Der Kemlitzer Ortschronist Fred Tzschoppe vor gefundenen Trümmerteilen (Bild: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 14.04.2021 | Phillip Manske | Bild: rbb

Absturz von 13 russischen Flugzeugen - Kemlitz gedenkt mysteriöser Flugzeugabstürze vor 70 Jahren

Vor 70 Jahren gab es in Kemlitz (Teltow-Fläming) mehrere Flugzeugabstürze. 13 russische Propellermaschinen waren zeitgleich verunglückt. Die Aufarbeitung konnte erst spät beginnen, bis heute ist die Ursache nicht geklärt. Am Mittwoch gedachte der Ort der Opfer.

Vor genau 70 Jahren hat es in Kemlitz bei Dahme/Mark (Teltow-Fläming) mysteriöse Flugzeugunglücke gegeben: 13 sowjetische Jagdbomber des Typs Iljuschin 10 stürzten am 14 April 1951 fast zeitgleich ab. Die insgesamt 26 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Die Hintergründe sind bis heute nicht geklärt.

Totenschein eines verunglückten Piloten (Bild: rbb)
Totenschein eines verunglückten Piloten | Bild: rbb

Wetter als Ursache vermutet

Bis 1990 war das Unglück eine Art Tabu-Thema, erklärt der Kemlitzer Ortschronist Fred Tzschoppe. 2009 hätten er und andere Interessierte dann begonnen, Informationen dazu zusammenzutragen. Nach Tzschoppes Angaben waren die Flieger damals in der Nähe stationiert. Bekannt sei bislang, dass es an diesem Tag extremeres Wetter gegeben habe, erzählt er. Möglicherweise hätten die Flieger in einem Sturm zwischen Hagel und Schnee keine Sicht gehabt und die Orientierung verloren.

Ähnliches schildert auch Augenzeuge Günter Große, heute 85 Jahre alt. Er erlebte das Unglück als Jugendlicher mit. Dicke Wolken hätten am Himmel gehangen, es habe gewittert, erzählt er. Das Gebrumm der Flieger habe er deutlich gehört - dann seien die Flugzeuge abgestürzt. Die Trümmer seien noch am selben Tag weggeräumt worden, später sei aber noch ein Motor in der Erde gefunden worden. "Der war zwei Meter tief drin", schildert Große.

Der Kemlitzer Ortschronist Fred Tzschoppe vor gefundenen Trümmerteilen (Bild: rbb)
Der Kemlitzer Ortschronist Fred Tzschoppe vor gefundenen Trümmerteilen | Bild: rbb

Gerüchte, Annahmen, aber keine Erklärungen

Ob das Wetter allein für die Abstürze gesorgt hat, ist nach wie vor nicht klar. Erklärungsansätze, wie die Vereisung der Steuerungssysteme oder fehlende Geschwindigkeit der Flugzeuge, gab und gibt es viele. Im Ort machten damals aber auch Gerüchte von Sabotage die Runde. Belege gibt es dafür nicht, so Tzschoppe. Er weiß, dass die Flugzeuge damals relativ neu waren; erst ein halbes Jahr zuvor seien sie in Dienst gestellt worden.

Am 14. April 1951 waren die Flieger in Richtung Lieberose unterwegs, um auf dem Weg neue Instrumente an Bord zu testen. In jedem Flugzeug saßen zum Zeitpunkt des Unglücks zwei Männer, so Tzschoppe - ein Bordschütze und ein Pilot, die Rücken an Rücken gesessen haben. Alle starben.

Am Mittwochnachmittag fand im Ort anlässlich des Jahrestages des Unglücks eine Gedenkveranstaltung statt. Neben rund zwei Dutzend Bewohnern des 240-Einwohner-Dorfes waren auch zwei Vertreter der russischen Botschaft bei der evangelischen Andacht vor Ort.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.04.2021, 16:40 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Elektronik dürfte in diesen Flugzeugen kaum eingebaut gewesen sein, das war noch schlichte Technik. Vereisung oder Verlust der Orientierung halte ich für wahrscheinlicher.

  2. 12.

    Die Flugzeuge stürzten gleichzeitig ab ,nicht zeitgleich.Wenn in 6 Monaten die Flugzeuge jeweils 20 Minuten lang abgestürzt wären, wäre sie zeitgleich abgestürzt, das besondere ist aber dass sie zur selben Zeit abgestürzt sind , das Wort dafür ist "gleichzeitig".

  3. 11.

    Es war kalter Krieg.
    Wahrscheinlich wissen es selbst die Russen nicht ganz genau, was das Unglück auslöste.

    Wer glaubt, die Dinge seien einfach und durchschaubar, sollte sich mit den Toten vom Dyatlov Pass beschäftigen. Insbesondere Rakitins Buch ist empfehlenswert. „Die Toten vom Dyatlov Pass“

    Tolle Winterlektüre auch oder aber Monsterlockdownlektüre..

  4. 8.

    Der Absturz der sowjetischen, fälschlich vom RBB auch russischen genannten Flugzeugen könnte auch ein Anschlag der Westberliner KgU gewesen sein. Wie schnell der Westberliner Radiosender RIAS darüber berichtet hat ist schon erstaunlich. Was es war steht sicher in den Akten. Sowas wird immer genau untersucht und es gab Notlandungen.

  5. 7.

    Probleme in der Bordelektronik durch Gewitter ist auszuschließen da zu weit verteilt sind die Absturzstellen.

  6. 6.

    Meinste 1951 gabs schon Elektronik im Cockpit? Ein paar Jahre zuvor wurden die ersten Halbleiter erfunden. Bis dahin waren Röhren das Maß aller Dinge...

  7. 5.

    1951 wird’s bestimmt die Boardelectronic gewesen sein. Die hat sich wahrscheinlich mit den Mobilfunk Frequenzen nicht vertragen!

  8. 4.

    Seien Sie froh, dass Ihr Ohrensessel auch bei Gewitter absturzsicher ist. Und gehen Sie wenigstens aus Pietät einfach davon aus, dass die russischen Besatzungsmitglieder von der Fliegerei und ihren Risiken mehr verstanden haben als Sie.

  9. 3.

    Kleiner Hinweis an RBB Redaktion in Sachen Korrektheit:
    Das waren doch wohl Flugzeuge aus dem Staat
    UdSSR. Ein Staat Russland existierte vor 70 Jahren nicht.

  10. 2.

    Mal darüber nachdenken dass bei Gewitter die Bordelektronik versagen kann.

  11. 1.

    Ein interessantes Thema. Wohl auch aus Gründen militärischer Geheimhaltung dürfte es schwierig sein, an Untersuchungsergebnisse, die mit Sicherheit in russischen Armeekreisen vorliegen/-lagen, zu kommen.

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