Mauerfall vor 31 Jahren - "Es wurde Dienst weitergemacht, bis neue Weisungen kamen"

Schausteller in einer historischen ostdeutschen Uniform und mit Fahne der ehemaligen DDR posiert mit Touristen am Verlauf der Berliner Mauer am Potsdamer Platz in Berlin (Quelle: imago/IPON)
Video: Brandenburg Aktuell | 09.11.2020 | Sascha Erler | Bild: (Quelle: imago/IPON)

In einem Bunker in Kolkwitz wurde der gesamte DDR-Luftraum und Teile der BRD beobachtet. Die Arbeit der Soldaten war so geheim, dass sie noch nicht einmal mit ihren Familien darüber sprachen. Das änderte sich in einer historischen Nacht.

Am 9. November 1989, vor genau 31 Jahren, fiel die Berliner Mauer. Bei der Besatzung eines NVA-Bunkers kam die Nachricht vom Mauerfall mit Verzögerung an. Und selbst danach wurde erst einmal der normale Dienst fortgesetzt. 31 Jahre später erinnern sich Zeitzeugen an diesen besonderen Tag.

Normaldienst, bis neue Anweisungen kamen

Es war für Uwe Frenzel eigentlich ein ganz normaler Dienst an einem ganz normalen Donnerstag. Um 18 Uhr ging er ins Bett, weil ab Mitternacht seine Schicht im Kolkwitzer Bunker begann. Das wichtigste Ereignis des Tages hatte er also buchstäblich verschlafen. "Als ich um null Uhr wieder runtergekommen bin, war ein wenig Aufregung im Bunker, will ich mal so sagen", erzählt Frenzel. Er selbst hatte nicht mitbekommen, dass in Berlin die Öffnung der DDR-Staatsgrenzen verkündet worden war. Die einhellige Meinung unter den Kollegen: das kann nicht sein. "Es wurde normal Dienst weitergemacht. Das war unsere Arbeit, das war unsere Aufgabe. Das haben wir gemacht, bis neue Weisungen kamen", so Frenzel.

Die kamen dafür am nächsten Tag - und das massenweise, wie sich Gerald Weise erinnert. Er hatte im benachbarten Richtfunkbunker in Leuthen Dienst. "Dann ratterte der Fernschreiber und es kam eine Meldung nach der anderen über das Verhalten", erzählt er. Zunächst hätten nur einige nach Westberlin reisen dürfen, eine halbe Stunde später sei es allen erlaubt gewesen.

Nicht einmal Ehefrauen kannten Aufgaben der Soldaten

Die Erlaubnis für die Soldaten aus dem Kolkwitzer und Leuthener Bunker nach Westberlin reisen zu dürfen war geradezu spektakulär. Schließlich unterlagen sie der höchsten Geheimhaltungsstufe. "Die Frauen von den Technikern hatten erstmals in Erfahrung gebracht, was ihre Männer dort überhaupt tun. Das war so geheim, die durften zu Hause nicht erzählen, was sie machen", erinnert sich Gerald Weise.

Viel zu tun gab es anschließend ohnehin nicht mehr für die rund 70 Soldaten im Kolkwitzer Bunker. "Die Grenze war offen. Was soll ich den Gegner, der da schon kein Gegner mehr war, noch beobachten", erzählt Uwe Frenzel. Schon kurz nach der Wiedervereinigung wurden sowohl die Bunker, als auch die Besatzung nicht mehr benötigt.

Seit 2004 kümmern sich die "Bunkerfreunde Kolkwitz" um das Bauwerk und haben es zum Museum umfunktioniert. Das Gründungsdatum des Vereins wurde dabei nicht zufällig gewählt. Es war der 9. November.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.11.2020, 16:40 Uhr

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