Fallwildsuche Kernzone Sembten (Foto: rbb/Jahn)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.09.2020 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Jahn

Schweinepest in Brandenburg - Wie in Spree-Neiße nach toten Wildschweinen gesucht wird

Eine Woche ist es her, dass das erste mit der Afrikanischen Schweinepest infizierte Tier in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) gefunden wurde. Seit Mittwoch wird die sogenannte Kernzone nach Fallwild abgesucht. Josefine Jahn war bei der Suche dabei.

Die Kernzone rings um den ersten Fundort eines Wildschweins in Spree-Neiße, das mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert war, ist rund 5.500 Hektar groß. Seit Mitte der Woche durchsuchen Mitarbeiter des Landesbetriebs Forst das große Gebiet nach Fallwild, ein Zaun soll verhindern, dass sich die Seuche in andere Regionen ausbreitet.

In die Kernzone darf nur geschultes Peronal, deshalb findet für die Presse am Freitag in der Gemeinde Schenkendöbern (Spree-Neiße) nur eine Schau-Suche unter realen Bedingungen statt. Marius Konzack von der Unteren Naturschutz- und Jagdbehörde des Landkreises gibt das Startkommando, dann laufen in einer Reihe Landesforst-Mitarbeiter eine Ackerfläche ab. "Wir suchen nach Wildschweinkadavern, aber auch nach Teilen von Wildschweine, sprich: einzelne Knochen, Unterkiefer, Fell, alles, was man von einem Fallwild finden kann", sagt Konzack.

Bei der Fallwildsuche in der Kernzone wird ein „Knochenfund“ - ein Stück Totholz - abgeriegel (Foto: rbb/Jahn)
Bild: rbb/jahn

Drohnen, Helikopter und Hunde gehen auf Wildschweinsuche

Bei der Schau-Suche soll ein Stück Holz ein Fundstück imitieren. Es soll einen Knochen darstellen, der möglicherweise von einem toten Wildschwein stammen - und für andere Tiere weiterhin infektiös sein könnte. Der Fund wird mit Farbe umsprüht, abgesteckt und mit Warnband umkreist. Anschließend geht's für die Mitarbeiter zurück in die Reihe. 45 Mitarbeiter suchen derzeit, jeweils zweimal zweieinhalb Stunden täglich, das Kerngebiet ab. Am Tag sind so rund 400 Hektar zu schaffen.

Unterstützt wird der Suchtrupp bereits aus der Luft: Drohnen und Helikopter fliegen das Gebiet ab. Am Montag kommt eine Hundestaffel aus Schleswig-Holstein dazu, im Landkreis Oder-Spree wird eine weitere Hundestaffel aus Rheinland-Pfalz erwartet. Die Hunde sollen dort eingesetzt werden, wo es für den Menschen gefährlich werden könnte: in Maisfeldern, die noch nicht abgeerntet wurden oder in hohem Gras. Vom Bejagen lebender Schweine sieht man derzeit noch ab, erklärt Olaf Lalk, stellvertretender Landrat von Spree-Neiße.

"Die Gesetzeslage ist, dass in der Kernzone Jagdruhe herrscht und keine Jäger dort ihre Jagdausübungsberechtigung ausüben dürfen, dass diese Ruhe eingehalten werden muss, um nicht die Wildschweine flüchtig zu machen", sagt Lalk. So soll eine Bestandsaufnahe des Ist-Zustands möglich werden. Später wolle man dann ortskundige Landwirte und Jäger an der Suche beteiligen.

Desinfektion von Stiefeln bei der Fallwildsuche in der Kernzone (Foto: rbb/Jahn)
Bild: rbb/Jahn

Bauern kritisieren das Vorgehen des Landes

Die Pläne des Landes stoßen auf Unverständnis bei Landwirten und Jägern. Insbesondere die Einschränkungen bei der Ernte im Kerngebiet. Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hatte ein Ernteverbot für Maisbauern rings um den Fundort verkündet. Grund sei, dass sich Wildschweine bevorzugt in Maisfeldern aufhielten und nicht unnötig aufgeschreckt und vertrieben werden sollten. Bei Ernteausfällen gäbe es für betroffene Landwirte Entschädigungen aus dem Landesseuchenfonds, erklärte die Gesundheitsministerin.

Bauer Volker Naschke aus Grano sagt: "Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass man so vorgeht, von außen nach innen zu ernten. Dass man sagt: so, erstmal kurz Erntestopp. Nach einer Absprache mit den Bauern und Jägern hätte dann auch schon geschossen werden können, nach unserer Meinung. Und dann hätte man dort Blutproben von frisch erlegten Schweinen gehabt."

Außerdem helfe der bisher aufgestellte Elektrozaun nicht viel, so die Kritik weiter - immerhin hier soll Abhilfe geschaffen werden. In den kommenden Wochen will der Landkreis entlang der deutsch-polnischen Grenze einen rund 60 Kilometer langen Festzaun errichten. Die Kosten von circa einer Million Euro trägt zu 80 Prozent das Land Brandenburg.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.09.2020, 12 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Den "Festzaun" hätte man schon Anfang des Jahres bauen sollen, jetzt unnütze rausgehauene Steuergelder. Riesensauerei!!

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