Für besseres Home-Schooling - Cottbuser Initiative macht alte Rechner für Schüler fit

Di 19.01.21 | 16:45 Uhr
  4
Fünf Laptops, die bei "Hey Alter" in Cottbus wieder fit gemacht werden (Foto: rbb/Lepsch)
Audio: radioeins | 19.01.2021 | Sophia Wetzke | Bild: rbb/Lepsch

Schulunterricht findet aktuell meist nicht in der Schule, sondern zu Hause statt, am heimischen Laptop oder PC. Doch nicht alle Familien können sich die nötige Ausrüstung leisten. In Cottbus macht deshalb eine Initative alte Rechner wieder fit - und spendet sie.

Ungenutzte Laptops und PCs aufmöbeln, um Kindern digitales Lernen zu ermöglichen - das ist die Idee der Initiative "Hey Alter". Dabei handelt es sich um eine Aktion aus Braunschweig, die eine Cottbuser Initiative übernommen hat.

Ende Dezember 2020 hat die Aktion mit einem ersten Aufruf begonnen. Der Bedarf ist groß, die Spendenbereitschaft aber auch: Seit dem Start sind fast 100 alte Rechner abgegeben worden, sagte Benjamin Andriske am Dienstag im Gespräch mit radioeins vom rbb. Der Cottbusser ist Mit-Organisator der Initiative.

Erste Firmen melden sich

Andriske und sein Freund Christian Hanisch vom "FabLab", einer Mitmachwerkstatt in Cottbus, sammeln die alten Laptops, säubern sie datentechnisch, spielen die kostenfreie Software Linux drauf und verschenken sie an die Schüler. Was wo gebraucht werde, erfahren die beiden von Lehrern oder Schulen, die sich bei ihnen melden.

Der Bedarf in Südbrandenburg sei bisher ganz unterschiedlich, sagt Andriske. Manchmal werde ein Gerät pro Klasse gebraucht, manchmal seien es zehn. "Da erschlägt uns teilweise die große Anzahl." Die Geräte werden laut Andriske vor allem von Kindern gebraucht, die aus einkommensschwachen Familien kommen, in denen sich "die Eltern eben kein zweites Endgerät leisten können, oder das erste Endgerät".

Aktuell stehen 120 Rechner auf der Wunschliste. Andriske geht aber davon aus, dass der angemeldete Bedarf noch steigen wird. Denn bei den 120 Rechnern handle es sich hauptsächlich um Bitten aus Cottbus, Spremberg und Guben. "Wir haben noch lange nicht ganz Südbrandenburg erfasst."

Auf der anderen Seite werde aber auch viel gespendet. Bisher wurden etwa 90 Rechner eingesammelt. Sie kommen größtenteils von Privatpersonen. "Inzwischen melden sich aber auch die ersten Firmen, die Rechner aussortieren oder auch IT-Firmen, die Leasing-Rückläufer bekommen."

Corona zeigt die vorhandenen Probleme

Die Aktion findet unabhängig von der Pandemie statt, sagt Andriske. "Corona zeigt uns nur nochmal das Defizit, das seit Jahren herrscht.“ Die Ursache dafür könne man aber nicht auf die Schulträger abwälzen. Das liege seiner Ansicht nach auch an den unterschiedlichen IT-Kompetenzen. "Wir haben teilweise eine Überalterung der Lehrer, die vielleicht nicht mit der Problematik oder Digitalisierung aufgewachsen sind.“ Teilweise hätten es auch „die Eltern verpennt, darauf zu achten, teilweise haben es die Schulen verpennt und teilweise hat es das Land verpennt.“

Auch, wenn es Fördermittel vom Land Brandenburg für die digitale Ausstatung von Schulen und Schülern gibt [mbjs.brandenburg.de], dauere es eine Weile, ehe die Geräte ankommen, sagt Andriske. "Die ganze Welt braucht gerade Computer, die Preise für Technik sind gestiegen und für Kleinst-Chargen, die man nicht wie in anderen Bundesländern zentral bestellt, sondern es wieder auf die Schulträger abwälzt, kriegt man weniger Rabatt, als wenn man gleich 1.000 oder 5.000 Rechner bestellt.“ Es sei auch nicht so, dass das Geld morgen ausgezahlt werde und übermorgen würden die Rechner da sein.

Weitere Spenden sind willkommen

Und so werden sich womöglich noch weitere Schulen bei Benjamin Andriske und Christian Hanisch melden, die alte, aufgemöbelte Rechner für ihre Schüler gebrauchen könnten. Wer selbst einen ungenutzten Computer oder Laptop abgeben möchte, kann sich bei "Hey Alter" in Cottbus melden. Auch Tastaturen, Mäuse und externe Festplatten sind willkommen.

Mit Informationen von Aline Lepsch

4 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 4.

    Entweder ein großes Carepaket nach Cottbus oder ,wie Sie vorgeschlagen haben hier verschenken. Danke für den Tipp:-)

  2. 3.

    Aber "Heike"; was meinst du wie das einschlägt: Berlinerin hilft Cottbus. Habe hier auch einige Dinge verschenkt. Die Freude war groß.

  3. 2.

    Respekt - endlich mal Lösungsorientierung.

    Möchten die Berliner vielleicht einfach mal abschauen, anstatt zu meckern....

    Leider habe ich keine Endgeräte übrig...

  4. 1.

    Ganz tolle Sache, wenn es nicht Cottbus wäre würde ich sofort spenden...alles was auf dem Speicher noch so lagert. Wo ist solch eine Sache in Berlin ?

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren