Südbrandenburg - Landwirte wollen Rehkitze per Drohne vor Mähdreschern retten

Reh in einem Gerstenfeld © Ralf Schuster
Audio: Antenne Brandenburg | 12.05.2021 | Daniel Mastow | Bild: Ralf Schuster

Jahr für Jahr werden junge Rehe getötet, wenn Landwirte ihre Wiesen mähen. Die Kitze verstecken sich im hohen Gras und werden vom Mähdrescher erfasst. Nun gibt es für die Bauern Hilfe aus der Luft, damit das nicht mehr passiert. Von Daniel Mastow

Riesige Maschinen fahren über die Felder, mähen Wiesen, fahren Getreide ein. Was für die Bauern ein Teil ihrer Arbeit ist, bedeutet für viele Rehkitze, die sich verstecken, ein Todesurteil. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung wird die Zahl der pro Jahr getöteten Jungtiere auf 100.000 geschätzt.

Um zu verhindern, dass junge Rehe von Mähmaschinen erfasst werden, bietet der Verein "Lebenshof Freiimfelde" aus Luckau (Dahme-Spreewald) jetzt Drohnenflüge an, um die Tiere aufzuspüren. Der Südbrandenburger Bauernverband unterstützt das Projekt, indem er dafür sorgt, dass die Landwirte davon erfahren. Denn für die meisten Bauern ist es zu teuer, eine eigene Kamera-Drohne anzuschaffen und einen Drohnenführerschein zu machen. Am Mittwoch wurde das Projekt in Dahme/Mark (Teltow Fläming) vorgestellt.

Markus Künstle an der Technik (Foto: rbb/Mastow)
Markus Künstle demonstriert die technik | Bild: rbb/Mastow

Keine gewöhnliche Drohne

Auf einem Feld im Ortsteil Kemlitz hat Drohnenpilot Markus Künstle vom Lebenshof seine Technik aufgebaut. Im Kofferraum seines Autos steht ein großer Bildschirm, darauf stehen unter anderem die Daten, die er vorher eingetragen hat - die Größe des Feldes, die Flughöhe und die Geschwindigkeit seiner Drohne.

Dabei handelt es sich um kein gewöhnliches Modell. "An der Drohne ist besonders, dass sie eine sehr hochauflösende Wärmebildkamera hat und ich somit auch aus einer Höhe von 40 Metern die Wärmesignatur von einem Rehkitz im Feld erkennen kann."

Bisher ist Markus Künstle für vier Agrargenossenschaften in Südbrandenburg ehrenamtlich tätig. An diesem Mittwochnachmittag will er seine Arbeit anhand einer Flasche demonstrieren, die mit warmen Wasser gefüllt ist. Die Drohne hebt ab und sucht das Feld ab. Nach ein paar Minuten ertönt ein Signal: Die Flasche wurde aufgespürt.

Die Wärmebilddrohne für das Aufspüren von Rehen (Foto: rbb/Mastow)
Die Wärmebilddrohne | Bild: rbb/Mastow

Ehrenamtlich engagiert gegen das Tierleid

8.500 Euro kostet so eine Drohne. Landwirte, die das Geld dafür nicht ausgeben können oder möchten, können Markus Künstle anrufen. Er kommt dann kostenlos vorbei. "Es steht ihnen aber natürlich frei, wenn sie sehen, dass unsere Arbeit gut war und wir Kitze gerettet haben, zu sagen: Euch spenden wir ein paar Euro 50."

Mit diesem Projekt möchte er das Leben der Tiere retten. Immer wieder musste er das Leid der Rehe in seiner Heimatstadt Luckau mit ansehen. "Jedes Jahr, wenn die Mahd gemacht ist, liegen in der Wiese zwei, drei, vier tote Kitze drin. Das ist einfach nicht schön anzugucken", sagt Künstle. Und er sehe auch das Tierleid. "Die Ricken rennen rum und suchen ihre Kitze, die nur noch als Hackfleisch auf der Wiese liegen. Das wollten wir nicht mehr."

"Imageaufwertung, wenn das in der Fläche funktioniert"

Auch Tobias Schäfer von der Agrargenossenschaft Uckro (Dahme-Spreewald) ist bei der Drohnenvorführung am Mittwoch dabei und vom Projekt angetan. "Ich denke, man könnte schon für die Artenvielfalt und den Schutz der Tiere so eine Drohne einsetzen." Direkt beim Mähen sei es nicht machbar, die Tiere zu bemerken.

Der Südbrandenburger Bauernverband unterstützt diese Initiative, sagt Carmen Lorenz, die Geschäftsführerin in der Geschäftsstelle Luckau (Dahme-Spreewald). Der Verband empfiehlt den Bauern die Drohnenflüge von Künstle. "Weil Landwirte, Jäger und er als Drohnenpilot hier vor Ort natürlich eine wunderbare Zusammenarbeit bieten, um die Rehkitze zu retten. Das ist für uns ja auch eine unheimliche Imageaufwertung, wenn das in der Fläche funktioniert."

14 Kommentare

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  1. 14.

    Hey , wieder mal eine Versammlung der Experten. Warum sind wohl die Rehe im Getreide . Weil die Wölfe im Wald sind.
    Und da Landwirte sehr oft auch Jäger und Heger sind liegt ihnen das Wohlergehen der Rehe etc . inerntereifem Kulturen am Herzen.
    Und ein Feld aus der Mitte heraus mähen ist Blödsinn und bleibt Blödsinn.

  2. 13.

    Das ist eine wohltuende Nachricht und ein nachahmenswertes Vorbild! Schön, dass es sowas gibt. Da muss man nicht wieder was herumkritteln.

  3. 12.

    Und bitte nicht Kitze retten, aber den Wolf erschießen statt Zaun und Hund (subventioniert). Zur Natur gehören alle Tiere, auch Stechmücken, der rasenzerstörende Maulwurf, alles, was einen gerne mal stört. Es gibt übrigens viele Möglichkeiten, Kleintiere aus dem Feld zu vertreiben, die Drohne ist eine Möglichkeit. Lärm von Mensch, Tier, Maschine eine weitere. Und wer innen im Feld anfängt zu mähen, treibt die Tiere nicht in der Mitte zusammen. Leider ist letztes irgendwie für Treckerfahrer total unerklärlich *seufz* *vomBalkonaufFeldschau*

  4. 11.

    Wenn im Text steht "Getreide einfahren", dann ist es keine Wortglauberei, dann ist ein Mähdrescher gemeint.
    Und dann ist es nur Clickbait in der Überschrift und klingt nach Bild-Zeitung.

    Und ja, sie haben Recht, dass Rehkitze geschützt werden müssen. Mich nervte an diesem Beitrag die Übertreibung, die aus meiner Sicht unseriöse Berichterstattung ist.

  5. 10.

    Das nenne ich mal echten Tierschutz. Da wird was getan und nicht nur rumgelabert und die Passanten in der Fußgängerzone mit Bettelei. belästigt

  6. 9.

    Aber es ist doch schön, wenn zu dem Thema "Rehkitze retten mit Drohnen" soviel Einigkeit, Freude und Zustimmung herrschen, dass man Zeit und Muße zu diesen Wortklaubereien findet ...

    Leider gibt es bei vielen anderen Themen nervtötendere, unsachlichere und abweichendere Diskussionen um solche "Nebensächlichkeiten", die fast schon an Grabenkriege oder Kreuzzüge erinnern...

  7. 7.

    Was für ein süßes Foto und was für eine gute Idee! Rettet die Rehe! Find ich super!

  8. 6.

    Ist nicht die Bekanntmachung dieser tollen Möglichkeit der Kitzrettung wichtiger als die Wortklauberei ob es Mähwerk oder Mähdrescher heißt!?
    Die Meinung eines Tierarztes und Jägers

  9. 5.

    Neben der momentaniegen ASP,
    können wir auch aus dem Elbe-Elster Kreis unsere Unterstützung bei der Rehkitzrettung anbieten.
    Wir suchen momentan nach toten Tieren(Schweine) und sind mit über 800 Flugstunden, für die Rehkitzsuche bestens ausgestattet.
    Also, wer Hilfe benötigt einfach anrufen oder mailen.

  10. 4.

    Was drischt der Mähdrescher auf Ihrer Wiese?
    Wie heißt die Maschine, mit der das Gras gemäht wird? (Und vor der die Kitze natürlich auch geschützt werden müssen)

  11. 3.

    8500€ soll so ein Kopter kosten? Das war vor 15 Jahren einmal. Es gibt mittlerweile Kopter von namenhaften Herstellern, die mit modernster Technik ausgestattet sind, wie zB. normale Kamera, Infrarotkamera und Wärmebildkamera! Diese liegen bei 2000€, da ist ein Treckerreifen teurer. Das sind einfach technische Monster mit Reichweiten von bis zu 8 km. Die dann live das Bild, oder den Film auf jeden gekoppelten Bildschirm senden, auch 8 km weit!

  12. 2.

    Schöne Aktion, endlich mal eine sinnvolle Verwendung für die sonst so nervigen Teile.
    Zum Glück ist Herr Künstle nicht der einzige Drohnenpilot der diese Dienste in Brandenburg anbietet.

  13. 1.

    Man sollte nicht immer alles bei anderen abschreiben.
    Wenn die Landwirte mit dem Mähdrescher unterwegs sind, sind die Rehkitze bereits aus dem Alter, wo sie nicht flüchten, sondern sich verstecken.
    Die Rehkitze sind nur zur Wiesenmahd in Gefahr.

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