Blick ins Innsere - die alte Bibliothek im Schloss Lieberose (Foto: rbb/Friedrich=
Audio: Antenne Brandenburg | 18.01.2021 | Daniel Friedrich | Bild: rbb/Friedrich

Akademie oder Raum für Berliner Start-ups? - Barockschloss Lieberose sucht Käufer und Ideen

Eines der größten Barockschlösser Brandenburgs steht in Lieberose (Dahme Spreewald). Erbaut 1657 - und Mitte des 18. Jahrhunderts in heutiger Form - ist es ein Schmuckstück: Drei gut erhaltene Gebäudeflügel, drei Etagen plus Dachboden und Keller, dazu ein 34 Hektar großer Park.

Bis 1945 war das Schloss Wohnsitz der Familie von der Schulenburg. Doch seit der politischen Wende lag es meist im Dornröschenschlaf und wurde kaum noch genutzt - zuletzt in den 1990ern als Berufsfachschule und Grundschule.

Das soll sich jetzt ändern. Das Schloss soll in diesem Jahr verkauft werden. Aber noch fehlt ein tragbares Nutzungskonzept. Doch daran wird gerade gearbeitet.

Das Schloss Lieberose im Winter (Foto: rbb/Friedrich)
| Bild: rbb/Friedrich

Gegen ein Schloss mit verschlossenen Türen

Zurzeit gehört das Schloss noch einer gemeinnützigen Gesellschaft des Landes. Die will es aus finanziellen Gründen verkaufen, aber nicht an irgendwen. "Wir möchten niemanden, der von außen hier hineinkommt und das Schloss dann für die Lieberoser zuschließt", sagt Schlossführerin Stefanie Reinke. Stattdessen solle das Schluss wieder "mit regionalen Kräften" bespielt werden.

Regionale Kräfte sind in erster Linie der Förderverein Lieberose, das Kunstprojekt "Rohkunstbau" und die Internationale Naturausstellung, die im Schloss gern ihr Besucherzentrum hätte. Doch Kunst und Kultur könnten sich nicht selbst finanzieren, sagt Immobilienentwickler Frank Duske.

Er erstellt nach eigenen Angaben zurzeit ein Nutzungskonzept. "Wir können uns dort eine Akademie vorstellen", nennt er ein Beispiel. Welche Akademie das sein könnte, könne er noch nicht sagen. Konkrete Pläne in diese Richtung gebe es bisher nicht. Das Barockschloss könnte aber auch für Unternehmer aus der Hauptstadtregion interessant sein, sagt Duske. "Wir können uns dort Start-Up-Büros vorstellen oder Co-Working-Räume." Noch im Frühjahr soll ein Nutzungskonzept für das Schloss stehen. Am Ende soll ein Träger gefunden werden, der das ganze Gebäude kauft.

Erst das Schloss, dann die ganze Region

Ein potenzieller Käufer hat sich erst einmal dagegen entschieden: der Landkreis Dahme-Spreewald. Grund ist das fehlende Nutzungskonzept und der Fakt, dass es noch gar kein offizielles Angebot von Verkäuferseite gab. Deshalb hatte sich der Kreisausschuss im Sommer 2020 gegen einen Kauf entschieden.

Der Kreistagsabgeordnete Lothar Treder-Schmidt (Grüne) sagt, er bedauere das. Denn mit dem Schloss könne sich die ganze Region entwickeln. "Gerade die Strukturförderungsmittel aus dem Braunkohlenkompromiss ermöglichen hier einen Neustart." Er sagt, er fände es gut, wenn der Landkreis bei der Entwicklung mitwirken würde.

Ein altes Haus mit gewissem Charme

Die Startbedingungen seien in Ordnung, sagt Immobilienentwickler Frank Duske. Das Dach jedenfalls sei dicht, der Keller saniert und die Fenster neu. Das ganze Schloss habe einen gewissen Charme. "Hier ist alles eben ein bisschen oll. Hier bröckeln die Kanten, hier sind die Wände nicht richtig verputzt. Trotzdem sieht man das Schöne, den Stuck an den Decken."

Es soll eben kein rundsaniertes Schickimicki-Schloss werden - sondern ein Ort, der auch in Zukunft für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Mit Informationen von Daniel Friedrich

1 Kommentar

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  1. 1.

    Auf keinen Fall Geld aus dem Strukturwandeltopf für dieses Schloss ausgeben, keinen einzigen Euro! Das Geld sollte für etwas Zukunftsweisendes eingesetzt werden: Forschung, Produktion, Infrastruktur! Geld in dieses Schloss zu stecken ist absolute Verschwendung!

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