Warnschild Sprengarbeiten am Zaun (Quelle: rbb/Friedrich)
Bild: rbb/Friedrich

Sicherung alter Tagebaue - Anwohner klagen über Häuserschäden durch Sprengungen

In der Lausitz sollen einstige Tagebaukippen mit Hilfe von Sprengungen stabilisiert werden. Doch betroffene Anwohner klagen über Schäden an ihren Häusern, die durch die Erschütterungen entstehen - und sind verängstigt. Von Daniel Friedrich

Immer wieder kommt es in alten Lausitzer Tagebaurestlöchern zu Rutschungen. Plötzlich setzt sich eine riesige Menge Sand in Bewegung. Für Menschen in der Nähe kann das lebensgefährlich werden.

Verputzter Riss in einer Hauswand (Quelle: rbb/Friedrich
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Um das zu verhindern, werden die früheren Kippen vom Bergbausanierer LMBV unter anderem durch gezielte unterirdische Sprengungen verdichtet. Dadurch sollen sich die lockeren Sandkörner festsetzen. Doch in Groß Lübbenau (Oberspeewald-Lausitz), wo dieses Verfahren seit nunmehr fünf Jahren praktiziert wird, klagen betroffene Anwohner über Nebenwirkungen der so genannten Sprengverdichtung.

Mehrmals in der Woche, pünktlich um 15 Uhr, knallt es hier dumpf und die Erde bebt, wenn die Sprengladungen gezündet werden. Im vorletzten Haus vor der Kippe wohnt Kathrin Seidel. Sie hat einen Hof mit Wohnhaus und Scheune und immer wieder Risse in den Wänden. Kürzlich sei der Fensterrahmen am Wintergarten gerissen. "Wären die Sprengungen nicht, würde es diese Risse nicht geben", ist sie überzeugt.

Sprengladung mit Zündern auf Kippengelände (Quelle: rbb/Friedrich)
Bild: rbb/Friedrich

"Ich hatte richtig Angst"

Vor mehreren Jahren hat sie Gipskleckse an die Hauswände geklebt. Ein Teil davon ist heute gerissen oder ganz abgebrochen: Ein Zeichen dafür, dass sich die Wände bewegen, meint Kathrin Seidel. Für die Sprengungen habe sie Verständnis, nicht aber für den Umgang der LMBV mit den Anwohnern. Denn diese halte die Betroffenen nur hin. Vor-Ort-Termine würden verschoben, "man fühlt sich allein gelassen mit der ganzen Situation", klagt sie.

In rund zehn Groß Lübbenauer Häusern gibt es ähnliche Probleme, auch bei Roy Kullick. Er musste vor einiger Zeit sogar eine Fachwerk-Scheune abreißen, weil sie einsturzgefährdet war. Die täglichen Beben seien auch psychisch eine Belastung: "Ich hatte schon richtig Angst", erzählt er. Bilder auf dem Schrank seien durch die Erschütterungen umgefallen, die Fensterscheiben hätten geklappert.

Entschädigung erst bei Nachweis

Dass die Schäden durch die Sprengungen verursacht werde, könne nicht ausgeschlossen werden, so Jens Bäcker von der LMBV. Das Unternehmen wisse aber aus der Geschichte heraus, dass nicht jeder Riss durch die Sanierungsarbeiten entstanden ist. Hierfür habe die LMBV Sachverständige, die das mit den Eigentümern gemeinsam bewerten.

Einige Häuser hätten Sensoren, die die Erschütterungen messen. Alle Grenzwerte würden eingehalten, versichert Jens Bäcker. Trotzdem: Die Risse seien sicher nicht zufällig entstanden, räumt Bäcker ein. Auch wenn die betroffenen Häuser nicht mit Schwingungsmessern ausgestattt seien, würden seine Leute sie aufsuchen und die Schäden betrachten, sichert er zu.

Allerdings gebe es erst eine Entschädigung, wenn tatsächlich ein Zusammenhang nachgewiesen werde.


Sendung: Antenne Brandenburg, 22.04.2021, 14.10 Uhr

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