Auf altem Tagebaukippengelände - Erstes rutschungsgefährdetes Haus in Lauchhammer wird abgerissen

Ein Schild weist auf die Gefahr eines Starßeneinbruchs hin (Foto: rbb/Schiller)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.03.2021 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Schiller

Der Boden ist nicht sicher: Mehrere Häuser und Firmengebäude sind in Lauchhammer auf alten Tagebaukippen gebaut wurden, die abzurutschen drohen. Das erste Gebäude in der Külz-Straße ist schon leergezogen. Nun wird es abgerissen - per Hand.

In der Wilhelm-Külz-Straße in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) wird das erste Wohnhaus in der rutschungsgefährdeten Wohn- und Gewerbesiedlung abgerissen. Wobei "abreißen" es nicht richtig trifft. Aus Sicherheitsgründen wird das Haus per Hand abgetragen, hat rbb|24 am Montag vom Tagebausanierer LMBV erfahren. Bagger können nicht zum Einsatz kommen, weil nicht klar ist, ob der Boden sie aushält.

Vor zwei Jahren kam die Nachricht: Die Bewohner von fünf Einfamilienhäusern und die Mitarbeiter von drei Firmen müssen bis Ende 2022 ihre Gebäude verlassen. Sie alle stehen auf dem Gelände eines ehemaligen Tagebaus aus den 1920er Jahre.

Große Teile Lauchhammers sind Gebiete, in denen ansteigendes Grundwasser dafür sorgt, dass der Boden aufweicht. Die Stadt ist ein Zusammenschluss kleiner Dörfer, zwischen denen schon vor 150 Jahren kleinere Tagebaue betrieben wurden.

In der Wilhelm Külz Straße in Lauchhammer wird das erste Haus abgetragen (Foto: rbb/Schiller)
Das erste Haus wird abgetragen | Bild: rbb/Schiller

"Möchten wiederhaben, was wir jetzt haben"

"Mir kommen schon so Gedanken, wie es sein wird, wenn das Haus dran ist... kannst du damit umgehen? Wie geht's dir damit?", sagt Helga Moldenhauer, die von ihrem Grundstück aus auf das erste Abrisshaus schaut. Ihre beiden Häuser direkt in der Einfahrt des kleinen Gewerbegebietes stehen noch. "Es wäre auch besser, wenn man dann gar nicht mehr gucken kommt. Man fährt vorne vorbei."

An diesem Montag transportiert ein Radlader im Minutentakt Schutt vom Grundstück gegenüber ab. Zuständig und Ansprechpartner für die Grundstückseigentümer ist die LMBV. Eine Einigung über die Entschädigung mit dem Unternehmen habe es noch nicht gegeben, sagt Moldenhauer. "Wir möchten eigentlich das wiederhaben, was wir jetzt haben." Aber das ginge nicht mehr, sagt sie. "Es gibt ja auch schlecht Grundstücke in Lauchhammer."

Firmen unter Zeitdruck

Für die Unternehmen gibt es bisher keine Entschädigungsregelung für die Verlagerung des Firmensitzes. Dabei geht es um mehr als 200 Arbeitsplätze, sagte Daniel Niebuhr vom "Verein der Selbständigen" am Montag dem rbb. "Es gibt kein Konzept seitens des Landes, der Bundesregierung oder der Stadt, was überhaupt passiert."

Die Situation sei enttäuschend. "Die Unternehmer werden abgesiedelt, haben aber gar nicht die Zeit, sich darauf vorzubereiten." Ein Jahr hätten die Firmen noch Zeit, sich einen neuen Standort zu suchen und das Unternehmen neu aufzubauen, "mit Geldmitteln, die noch nicht mal bekannt sind." Mit dem Bürgermeister sei man in guten Gesprächen, doch das reiche laut Niebuhr nicht aus.

Räumung in insgesamt drei Wohngebieten

In Lauchhammer gibt es viele Probleme im Zusammenhang mit dem Altbergbau. Klarheit, wie mit ihnen umzugehen ist, soll ein neues Gesamtkonzept bringen. Es war im Sommer 2020 erstmals den Stadtverordneten vorgestellt worden. Und es hatte gezeigt, dass große Teile der Stadt zu sogenannten "Tabuzonen" werden. Eine davon ist die Külzstraße, in der Helga Moldenhauer ihr Haus hat.

Schon vor rund fünf Jahren mussten rund 30 Menschen aus der Grubenteichsiedlung in Lauchhammer ihre Häuser verlassen. Auch ihre Grundstücke lagen auf einer alten Kippenfläche, die durch den Grundwasseranstieg wegzurutschen drohte. Ein drittes Wohngebiet ist der Pappelweg, direkt neben der Külz-Straße. Dort müssen 25 Menschen in elf Häusern ebenfalls bis Ende 2022 ihre Häuser verlassen.

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