Trabant von vorn
Eine Legende - der Trabant | Bild: rbb/Florian Ludwig

Interview | Autoexperte Rainer Schmatloch - "Der Trabant war eine richtig gute Ingenieurleistung"

Vor 30 Jahren wurde der letzte Trabant produziert. Auto-Experte Rainer Schmatloch vom Calauer Museum "Mobile Welt des Ostens" erzählt im Intervierw, warum der Trabi ein typisches Ergebnis der Mangelwirtschaft ist - und worin seine großen Vorzüge liegen.

rbb|24: Am heutigen Freitag vor 30 Jahren ist in Zwickau der letzte Trabant vom Band gegangen. Es gibt ja viele Klischees, viele Witze über ihn. Aber er wurde 34 Jahre gebaut und mehr als drei Millionen Mal verkauft. Herr Schmatloch, was ist das Besondere an diesem Fahrzeug?

Rainer Schmatloch: Das Besondere beim Trabant ist, dass er einen Zweizylinder-Zweitakt-Motor und von Anfang an immer Frontantrieb hatte. Und natürlich die Karosserie, die ja aus Plaste ist. Denn im Prinzip ist diese Plaste-Karosserie-Ära durch den Trabant-Vorgänger eingeleitet worden, durch den P 70. Aber der Nachfolger P 50 war dann schon in der Ausführung, wie der Trabant bis zum Schluss gebaut wurde.

Blick unter die Motorhaube eines Trabant
Blick unter die Motorhaube | Bild: rbb/Florian Ludwig

Die Außenhaut bestand aus Duroplast - das waren zu kurze Baumwollfasern, als dass man sie für Kleidung hätte verwenden können - und aus Phenolharz, gewonnen aus der Braunkohle. Zeigt sich darin auch die Mangelwirtschaft der DDR?

Im Prnzip ist die Mangelwirtschaft beim Trabant dadurch zum Tragen gekommen, dass man sehr lange Zeit technische Neuerungen einfach nicht eingeführt hat, weil es am Geld mangelte. Zum Beispiel die Einzelradaufhängung hatte Werner Wolf, der Gruppenleiter Fahrgestell, bereits 1968 fertig in seinem Schreibtisch liegen. Das hat bis 1988 gedauert, bis er das in die Serie überführen durfte. Ein Beispiel für Mangelwirtschaft.

Wie hätte man den Trabant verbessern, veränden sollen, damit er sich noch länger hätte halten können?

Es gab viele Versuche von den Ingenieuren im Audi-Werk in Zwickau, man hat viele Dinge probiert und versucht, erneuert und konstruktiv gelöst, aber sie wurden nicht umgesetzt. So hat es lange gedauert, von der 6-Volt-Anlage zur 12 Volt-Anlage zu kommen.

Man hätte schon viel früher die Scheibenbremsen einführen können. Man hätte auch viel früher das Fahrwerk verbessern können. Es waren also viele Dinge, die im Schreibtisch schon fertig waren, die schon fertig konstruiert waren und nicht umgesetzt wurden in der Produktion.

Im Prinzip ist die komplette Karosserie der Mangelwirtschaft geschuldet. Denn es war so, dass wir zur damaligen Zeit in der DDR kein Tiefziehblech herstellen konnten. Die russischen Tiefziehbleche waren unmöglich, die konnten hier bei uns nicht verarbeitet werden. Und die Bundesrepublik hat uns immer den Zugang zu Tiefziehblech verweigert. Unser Blech kam dann aus Österreich von Voestalpine.

Und da hat es die Bundesbahn fertiggekriegt, Transporte mit den Blechen, die hier bei uns benötigt wurden, bis nach Schleswig-Holstein zu transportieren, damit wir hier in die Bredouille kamen. Insofern ist natürlich die Duroplast-Karosserie ein typisches Ergebnis, wie man versucht hat, sich aus der Mangelwirtschaft zu befreien.

Wie sehen Sie den Trabant heute? Ist es wirklich ein Kult-Fahrzeug oder müssen Sie ehrlicherweise sagen, es gibt einfach Besseres?

Nein, der Trabant ist absolut ein Kult-Fahrzeug. In der DDR war der Tranbant, obwohl viel über ihn gewitzelt wurde und er viel Spott zu ertragen hatte, ein beliebtes Fahrzeug. Viele Familien mit Kindern haben mit dem Trabant ihre Fahrzeug-Laufbahn begonnen und es gab sehr viele Leute, die mit dem Trabant zufrieden und glücklich waren.

Wenn man sich heutzutage die Szene ansieht, dann muss man auch tatsächlich sagen, der Trabant war ein sehr stabiles, treues und problemloses Fahrzeug. Einmal durch den Zweitakt-Motor natürlich, durch seine einfache Bauweise - man konnte praktisch fast alles selber reparieren, das war ein großer Vorteil damals. Und wenn ich mir heute die Trabanten ansehe, muss ich sagen: Hut ab! Egal, was man dazu sagt, es war eine richtig gute Ingenieurleistung.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Florian Ludwig.

17 Kommentare

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  1. 17.

    Der Trabi ist seiner Zeit entsprechend ein sehr gutes Fahrzeug,einfache,unverwüstliche Technik,von begabten Menschen zu reparieren. Die Abgaswerte sind gar nicht so schlecht,da können sich die Diesel Mal ein Vorbild nehmen.Ich besitze den Trabi aus Bj.88, benutze ihn fast jeden Tag und habe meinen Spass dabei. Gut wäre ein E- Trabi siehe New Trabi Nt
    da könnten sich manche Hersteller was abschauen.
    GO TRABI GO

  2. 16.

    Die sog. "Ente" fand ich schon immer häßlich - Klapperkiste. Und das Konzept dieses Fahrzeugs, das, wenn es denn so stimmt, darauf beruht den Bauern 'nen Karton Eier unbeschadet übern Acker zu schaukeln, war ja wohl reichlich albern. Dagegen hat der Trabi eine Kurvenlage wie'n Porsche.

    Dieser 2CV wurde doch nur zum "Kultobjekt", weil er von den Hippies und anderen "Technikverächtern" als irgendwie niedlich und alternativ angesehen wurde - dabei aber eines der unsichersten KFZ überhaupt war.

  3. 15.

    "wackelige Kiste"? - Schonmal "Ente" gefahren? Zornige 28 PS und bei etwa 120 (nach Tacho) war Feierabend auf den motorisierten Gartenstühlen mit französischen "So-in-etwa-Geradeauslauf" und "Kurvenschräglagen" die Seefestigkeit verlangten. Der enthaltene Spass war aber ohne Aufpreis. Dagegen war der Trabi "bretthart" - und Spass macht der auch.

  4. 14.

    Eine Freundin von mir hatte so 'nen Platikbomber nach der Wende von ihren Eltern übernommen. Damit zu fahren hat wirklich Spaß gemacht, und auch mit der recht intuitiven Handschaltung bin ich sofort klargekommen. Aber natürlich ist der Trabi schon eine ziemlich wackelige Kiste.

  5. 13.

    Über den Trabi kann man bestimmt viel schlechtes, aber auch gute Dinge sagen. Fakt ist doch er hat die DDR bewegt. Er brachte die Menschen von A nach B, und in den Urlaub. Die fehlende Weiterentwicklung( und alles andere) lag am Politbüro.

  6. 12.

    Immerhin war es vom Innenraumgeräusch das leiseste Auto: Man konnte sich mit den Knien die Ohren zuhalten.
    Spaß beiseite: Die Dinger gehören aus Emissionsgründen und zum Schutz der Insassen verboten!

  7. 11.

    Schade, dass man den Trabant nicht wieder herstellt - mit heutigem Standard, allerdings als sparsames Stadtauto. Als Stadtauto hätte dieses Auto bestimmt viele Anhänger. Und besser als diese "albernen" SUVs ist er allemal!

  8. 10.

    Lachhaft! Häufig verkauft! Warum denn? Weil die Alternativen dünne waren. Was haben die Leute 1990 als erstes gemacht? Sich ein Westauto gekauft! Macht euch doch nicht lächerlich mit eurer Ostalgie! Das Ding hatte nie eine Chance auf dem westdeutschen Markt und hätte sie nie gehabt! Und ja, ich bin Thüringer und ehemaliger Trabifahrer, aber 2 Jahre haben gereicht!

  9. 9.

    Mit e-Motor wäre er besser als ein Tesla.

  10. 8.

    Der Trabant war bei seinem Erscheinen und mindestens die nächsten 10 Jahre eindem Zeitgeist und der technischen Entwicklung entsprechendes Auto. Das er über 30 Jahre produziert wurde, ohne iWeiterentwicklung lag nicht an den bei Sachsenring Beschäftigten. Das war der Situation in der DDR geschultet.

  11. 7.

    Der Trabant war bei seinem Erscheinen und mindestens die nächsten 10 Jahre eindem Zeitgeist und der technischen Entwicklung entsprechendes Auto. Das er über 30 Jahre produziert wurde, ohne iWeiterentwicklung lag nicht an den bei Sachsenring Beschäftigten. Das war der Situation in der DDR geschultet.

  12. 6.

    Der Trabant war bei seinem Erscheinen und mindestens die nächsten 10 Jahre eindem Zeitgeist und der technischen Entwicklung entsprechendes Auto. Das er über 30 Jahre produziert wurde, ohne iWeiterentwicklung lag nicht an den bei Sachsenring Beschäftigten. Das war der Situation in der DDR geschultet.

  13. 5.

    Anmerkung an mich selbst: Natürlich ist der Käfer Kult. Und das zu Recht!

  14. 4.

    Nö. Der war schlecht, ist schlecht unf wird es auch weiterhin bleiben... Im Gegensatz zum Käfer: Mit Sicherheit kein Kult! Ach ja, bin Ossi.

  15. 3.

    Der Trabbi war zur Zeit seines Erscheinens ein sehr modernes Fahrzeug, das sogar international wettbewerbsfähig war. Dass seine Weiterentwicklung faktisch nicht stattfand, lag am Politbüro, das diese untersagt hat. Man hatte schlicht Angst, weil man wusste, dass die hohe Nachfrage nach einem Nachfolger niemals auch nur im Ansatz zu befriedigen war. Deshalb wurden auch sämtliche anderen Entwicklungen, zum Beispiel auch in Kooperation mit Skoda, gnadenlos gecancelt. Ein Rätsel blieb am Ende aber, warum kurz vor der Wende unbedingt ein VW-Motor in Trabant und Wartburg Einzug gefunden hat, obwohl die dadurch nötigen Anpassungen an den gnadenlos veralteten Fahrzeugen teurer war, als ein passender, neu entwickelter Motor, ja selbst ein neues Fahrzeug. Es galt halt das Motto: Die Partei hat immer Recht. Der DDR Fahrzeugbau zeigt besonders eindrücklich, warum Planwirtschaft nicht funktionieren kann.

  16. 2.

    Ich hatte einen Trabant von 1968 bis1990. Er hat mich nie im Stich gelassen und ich konnte alles, wirklich alles selbst reparieren. So ein Auto gibt es heute nicht mehr.

  17. 1.

    Ich habe mal eine ARD Doku gesehen, wo West Jounalisten das Werk in Zwickau besucht haben. Dort wurde ein Kfz-Meister nach seiner Meinung zum Trabi interviewt. Er meinte dass selbst wenn er einen kaufen könnte, es nicht machen würde, weil er es für ein Schrott-Auto hält.

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