Lausitz-Monitor 2021 - Jeder zehnte Lausitzer will seine Heimat verlassen

Ein Mann mit Kind im Arm steht am Aussichtspunkt am Gut Geisendorf (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Studio Cottbus | 04.05.2021 | Daniel Friedrich | Bild: dpa/Patrick Pleul

Der aktuelle Lausitz-Monitor verheißt nichts Gutes: Rund zehn Prozent der Einwohner tragen sich mit dem Gedanken, die Lausitz verlassen. Bei jungen Menschen ist die Zahl noch einmal deutlich größer. Dabei geben rund zwei Drittel an, die Lausitz zu lieben.

In der Lausitz plant jeder zehnte Einwohner seine Heimat zu verlassen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Lausitz-Monitor 2021 hervor. In der Gruppe der 18 bis 29-Jährigen plant sogar knapp jeder Zweite (45 Prozent), der Lausitz innerhalb der nächsten zwei Jahre den Rücken zu kehren.

"Uns hat es überrascht, dass das Thema Wegzug heutzutage immer noch präsent ist", so der
Geschäftsführer des beteiligten Marktforschungsunternehmens MAS Partners, Stefan Bischoff. Außerdem war das Unternehmen "Prozesspsychologen GmbH Görlitz" an der Erstellung des Berichts beteiligt.

Bereits vor einem Jahr war der erste Lausitz Monitor erschienen. Seitdem sei die Akzeptanz der Energiewende deutlich gestiegen. Die Ablehnung des Kohleausstiegs sei hingegen signifikant gesunken, so Stefan Heidig von der Prozesspsychologen Görlitz GmbH. "Innerhalb eines Jahres, das hatte ich so nicht erwartet", sagt er.

Verbundenheit zur Lausitz dennoch groß

Für den Lausitz-Monitor sind im Februar insgesamt 1.000 Menschen aus Brandenburg und Sachsen befragt worden. Obwohl viele Teilnehmer angaben, die Lausitz verlassen zu wollen, zeigt die Befragung auch eine hohe Verbundenheit der Lausitzer mit ihrer Region. So hätten 64 Prozent der Befragten der Aussage "Ich liebe die Lausitz" zugestimmt. 57 Prozent seien stolz darauf, Lausitzer zu sein, 56 Prozent würden sich mit ihrer Region identifizieren.

Auch bei der Verbundenheit mit der Region gibt es je nach Altersgruppe Unterschiede. So fühlen sich 73 Prozent der Befragten über 60 mit der Lausitz verbunden. Bei den 18 bis 29-Jährigen sei es nur ein Drittel, unter jungen Frauen zwischen 18 und 29 sogar nur ein Viertel.

Über zwei Drittel der Befragten sehen die Lausitz als attraktive Urlaubsregion, knapp die Hälfte sieht in ihr eine schöne Kulturlandschaft. Nur ein Drittel aber sieht die Lausitz als Wissenschafts-, Arbeits- oder Wirtschaftsstandort.

Auch das Thema Strukturwandel ist beim Lausitz-Monitor abgefragt worden. So akzeptieren 67 Prozent die Notwendigkeit des Strukturwandels, den meisten fehlt aber eine klare Vision für die Region. Nicht mal jeder Fünfte fühlt sich sehr gut oder gut über die Zukunft der Lausitz informiert.

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Sendung: Antenne Brandenburg, 04.05.2021, 13:30 Uhr

44 Kommentare

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  1. 44.

    So viele sind das nun auch nicht mehr wenn man es ins Verhältnis setzt. Mit Stand Ende 2018 arbeiteten in der Lausitz rund 413.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Quelle: https://ostbv.de/wp-content/uploads/2019/03/WR.Lausitz_Zahlen-und-Fakten.pdf, Seite 7). Zu diesem Zeitpunkt waren in der Braunkohle in der Lausitz 8.378 Personen direkt beschäftigt im Bergbau einschließlich der Braunkohlekraftwerke (Quelle: https://kohlenstatistik.de/daten-fakten/v, Tabelle "Braunkohle im Überblick). Schaut man dann noch auf die Anzahl der indirekt Beschäftigten mit ca. 5.000 Beschäftigten (Quelle: https://lausitz-brandenburg.de/wp-content/uploads/2020/09/Lausitzprogramm-2038_20200914.pdf, Seite 6, Bericht wurde in 2019 veröffentlicht), macht der Anteil der Leute, die mit Kohle "ihr Geld verdienen", laut meinem Dreisatz rund 3,2% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus. Ich schließe daraus, dass es hier eine Vielzahl an Arbeit abseits der Kohle gibt.

  2. 43.

    Wer immernoch überrascht davon ist, dass die Jugend aus der Lausitz verschwinden möchte, der hat sich wohl schlecht mit dem Thema beschäftigt oder kennt sich mit der Lausitz einfach nicht aus, Herr Bischoff.

  3. 42.

    Ich selbst sehe für die Lausitz keine Zukunft gerade die Seenlandschaft wird wegen fehlendes Wasser in der Region zu einer Fehlplanung. Wir haben sehr viele große Probleme in der Region die schön geredet werden. Strukturgelder fließen in den Speckgürtel von Berlin. Der neue Hausbau auch hier in Finsterwalde und Umgebung reine Fehlplanung , keine Ausrichtung auf die Zukunft. Ich denkt bevor die verantwortlichen Reagieren ist diese Region zu einer Wüste mutiert, denn der Klimawandel hat uns schon sehr lange voll im Griff. Auch ich sehe hier keine Zukunft mehr für mich und ich gehe schon in nächster Zeit aus dieser Region. Wir haben im Augenblick hier eine Bratpfannenwohnung sage ich immer früh im Sommer ( Hitzewellen) von der einen Seite und später von der anderen Seite. Auf dem Balkon weit über 38 Grad zu Spitzenzeiten und in den Räumen 35 Grad. Nennen Sie das Wohnen.

  4. 41.

    Sie haben vollkommen recht. Viele Lausitzer, leben von der Kohle - Von der Kohle der Anderen. Das nennt man in der BRD, Steuergelder- Fördergelder- Subventionen- Strukturhilfen oder auch einfach Lausitz- Milliarden.

  5. 40.

    Hallo Bendte
    Ich merke sie sind schwer verliebt in die Lausitz. Ich wünsche Ihnen eine gute Reise

  6. 39.

    Zitat: "Davon sind 50% über 70." -> Wo steht das? Bitte nennen Sie eine seriöse Quelle.

  7. 38.

    So schafft man prima Platz für antiberliner Leute, die immernoch voll sozial nach Berlin ziehen, trotz Wohnungsnot, hoher Arbeitslosikeit und jedem 3. berliner Kind auf Hartz4 und dabei hat Berlin nicht mal einen eigenen Flughafen, will also seine Ruhe haben.
    Richtig weird, wenn man bedenkt, daß z.b. Duisburg viel billiger ist und auch noch viel attraktiver, weil näher am Meer und Mammis Waschmaschine ist auch meist näher als von Berlin aus.

  8. 37.

    Andere Regionen in Deutschland, benötigen wohl keine Fördergelder und Strukturhilfen ? Keine Prignitz, Keine Altmark, Keine Uckermark, Kein Fläming, kein Westhavelland, kein Brandenburg an der Havel, usw. Viele, wollen auch noch Tesla mitsamt Batteriefertigung, in die Lausitzer Milliarden-Seen und Restlöcher versenken. Das billigste wäre eigentlich, Jeder Lausitzer bekommt Ein paar Hunderttausend Euro auf die Hand - das spart dann, ein paar Milliarden für den deutschen Steuerzahler.

  9. 36.

    Na Sie haben ja demografische Gipfelkentnisse...90% bleiben da, bis der Deckel zugeht.
    Im Übrigen können auch die Dableibenden rumspinnen, wenn Sie schon die Erhebung anzweifeln.

  10. 34.

    Wundert mich nicht, viele Menschen in der Lausitz leben z. B. von der Kohle, nicht von leeren Worthülsen der Politik oder von grünen Märchen. Mal nachdenken.

  11. 33.

    Ab 30 ist man für Sie nicht mehr relevant?! Wenn Sie die Zukunft der Lausitz nur an den 18 bis 29-Jährigen festmachen wollen, dann ignorieren Sie einen Großteil der Bevölkerung und ziehen einen Riss durch die Gesellschaft. Die heute 30-Jährigen haben noch ein Arbeitsleben von 37 Jahren (!) vor sich. Durch Digitalisierung und Homeoffice könnte es so mancher zukünftig auf dem Land verbringen, z.B. in der Lausitz. Aber die Altersgruppe ist ja nicht mehr relevant ???

  12. 32.

    Wem wunderts? Erst wird das bißchen Industrie (Braunkohle und Energieerzeugung) durch sogenannte
    ,,Umweltakivisten" zerstört und nun wundert man sich, dass die Leute ohne Arbeit und Zukunft, dass Weite suchen!

  13. 31.

    Es geht hier nicht um eine Altersgruppe, die sie sich herauspicken, sondern um die Gesamtheit der Lausitzer. Die 10 Prozent stehen oben im Artikel. Vielleicht mal lesen, Artikel und Kommentar. Und dann schreiben.

  14. 30.

    Da sind wir in der Lausitz, Dank FFF und der Kohlegegner auf dem richtigen Weg. Bisher wurden nur gelabert und Arbeitsplätze gestrichen. Neue????? Absolute Fehlanzeige!!! Und genauso wird es weitergehen. Versprechungen, Streit ums Geld und nichts konkretes. Wenn ich jünger wäre und Familie hätte, würde ich auch abhauen. Nur von Radwegen und etwas Tourismus kann die Mehrheit nicht leben. Greta und Konsorten sei Dank. Dazu noch die Grünen Illusionisten.

  15. 29.

    Die Arbeitsplätz gefährden rückwärts gerichtete Leute, die sich Zukunftsthemen wie erneuerbare Energien verweigern. Schon bei der Digitalisierung hinken wir krass hinterher - genau wegen dieser Denkweise. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben bzw. die Wirtschaft. Wer schafft denn gerade in Grünheide tausende Arbeitsplätze? Ein konservativer deutscher Verbrennungsmotor-Hersteller? Eben nicht. Es muss erst ein Elektroauto-Pionier aus den USA zu uns kommen, bis hier mal jemand aufwacht. Mit dem Zeitgeist der 70er / 80er Jahre werden wir die Zukunft nicht meistern können - auch in der Lausitz nicht.

  16. 28.

    Vielleicht mal mehr als die Überschrift lesen?

    "In der Gruppe der 18 bis 29-Jährigen plant sogar knapp jeder Zweite (45 Prozent), der Lausitz innerhalb der nächsten zwei Jahre den Rücken zu kehren."

    Ich kenne die Zahlen für Zuziehende jetzt nicht, aber DAS ist bei der heutigen Altersentwicklung signifikant.

  17. 27.

    Möchte noch ergänzen: In den Bezirk Cottbus wollte auch zu DDR-Zeiten keiner. Da war von grüner Partei noch nichts zu sehen weit und breit, obwohl es bitter nötig gewesen wäre.

  18. 26.

    Das Milliarden an Steuergeldern, nichts für die Lausitz bewirken, ist aber echt erschreckend. Brandenburg, Berlin und der Bund, müssen endlich mal weitere 10, 20 oder 30 Milliarden Euro für die Lausitz freigeben. Ohne BER und ohne Lausitz, läuft doch, sonst gar nichts in der Bundesrepublik. Also, viel hilft viel - Oder doch Nicht ???

  19. 25.

    Wem wundert es? Ich würde auch die Beine schnell on die Hand nehmen.

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