auch das Wirtschaften der umliegenden Bauern wird komplett auf den Kopf gestellt. Sie haben jetzt Sorgen ums Futter - und um ihre Tiere.

Im Kernkreis von drei Kilometern rund um den Fundort des Kadavers in einem Maisfeld bei Sembten (Spree-Neiße) darf nicht gemäht, geerntet oder neu ausgesät werden.

Maissilo in Atterwasch vom Bauernhof Schulz (Foto: rbb/Wussmann)
Maissilo in Atterwasch | Bild: rbb/Wussmann

Landwirt kritisiert Chaos

Nahezu im Minutentakt karren am Silo des Bauernhofes Schulz in Atterwasch (Spree-Neiße) Traktoren gehäckselten Mais heran. "Jetzt haben wir gesagt: Bevor das Ernteverbot ausgedehnt wird, holen wir alles was geht rein", sagt Christoph Schulz. Er fühle sich gerade wie ein "Flussbauer, der weiß, in zwei Tagen kommt Hochwasser und dann ist alles vorbei."

Denn die Flächen in der Kernzone darf der Landwirt schon nicht mehr bewirtschaften. Der reife Mais bleibt auf dem Halm. Schulz hat sich zwar vorsorglich gegen die Afrikanische Schweinepest versichert, doch Geld können seine Tiere nicht fressen, sagt er. Aber die Bauern helfen sich gegenseitig. Volker Naschke aus Grano (Spree-Neiße) kann seinen Mais nicht in die Biogasanlage fahren, weil sie in der Kernzone liegt. Deshalb bringt er ihn nach Atterwasch. Er beklagt die aus seiner Sicht chaotischen Zustände. "Selbst einige Landwirte, die in der Kernzone Mais bestellt haben, haben offiziell noch keinen Erntestopp." Mittwoch war das tote, infizierte Schwein gefunden worden, "heute haben wir Freitag... find' ich toll", sagt Naschke ironisch.

Viele Sachen seien nicht geklärt, unter anderem zu Entschädigungsgregelungen. Unsicherheit gebe es auch bei der Frage, in welchem Gebiet geerntet werden darf. "Wir haben gestern nur einen Anruf vom Landratsamt bekommen, dass wir außerhalb der Kernzone häckseln dürfen. Andere Mitteilungen vom Ministerium sehen anders aus, da ist die Sperrzone wesentlich größer." Naschke kritisiert auch, dass Jäger nicht jagen dürfen, "obwohl da jede Menge Wildschweine drin sind, wo wir häckseln."

Landwirt tut alles, um Keulung des Bestandes zu verhindern

Wer darf was machen, warum dauert es so lange, bis der Zaun um die Kernzone gebaut wird? Auch Christoph Schulz ist mit der Arbeit des Landkreises Spree-Neiße unzufrieden. "Uns hat als Schweinehalter noch keiner informiert, lediglich das Landwirtschaftsamt." Infos zu Verboten seien allerdings bisher auch nur mündlich übermittelt worden, schriftlich habe er nichts bekommen, sagt Schulz. Auch im Ort würden Warnschilder fehlen, die auf den Schweinepestfall hinweisen.

Bei allem schwingt die Sorge um die Schweine mit, die auf dem Bauernhof geschlachtet und im Laden vermarktet werden. 250 stehen im Stall, der mit einem stabilen Zaun gesichert ist. Schulz macht alles, um ein Eindringen der Seuche zu verhindern, denn die Folge wäre, dass der gesamte Bestand getötet werden müsste. Das sei schlicht "unvorstellbar", sagt der Landwirt. "Klar ist das nicht die große Nummer im großen Schweinehimmel, aber das ist für uns ein unwahrscheinlich wichtiger Betriebszweig, da hängen auch Arbeitsplätze dran."

Landkreis: "Lassen keine Bauern im Stich"

Auch wenn die Landwirte von Chaos sprechen - Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) will das nicht. Er erklärte dem rbb Freitagnachmittag, dass man sich um die Bauern kümmern werde. Man brauche aber etwas Zeit. "Grundsätzlich lassen wir keine Bauern im Stich. Wir informieren, das wird auch jetzt alles erfolgen." Eine Verordnung sei in Vorbereitung. Zu dieser würde Kartenmaterial gehören - "das ist aber jetzt alles fertiggestellt", so Altekrüger.

Mit dem Aufstellen eines Zauns rund um den Fundort des infizierten Wildschweins ist nun schon am Freitag begonnen worden. Das hat der rbb von Landrat Altekrüger erfahren. Zunächst war von kommendem Montag die Rede, später von Samstag. Vorgesehen sei ein Zaun auf einer Länge von bis zu 12 Kilometern in der sogenannten Kernzone.

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