Stoßzahn und bearbeitetes Elfenbein (Quelle:rbb/Abendschau)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.20.2020 | Dirk Schneider | Bild: rbb/Abendschau

Prozessauftakt in Cottbus - 50-Jähriger nach Elfenbein-Fund in Schönefeld vor Gericht

Mehr als eine Tonne Elfenbein entdeckten Zöllner und Ermittler vor vier Jahren. Sie sollten mutmaßlich nach Vietnam geschmuggelt werden. Seit Donnerstag steht deswegen ein 50-Jähriger vor Gericht, ein zweiter Verdächtiger ist offenbar abgetaucht.

Vor dem Cottbuser Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen einen 50 Jahre alten Mann begonnen, der mutmaßlich 1,2 Tonnen Elfenbein nach Vietnam schmuggeln und dort verkaufen wollte. Dem Angeklagten werden Vergehen nach dem Bundesnaturschutzgesetz vorgeworfen, der Handel mit Elfenbein ist verboten.

2016 hatten Zöllner am Flughafen Schönefeld zunächst über 600 Kilogramm Elfenbein gefunden. Sie waren als Kamin-Uhren aus Marmor deklariert und sollten als Luftfracht nach Vietnam ausgeführt werden. Beim Durchleuchten der Kartons entdeckte der Zoll statt Uhren jedoch Elefantenstoßzähne. Bei einer Razzia fanden die Beamten später noch einmal fast 600 Kilogramm in einer Werkstatt nahe Koblenz.

Diese Menge Elfenbein war nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft Cottbus die größte, die in Deutschland jemals beschlagnahmt wurde.

Stoßzähne auf einem Tisch präsentiert (Quelle:rbb/Abendschau)
| Bild: Quelle:rbb/Abendschau

Aufenthalt eines weiteren Verdächtigen unbekannt

Dem 50-Jährigen wird nach Gerichtsangaben vorgeworfen, eine weitere Person mit der Ausfuhr von rund 600 Kilogramm Elfenbein von Deutschland nach Vietnam beauftragt zu haben. Das Elfenbein soll entsprechend dem Auftrag des Angeklagten am Flughafen Berlin-Schönefeld als Uhren deklariert zur Ausfuhr angemeldet worden sein. Es sollen weder artenschutzrechtliche Dokumente für das Elfenbein noch erforderliche Ausfuhrgenehmigungen vorgelegen haben.

Der Angeklagte soll laut Gericht vorgehabt haben, das Elfenbein in Vietnam zu verarbeiten und zu veräußern. Er habe sich durch den Verkauf eine dauerhafte Erwerbsquelle schaffen wollen, hieß es. Weitere rund 570 Kilogramm Elfenbein sowie Maschinen zur Verarbeitung seien in von ihm angemieteten Räumen gefunden worden.

Das Verfahren gegen einen zweiten Angeklagten sei vorläufig eingestellt worden, sagte Gerichtssprecherin Susanne Becker. Der Aufenthalt des Mannes, der zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt gewesen sei, sei derzeit unbekannt. Der zweite Beschuldigte soll laut Gericht gemeinsam mit dem 50-Jährigen Elfenbein verarbeitet haben, um einen Weitertransport und Verkauf zu ermöglichen.

Angeklagter im Gerichtssaal (Quelle:rbb/Dirk Schneider)
Der Angeklagte vor dem Cottbuser Landgericht | Bild: Quelle:rbb/Dirk Schneider

Verteidigung: Elfenbein Jahrzehnte alt

Nach Angaben seines Verteidigers hat der Angeklagte das Elfenbein auf Flohmärkten in Deutschland erworben. Zum Teil stamme es aus Haushaltsauflösungen und Familienbesitz aus den 1950er-und 60er Jahren. Ob das stimmt, müssen Sachverständige klären. Im Kern geht es darum, ob das Elfenbein aus Afrika möglicherweise bereits vor einem Handelsverbot nach Deutschland eingeführt wurde.

Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Das Urteil soll bereits Ende kommender Woche fallen.

Wilderei in Afrika

Der internationale Handel mit Elfenbein aus Afrika ist laut Umweltverband WWF seit 1989 verboten. Laut Schätzungen hätten für die Menge des gefundenen Elfenbeins mindestens 150 Elefanten sterben müssen. Dies sei eine dramatische Zahl, weil die Bestände afrikanischer Elefanten drastisch zurückgingen, betonte der WWF. Der erste fast kontinentweite Zensus der bedrohten Tiere habe einen Rückgang der afrikanischen Savannen-Elefanten zwischen 2007 und 2014 um fast ein Drittel verzeichnet, von knapp einer halben Million auf rund 350.000 Tiere.

Bis heute würden jährlich rund 20.000 Elefanten gewildert, kritisierte der WWF. Der Grund dafür sei, dass sich aus Elfenbein gefertigte Schmuckstücke zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt
verkaufen ließen. Zwischen 1996 und 2014 stammten laut WWF mehr als 85 Prozent des beschlagnahmten Elfenbeins aus Südtansania und Nordmosambik.


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