Schweinepest in Brandenburg - Wildschweine sollen jetzt mit Saufängen erlegt werden

Christian Pigolla am Saufang in Sergen (Foto: rbb/Wussmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.11.2020 | Iris Wussmann | Bild: rbb/Wussmann

Bei der Jagd mit einem Saufang werden Wildschweine in einen Gitterkasten gelockt und dann darin erschossen. Eine umstrittene Methode, die in Deutschland nur ausnahmsweise erlaubt ist. In Brandenburg wird die jetzt angesichts der Schweinepest genutzt.

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Brandenburg werden zurzeit in der "weißen Zone" dutzende Saufänge aufgebaut. Damit sollen Wildschweine zunächst angelockt, dann gefangen und schließlich aus der Nähe erschossen werden. Es ist eine Methode, die umstritten ist.

In einem Wald in Sergen (Spree-Neiße) steht bereits so eine Falle im Auftrag des Landkreises. Dort sollen Erfahrungen mit der Methode gesammelt werden.

Kamera filmt, wer sich der Falle nähert

Die Test-Falle in Sergen ist seit Anfang November einsatzbereit. Es ist ein Kasten aus Metallgitter, in den Christian Pigolla von der Landeswaldoberförsterei Peitz Mais und andere Futterstoffe legt, um die Wildschweine anzulocken. "Hier ist ein Teichgebiet und hier sind die Sauen drin", beschreibt er die Lage vor Ort.

Auf einem Damm in der Nähe kann man Spuren der Tiere sehen. Doch zum Saufang sind sie bisher nicht gekommen, sagt Pigolla. Eine Kamera filmt alles, was sich nähert. Bis jetzt seien es aber nur Waschbären, eine Katze und ein Adler gewesen - die Wildschweine müssen erst angefüttert werden.

Umstrittene Jagdmethode

Doch der Jäger rechnet damit, dass irgendwann die Falle zuschnappt. Sobald die Kamera das erste Mal Wildschweine zeigt, werde er sich auf die Lauer legen. Wenn ein Tier im Saufang ist, zieht er an einer Schnur, so dass das Metalltor zufällt. Hinein passten "vom großen 100-Kilo-Keiler bis zur Bache mit vier, fünf Frischlingen". "Die werden dann in der Falle erlegt - geschossen", sagt Pigolla.

Saufänge sind genau deshalb bei einigen Jägern verpönt: Es sei feige, ein Tier in der Falle zu erschießen, so die Kritik. Pigolla und sein Chef Claus Seliger sehen das anders. "Es ist genauso wie der hinterhältige Schuss vom Hochsitz - kein Kampf Auge in Auge, wie das Ritter gemacht haben", sagt Seliger. Und dazu komme, dass es "offensichtlich mit der Jagd alleine oft nicht klappt".

Seliger sieht das Problem eher darin, die Tiere "nur zu töten, um sie zu entsorgen". In der Summe sei es aber zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest besser, "um nicht auf Jahre hinaus solche Szenen haben, wo Wildschweine überall verenden".

Fünf Kilometer breit und rund 285 Quadratkilometern groß ist die "weiße Zone", die wie ein Halbkreis-Schlauch um das Kerngebiet in den Landkreise Oder-Spree, Spree-Neiße und Dahme-Spreewald angelegt wurde. Im Moment wird das Gebiet auf beiden Seiten mit einem festen Zaun eingerahmt. Ist er komplett fertiggestellt, wird mit der Jagd auf die Wildschweine begonnen - eben auch mit Saufängen. Allein im Spree-Neiße-Kreis werden in nächster Zeit rund 30 dieser Fallen aufgestellt.

Bisher rund 180 ASP-Fälle in Brandenburg

Die Zahl der amtlich bestätigten Fälle der Afrikanischer Schweinepest lag am Mittwoch in Brandenburg bei 176. Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums hat das
Nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut, am Mittwoch insgesamt vier weitere Fälle in den bestehenden Kerngebieten in den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland nachgewiesen.

Bislang wurden damit im Landkreis Oder-Spree 144, im Kreis Märkisch-Oderland 18 und im Landkreis Spree-Neiße 14 Fälle der Tierseuche beim Schwarzwild bestätigt. Der erste Fall in Deutschland wurde am 10. September 2020 im Spree-Neiße-Kreis nachgewiesen.

Die Krankheit ist für Menschen ungefährlich, für Wild- und Hausschweine fast immer tödlich.

Mit Informationen von Iris Wussmann

12 Kommentare

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  1. 12.

    Dann aber auch bitte aus nächster Nähe abschießen. Wenn dann erst der Käfig getroffen sind und dadurch vielleicht das Tier nur Streischüsse erleidet, oder die Kugeln (oder was auch imemr das ist) abprallen und in die Botanik düsen, wäre das Ziel verfehlt.
    Dass man nicht beabsichtigt, das so gewonnene Wildfleisch zu nutzen, finde ich schlecht, man wird sich aber wohl erhoffen, so das Schweinepestvirus nicht weiterzutragen.
    @Miky38: Wilschweine essen zwar Nudeln und auch ich habe als Kind am Wiildschweingehege Spaghetti verfüttert. Allersings habe ich inzwischen gelesen, dass man das nicht tun sollte und dieses Produkt keine sinnvolle Nahrung darstellt. (Ich habe zwar verstanden, dass SIe in diesem Fall Nudeln nur zum Ködern erwähnt hatten, wollte das Thema aber mal allgemein angesprochen haben: Keine Spaghetti für die Schweine und kein Brot für die Wasservögel!)

  2. 11.

    Die Nutzung eines (oder ) vieler Saufänge ist ,glaube ich, nicht allzu effektiv. Da Wildschweine sehr intelligent sind, könnte nach einem einmaligen Fangerfolg die Falle von anderen Schwarzkitteln gemieden werden, da Panik des gefangenen Tieres Veränderungen im Geruch auslöst. Aber es ist halt ein Versuch, den Bestand auszudünnen.

  3. 9.

    Und was kostet Impfen ?

  4. 7.

    "Mal ehrlich: Wie lange soll ein Jäger mit der Flinte auf dem Hochsitz ausharren bis ein Wildschwein "vorbeikommt" ? "

    Bis dieser Sniperunterstand von selbst verrottet.

  5. 6.

    Am schlimmsten ist, dass danach das Fleisch weggeschmissen wird! Und in anderen Erdteilen verhungern die Menschen! Ich würde Wildschwein kaufen, obwohl ich kein Fleischfreund bin, aber wenn, würde ich Wild, das unschuldig gemetzelt wurde, kaufen. Aber für den Müll? Hallo??

  6. 5.

    Jawoll der Mensch als Teil einer Nahrungskette. das Leben kommt aus dem toten Minieral und geht nach dem Ende dorthin zurück. Jedes einzelne Individuum trägt dazu bei und formt die Umgebung. Es ist der vorgegebene Weg. Leben entsteht auf dem Tod anderen Lebens oder geht als Mineral in der Umgegend auf um dann Grundlage für neues Leben zu bilden. Nichts verkommt. Was von einzelnen nicht genutzt wird übernehmen andere.

  7. 4.

    Sowas von barbarisch. sollte nicht erlaubt sein

  8. 3.

    Brutal und widerlich: in einem Käfig gefangen und ein nacheinander erschossen. Ein Massaker.

  9. 2.

    Gute Lösung. Mal ehrlich: Wie lange soll ein Jäger mit der Flinte auf dem Hochsitz ausharren bis ein Wildschwein "vorbeikommt" ?

    Kleiner Tipp: Wildschweine mögen rohe Spaghetti / Nudeln. Damit sollte es funktionieren mit dem Anlocken.

    Viel Erfolg......

  10. 1.

    Na super, der Mensch in seinem Element, Tiere töten. Herzlichen Glückwunsch. Jetzt wird die "Pest" vorgeschoben, endlich ein Grund.

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