Grafik des Turnhauses vor der F60 (Foto: Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI)
Audio: Antenne brandenburg | 04.03.2021 | Josefine Jahn | Bild: Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI

Pilotprojekt in Südbrandenburg - Amtsdirektor plant Ferienhaus auf einem ausrangierten Windrad

Was tun mit ausgedienten Windanlagen? Am Bergheider See im Süden Brandenburgs soll in einem Pilotprojekt ein autarkes Ferienhaus auf einen Windrad-Stumpf montiert werden - als Blickfang für die Seenlandschaft und Forschungsobjekt für das Fraunhofer Institut. Von Josefine Jahn

Auf dem Bergheider See bei Finsterwalde (Elbe-Elster) liegt schon ein eher ungewöhnliches Ferienhaus - ein schwimmendes auf dem Wasser. Nun gibt es die Idee für eine Übernachtungsmöglichkeit in luftiger Höhe. Am See soll auf dem Stumpf einer ausgedienten Windkraftanlage ein "Turmferienhaus" entstehen.

Das Fraunhofer Institut will bei dem deutschlandweit einmaligen Projekt herausfinden, wie ein von Energie und Wärme autarkes Haus bestmöglich gebaut werden kann. Am Donnerstag wurden die Pläne vorgestellt.

Gottfried Richter zeigt auf den geplanten Turmstandort (Foto: rbb/Jahn)
Gottfried Richter zeigt auf den Standort des Turmhauses | Bild: rbb/Jahn

Lieber recyceln als einschmelzen

"Sie können so einen Turm haben, wenn sie ihn wollen." Diese eigentlich scherzhaft gemeinte Aussage des Herstellers hat der Amtsdirektor von Kleine Elster, Gottfried Richter (parteilos), ernst genommen. Die Idee zum Recyclen von Windrädern zu einem Turmhaus kam ihm bei einer Autobahnfahrt. Richter waren die vielen liegenden Windrad-Türme aufgefallen, die ausgedient hatten oder gar nicht erst zum Einsatz gekommen sind.

In die letzte Kategorie fällt auch der Turmrest, der inzwischen schon zum Bergheider See transportiert wurde. "Den müsste man eigentlich nachnutzen können, ohne ihn einzuschmelzen. Das war die Idee", sagt Richter. Er ist neben seiner politischen Tätigkeit auch Vereinsvorsitzender der Stiftung "Euros", die unter anderem innovative und nachhaltige Projekte rund um den Strukturwandel fördert und nun als Bauherr für das Turmhaus fungiert.

Grafik vom Turmhaus in Lichterfeld (Foto: rbb/Jahn)
So soll das Turmhaus aussehen | Bild: rbb/Jahn

Genehmigung für Lufthäuser schwer zu bekommen

Umsetzen soll den Plan das Architekten-Ehepaar Keller aus Cottbus. "Ich habe überlegt, an die Röhre vier Kuben ranzuhängen, in denen sich das Raumprogramm für eine Ferienwohnung entwickelt", sagt Stephanie Keller zum Entwurf. Küche, Essen, Wohnen/Badezimmer und Schlafzimmer, das sind die Bereiche, die jeweils in einem Kubus an den Windradturm "rangehangen" werden.

Hinauf sollen Besucher über eine Wendeltreppe außerhalb der Röhre kommen. Eine Treppe, die gleichzeitig auch andere Touristen als Aussichtsplattform nutzen können sollen. Ab dann beginnt der Privatbereich der Urlauber, die sich ins Haus eingemietet haben.

Durch die luftige Höhe der Unterkunft war es laut Richter nicht einfach, eine Baugenehmigung zu bekommen. Aber die Bauverwaltung des Landkreises Elbe-Elster habe "super mitgespielt". Nach einer größeren Beratung und Diskussion, ob das Vorhaben überhaupt umgesetzt werden kann, hätten alle Beteiligten zugesagt, das Projekt zu unterstützen.

Inzwischen ist es in greifbare Nähe gerückt. "Ich habe nochmal mit der Baubehörde telefoniert und sie haben in Aussicht gestellt, dass in den nächsten 14 Tagen die Baugenehmigung erteilt wird."

Wenn's gut läuft, gibt's ein zweites Haus

Die Kosten für dieses spezielle Turmferienhaus liegen bei 300.000 Euro. Finanziert wird es von der Euros-Stiftung. Sie hat für dieses Projekt Spendengelder von Privatpersonen gesammelt und Bundesmittel aus dem Programm "Unternehmen Revier" bekommen.

Geplant ist, dass das Haus bis zur Saison 2023 steht. Wenn es von Touristen gut angenommen wird, könnte ein zweites am Bergheider See entstehen, sagt Gottfried Richter. Darüber hinaus sind auf dem Areal insgesamt 80 weitere, ganz normale, Ferienhäuser geplant. Die ersten 18 entstehen im kommenden Jahr.

12 Kommentare

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  1. 12.

    Hallo Amtsdirektor Richter; lege mal den Zirkel beiseite und frage ganz viele Bürger; bitte die technisch-wt- Gebildeten. Überlegt euch doch endlich eine Lösung für alle anfallenden Rohre von Alt-WK -ausgemustert. Einschmelzen wäre doch nicht zu verantworten. Eure Container auf dem Rohrstutzen sind doch keine Lösung. Wollt ihr etwa Sand und Beton innen einfüllen um die Statik zu erreichen ? Ankleben außen geht ja wohl nicht. :=). Bin gespannt was ihr da so anstellt.

  2. 11.

    Dann muss das alte Fundament aber vergrößert werden. Der unntere Rohrstummel hat ja eine Tür; für Behinderte müßte da ein Aufzug rein und wieder viel Stahbeton verbuddeln ist Wahnsinn. Baut einen Aussichtsturm und gut ist es; eventuell aus Holz. Man kann doch nicht jedes abgewrackte Altwindrad mit diesen "Containern" in die Lande pflanzen. Baut doch da Batteriespeicher rein. Man kann die Rohrstücke auch als Gastank benutzen. Beidseitig Kappe aufschweißen. Verschleudert kein Geld !

  3. 10.

    Beim Lesen der Überschrift dachte ich OK, wenigstens was Nützliches, aber dann stellt sich raus sie haben nur einen weiteren Vorwand für das Einstreichen von Subventionen gesucht und wohnen kann niemand darin ...

  4. 9.

    Hm, ab einer bestimmten Höhe ist es ein "Hochhaus" und benötigt einen Fahrstuhl. Oder?

  5. 8.

    Das alte Fundament wird ja nicht benutzt. Rumliegendes Rohr neu einbuddeln und mit Fundament sichern; für 300 000 ? Stellt Container an den Strand. Alles zu ebener Erde. Familienfreundlich zum Bruchteil vom Preis. Wir haben gezeltet oder Betriebswohnwagen. War ökologischer. Ist heute Nebensache ?

  6. 7.

    Kindgerecht kann ich auch nicht erkennen. Rausrennen und spielen geht nicht. Eis gibt es auch nicht in Der Nähe und Papa muss sein Bier hochschleppen und Mutti den ganzen Einkauf 20 km aus dem Dorf. Igitt, das soll Urlaub sein ?

  7. 6.

    Viel zu gefährlich. Die Treppe muss überdacht sein. Blitzableiter fehlt auch. Wo kommt das Frischwasser her ? Wo gehen die Verdauungsprodukte hin ? Strom kommt aus der Steckdose und baden kann man im Erntestaub. Baut mal lieber wie einst am See.

  8. 5.

    Sehr richtig. Man könnte fast denken, dass die dafür noch keine Technologie haben. Zerschreddern, verbrennen und aus dem Glas 5G Glasfaserkabel herstellen- huch-ich habe geträumt. Könnte man die aus Dural mit Stützkern bauen ?

  9. 4.

    und das ist Sondermüll, der noch - ich weiß nicht wie - unschädlich gemacht werden soll

  10. 3.

    Repowering ist das Stichwort. An quasi gleicher Stelle wird deutlich höher mit mehr Leistung und mehr Vollaststunden neu gebaut mit deutlich mehr Ertrag. Die alten Türme brauch man dann nicht mehr.

  11. 2.

    Ausrangiert; Laufzeitende. Kürzlich bericgtete man hier, dass man nur die "Flügel" entfernte und auf dem Acker ablegte.

  12. 1.

    Hab ich was verpasst ? Good bye Lenin ?
    Es gibt AUSRANGIERTE Windräder ?
    Das ich das nich erleben darf ...

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