Gerichtssaal Landgericht Cottbus (Quelle: rbb/A.Lepsch)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.02.2021| Aline Lepsch | Bild: rbb/A.Lepsch

Berufungsprozess in Cottbus - Tod einer ägyptischen Studentin: Strafmaß wird neu verhandelt

Der Prozess um den Tod einer ägyptischen Studentin in Cottbus geht in eine neue Runde. Es soll geklärt werden, ob der Vorwurf der fahrlässigen Tötung gerechtfertigt ist. Im ersten Prozess war der Angeklagte zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Von Aline Lepsch

Am Cottbuser Landgericht wird seit Montag der Unfalltod einer ägyptischen Studentin neu verhandelt. Ein zum Tatzeitpunkt 20-Jähriger war vom Cottbuser Amtsgericht im letzten Jahr wegen fahrlässiger Tötung zu einer einjährigen Bewährungstrafe verurteilt worden. Er soll im April 2017 mit seinem Auto vor der Cottbuser Stadthalle mit erhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Dabei hatte er die 22-jährige Studentin so schwer verletzt, dass sie kurze Zeit später an ihren Verletzungen starb.

Gegen das Urteil des Cottbuser Amtsgerichts war der Angeklagte in Berufung gegangen. Am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht ging es vor allem um die verschiedenen Szenarien, die die Sachverständigen der Dekra durchgespielt haben. Damit sollte der Unfall-Hergang rekonstruiert werden. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob der Angeklagte 50 statt der erlaubten 30 km/h gefahren und damit der Tatverdacht der Fahrlässigkeit gegeben ist. Das hatte das Amtegericht so gesehen, die Kammer des Landgerichts hat dazu aber noch viele Fragen.

Widersprüchliche Aussagen

Es sei vor allem nicht klar, welches Szenario das Amtsgericht zur Urteilsfindung herangezogen hatte. Außerdem habe es immer wieder ungenaue und widersprüchliche Aussagen gegeben. Deshalb soll jetzt die gesamte Beweisführung wiederholt und alle Zeugen erneut gehört werden. Der Anwalt des Angeklagten sieht sich durch die Hauptverhandlung in seiner Argumentation bestätigt. Das Gericht habe Dinge falsch oder gar nicht gewürdigt, sein Mandant hätte freigesprochen werden müssen.

Am zweiten Verhandlungstag am Dienstag sollen fünf Zeugen, darunter drei aus Ägypten gehört werden. Die Einladungen und die Einreise gestalten sich unter Corona-Bedingungen als sehr schwierig, so das Gericht. Der ursprüngliche Termin der Urteilsverkündung im März dürfte also kaum zu halten sein. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt.

Der Fall hatte international Aufsehen erregt, weil das Opfer noch am Tatort rassistisch beleidigt worden sein soll. Die Ermittlungen dazu wurden allerdings eingestellt.

Beitrag von Aline Lepsch

1 Kommentar

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  1. 1.

    Verstehe ich nicht! Wenn im Straßenverkehr ein toter zu beklagen ist, sollte der Verursacher entsprechend Strafrechtlich bestraft werden. Es sei denn, das höhere Gewalt wie z.B. Glatteis oder Blitzeis eine tragende Rolle spielt, man als Autofahrer keine Chance hat auszuweichen.

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