Testphase beginnt am 1. Juli - Elektronisches Rezept wird in Berlin und Brandenburg getestet

Technisches Zubehör für das elektronische Rezept
Audio: Antenne Brandenburg | 25.06.2021 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Josefine Jahn

Nicht mehr mit dem Rezept vom Arzt in die Apotheke, sondern einfach das Smartphone auf den Tresen legen? Das soll mit dem E-Rezept möglich sein. Ab 1. Juli beginnt die Testphase. Von Josefine Jahn

Jens Dobbert, der Apotheken in Forst und Spremberg betreibt, mahnt zur Ruhe. Bis das E-Rezept wirklich flächendeckend in ganz Deutschland verpflichtend gilt, dauert es noch. Jetzt sind Berlin und Brandenburg erst einmal Testregion. In Praxen und Apotheken werden Soft- und Hardware für das elektronische Rezept erprobt.

So soll das E-Rezept funktionieren: der Arzt legt das Rezept elektronisch ab, der Patient kann es sich über die Gematik-App, die ab 1. Juli zum Download bereitstehen soll, auf sein Smartphone laden. Das E-Rezept generiert einen QR-Code, der in der Apotheke entschlüsselt wird.

In einer Apotheke wird ein Rezept weitergegeben. (Quelle: imago/allOver-MEV)
Bild: imago/allOver-MEV

Viel Technik und Aufwand

Voraussetzung ist also für Arztpraxen und Apotheken, dass sie mit entsprechender Technik ausgestattet sein müssen. Und Patienten benötigen ein Smartphone. Zudem werde eine elektronische Versichertenkarte benötigt, die NFC-fähig sein muss. Nur so lässt sich vom eigenen Handy das Rezept zum Apotheker übertragen. Wer solch eine Karte nicht hat, muss sie bei seiner Krankenkasse anfordern, erklärt Jens Dobbert. Und es werde auch noch eine PIN benötigt, die wiederum gebe es bei der Geschäftsstelle der Krankenkasse, bei der der Patient versichert ist.

Jens Dobbert, der auch Brandenburger Präsident der Landesapothekerkammer ist, versichert angesichts des beschriebenen Aufwands, Patienten sollten sich nicht verunsichern lassen. Das herkömmliche Rezept werde erst in den nächsten Jahren Schritt für Schritt ausgetauscht.

Die Testphase in Berlin und Brandenburg geht bis zum 30. September, danach soll sie auf weitere Bundesländer ausgeweitet werden.

Das Gesetz zur Einführung des elektronischen Rezeptes ist im Oktober 2020 in Kraft getreten. Es regelt die schrittweise Einführung 2021. Laut Gesetz gilt ab Januar 2022 das E-Rezept als verpflichtend bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten.

Beitrag von Josefine Jahn

10 Kommentare

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  1. 10.

    Da gebe ich Ihnen recht. Meine 86 Jahre alte Tante kann das aus gesundheitlichen Gründen gar nicht. Oh je. Wir sind von Dummheit umgeben. Das ist eine unendliche Geschichte.

  2. 9.

    Und ich als Arzt muss den zu diesem Zweck erforderlichen elektronischen Arztausweis kostspielig (bis zu 100Euro/Jahr) dazu erwerben.

  3. 8.

    Komplizierter ging es nicht? Die Krankenkassenkarte sollte mit PIN sollte doch eigentlich genügen! Wozu ein Smartphone? Das ist ja viel komplizierter als ein Rezept aus Papier! Welch ein Entwicklungsland! Man schämt sich ja nur noch für Deutschland.

    Das Besondere an einem elektronischen Rezept sollte ja eigentlich nicht sein, dass es komplizierter wird, sondern einfacher. Dass der Arzt es ohne persönlichen Besuch „zusenden“ kann, dass der Apotheker alle Verordnungen des Patienten sieht und Wechselwirkungen erkennen kann und dass Missbrauch vermieden wird. Eigentlich. Von den Zielen ist wohl kaum was übrig. Jetzt heißt der Projektauftrag wohl: „Macht mal irgendwas mit Handy“.

    Übrigens: In Österreich muss niemand jedes Quartal zum Arzt, nur um sich ein neues Rezept ausstellen zu lassen. Der eigene Apotheker kann rezeptpflichtige Arzneimittel auch ohne neues Rezept ausgeben, wenn es zuvor eins gab und der Patient bekannt ist. So geht Bürokratieabbau! Ganz ohne Smartphone.

  4. 7.

    Die Arztpraxis sind noch Kilometer weit von der Umsetzung entfernt. Die Softwarefirmen sind teils überfordert und von den Patienten kaum zu schweigen. Wie soll ich einem 85ig jährigen Patienten die neuen Technologien erklären wenn er kaum seine Chipkarte findet? Theorie und Praxis sind in Deutschland echt lachhaft!

  5. 6.

    Wird Zeit, dass es das E-Rezept gibt! In anderen europäischen Ländern gängige Praxis - mit entspannteren Datenschutzrichtlinien und deren Umsetzung.
    Mit dem E-Rezept fällt dann der überflüssige Gang zum Arzt weg, gerade bei Rezepten wie der Pille. Ideal wäre, wenn dann lediglich ein Anruf notwendig wäre beim Arzt und das entsprechende Rezept gleich über die App eingespielt wird. Ich freu mich drauf :-)
    Das Papier-Rezept kann gar nicht verschwinden, wird also als Wahlmöglichkeit weiter angeboten (berechtigterweise wegen der Menschen ohne Smartphone und denen, die es generell nicht wollen).

  6. 5.

    Endlich alle Prozesse zu digitalisieren ist äußerst sinnvoll! Ich habe bereits meine el. Patientenakte, meinen Medikamentenplan, Übersicht über notwendige Vorsorgemaßnahmen usw. eingerichtet. In meiner derzeitigen Situation sehr gut, da alle Unterlagen zw. den Ärzten ausgetauscht werden können. Leider ist kein ärztlicher Bereich dazu bisher in der Lage. Allerdings gehört die direkte Konsultation auch dazu. Da jeder Teilnehmer gleich die notwendigen Unterlagen vorliegen hat, macht es alles einfacher. Besonders das elektronische Rezept ist ein wichtiger Baustein.
    Aus dem KH entlassen müsste man zum Arzt um die notwendigen Rezepte zu bekommen. Mit elektronischer Unterstützung einfacher denn je!
    Arzt schickt auf mein Account das Rezept und ich sende mein Rezept an meine Apotheke. Die Apotheke bringt mir die Medikamente nach hause.
    Das Schöne ist, es ist alles noch ausbaufähig.

  7. 4.

    Muss ich als Privatversicherte dann mein Smartphone einschicken, um die Kosten für die Medikamente erstattet zu bekommen? (Ironie)

  8. 3.

    In der Tat wird oft übersehen, dass QR-Codes nut Türen bzw. Schlüssel dazu sind. Entscheidend für die Sicherung von Daten ist aber, was im kommunikativen Raum zuvor alles passiert. Wie seriös allein schon der Staat, geschweige denn Firmen mit Kund*innendaten umgehen, hat das Gesundheitsministerium ja schon vielfach demonstriert. Man macht sich abhängiger von Trechnologien und feiert es als Freiheit.

    Warum man zudem als Grundvoraussetzung konsumieren muss, um verschriebene Medikamente abzuholen, ist grds. verfassungswidrig, da es Menschen ausschließt, die kein Smartphone haben oder haben wollen, diese aber nicht nur rechtlich gleichberechtigt zu behandeln sind, sondern auch uneingeschränkten Zugang zur medizinischen Versorgung der Öffentlichen Gesundheit haben müssen. Hier haben sich nur wieder Lobbys der jeweiligen Absetzungsbereiche durchgesetzt.

  9. 2.

    "Laut Gesetz gilt ab Januar 2022 das E-Rezept als verpflichtend bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten."
    Man benötigt die neue Karte, Pin und Smartphone... wie kompliziert... na Oma und Opa müssen dann wohl auf die Medikamente verzichten (weil entweder kein Smartphone oder die Pin vergessen...) Der Umweg über die Karte erschließt sich mir überhaupt nicht. Weiß jemand wieso in der Apotheke nicht einfach der QR-Code vom Handy ausgelesen werden kann?
    Und was ist, wenn ich mein Smartphone nicht für solch sensible Daten verwenden möchte. Was spricht denn gegen das Papierrezept...? Ist sicherlich umweltfreundlicher als die ganze Technik incl. seltener Erden, Strom und Strahlung...

  10. 1.

    Nicht wirklich nötig oder reizvoll.
    Kann mit dem Papierrezept gut leben und gerade die ältere Generation wird jetzt nicht zum Smartphone greifen, um Rezepte einzulösen. Dazu kommt noch eine App samt Pin.
    Ob sich das durchsetzt?

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