Luftbild von Waldeslust mit eingezeichneter, geplanter Ortsumfahrung B 169 (Foto: Amt Plessa)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.01.2021 | Ralf Jußen | Bild: Amt Plessa

Plessa im Elbe-Elster-Kreis - Protest gegen Ortsumfahrung durch Privatgrundstücke

Damit weniger Fahrzeuge durch den Ortskern von Plessa im Elbe-Elster-Kreis fahren, soll eine Ortsumfahrung her. Sie wird seit Jahren geplant und soll den Anwohnern mehr Ruhe bringen. Doch nach aktuellem Stand würde die Straße durch mehrere Gärten verlaufen.

Eine Bürgerinitiative im Elbe-Elster-Kreis protestiert gegen die geplante Nordumfahrung von Plessa an der Bundesstraße 169. Die Straße soll mitten durch die Gärten von acht Anwohnern der Siedlung "Waldeslust" führen. Ein Haus müsste abgerissen werden. Am Freitag hing die Bürgerinitiative die ersten Plakate auf, um auf ihren Protest hinzuweisen.

Ihr Ziel ist es, die laufende Planung zu stoppen. Das Land hat der Trassenführung bereits zugestimmt. Sollte auch der Bund die Straßenplanung bestätigen, bliebe den Anwohnern noch der Weg über die Gerichte, um die Ortsumfahrung zu verhindern.

Nordumfahrung Plessa Anwohner hängen Protestplakate auf (Foto: rbb/Jahn)
Anwohner hängen Protestplakate auf | Bild: rbb/Jahn

Flugblätter, Plakate, Briefe

In einem Raumordnungsverfahren von 2010 waren drei verschiedene Möglichkeiten für die Umgehungsstraße untersucht und die sogenannte Südumfahrung als Vorzugsvariante angesehen worden. Vor zwei Jahren schlugen die betroffenen Gemeinden, Städte und der Landkreis dem Land noch einmal die Südtrasse als Planungsgrundlage vor.

Die Einwohner in Plessa und dem Ortsteil Kahla haben nun nach eigenen Angaben durch Zufall erfahren, dass die Umgehungsstraße in der Nordumfahrung vorbereitet wird. Sie haben die Streckenführung auf der Internetseite der Planungsgesellschaft des Bundes für Autobahnen und Bundesstraßen, Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES), entdeckt.

Nordumfahrung Plessa Protestplakate (Foto: rbb/Jahn)
Protestplakate | Bild: rbb/Jahn

Damit wäre die Siedlung Waldeslust direkt betroffen. Die geplante Umgehungstraße würde praktisch durch die Gärten der Bewohner verlaufen. Vom Wohnzimmerfenster würden sie in Zukunft in sechs Meter Abstand auf eine vier Meter hohe Schutzwand blicken.

"Wir kämpfen jetzt wirklich um die Verhinderung, dass das Linienleitverfahren abgeschlossen wird", sagt Kristin Schröder-Grahle, die Sprecherin der Bürgerinitiative gegen die Ortsumfahrung. "Deshalb werden wir auch alle Kräfte in die nächsten vier, acht Wochen stecken, dass wir das schaffen können."

Kristin Schröder-Grahle, Sprecherin der Bürgerinitiative (Foto: rbb/Screenshot)
Kristin Schröder-Grahle | Bild: rbb

Rund 1.500 Flugblätter hat die Bürgerinitiative drucken lassen, die zum Wochenende in allen Briefkästen des Amtes Plessa landen. Dazu kommen kleine und größere Plakate. Die ersten wurden am Freitagnachmittag aufgehangen. "Sowohl Plessa, als auch Kahla als auch die Waldeslust bekommen Plakate."

Darüber hinaus wollen Anwohner sich weigern, ihre Grundstücke zu verkaufen. Für den Bau der Straße müssen sie enteignet werden. Dagegen wollen sie klagen.

Die Straße im Garten

Der Amtsdirektor von Plessa, Göran Schrey, kann den Ärger verstehen. Er kennt das über 3.000-Seiten-Papier zur Trassenführung und kommt zu dem Schluss, dass die Belange der Einwohner der Siedlung in dieser Planung keine Rolle spielen.

"Wir reden über Wohnraum, Wohnumfeld. Die Leute leben dort schon viele Jahre, Jahrzehnte", so Schrey. Einige hätten sich jetzt vor Ort neue Existenzen geschaffen. Sollte die Nordumfahrung tatsächlich wie geplant gebaut werden, bekämen die Anwohner "jetzt im wahrsten Sinne des Wortes die Straße in ihren Garten."

Schrey erklärt, dass diese Trasse besonders aufwendig zu bauen sei, da sie parallel zu Bahnstrecken von Falkenberg in Richtung Hoyerswerda oder Ruhland nach Leipzig führt. "Da gibt es Sicherheitsbedenken der Deutschen Bahn AG." Sie befürchte, dass bei Unfällen möglicherweise nicht genügend Sicherheitsabstand zur Bahnlinie vorhanden wäre. "Dieser Sicherheitsabstand würde hier wieder zu Lasten der Bewohner der Waldeslust gehen."

Der Amtsdirektor kritisiert, dass andere Streckenverläufe nicht mehr berücksichtigt worden sein. "Man hat die damaligen Südtrassen mit der jetzigen Nordtrasse abgewogen. Aber die Abwägung und das Ergebnis können wir nicht nachvollziehen." Nun wolle das Amt aufzeigen, dass es Fehler gebe. Im Moment werde beraten, wer alles Post aus Plessa bekommen wird. Dabei läuft die Zeit. Geplant ist, dass der Bund in rund drei Monaten unterschreiben soll.

Mit Informationen von Ralf Jußen

4 Kommentare

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  1. 4.

    Warum sollte sich der Staat um die Belange des Volkes kümmern? Für die Parteien wird das Volk nur gebraucht um an die Macht zu kommen. Danach hat das Volk den Mund zu halten. Den Staat kümmert das Wohlbefinden der Einzelnen nicht die Bohne. Also: kommt auf den Boden der Tatsachen zurück.

  2. 3.

    Was der Staat will bekommt er auch. Ob DDR oder BRD. Das macht keinen Unterschied. Was der Bürger zu besitzen glaubt ist dann halt mal weg. Für wen baut man eigentlich diese Straße? Und von welchen Geldern? Ach ja, aus dem Steuertopf. Und steuern Zahlen bekanntlich hauptsächlich die Bürger. Welch eine Hohn.

  3. 2.

    Peinlich wie Leute meinen, Enteignung solle es im Kapitalismus nicht geben auch wenn dadurch eine Mehrheit wegen einer kleinen Gruppe leiden muss. In ein paar Jahren ist wegen den Gruenen und der CDU die Region runtergekommen und bei dem vielen Leerstand werden die an der neuen schoenen Trasse schnell was neues finden.

  4. 1.

    Die Verantwortlichen haben bestimmt dort kein Grundstück. Ist das nicht Enteignung - und das im Kapitalismus.

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