Klinikchef über Gipfel mit Merkel und Spahn - "Ich hatte mir vom Krankenhaus-Gipfel mehr erhofft"

Patient auf der Intensivstation im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum
Audio: Antenne Brandenburg | 21.06.2021 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Josefine Jahn

Zum zweiten Mal hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft am Montag virtuell zum Gipfel geladen. Zugeschaltet waren neben Klinikchefs auch Bundeskanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn. Von beiden kam viel Lob für das Corona-Management - aber Fragen blieben offen.

Beim zweiten Gipfel der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft gab es für die Arbeit der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie Lob der Bundeskanzlerin und des Bundesgesundheitsministers. Gebracht habe der Gipfel aber wenig, sagt Götz Brodermann, Chef des Carl-Thiem-Klinikums in Cottbus.

Es sei eher ein Rückblick auf die Corona-Pandemie gewesen, fasst Brodermann die Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zusammen. "Ich hatte mehr erhofft", sagt Brodermann und zeigte sich etwas enttäuscht von der Rede des Ministers. Er habe sich als Thema gewünscht: "Wie gestalten wir die Zukunft?"

 

Lob fürs Teamwork

Darin sagte Spahn, die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie gut Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte über bisher bestehende Sektorengrenzen hinweg zusammenarbeiten könnten. Das Gesundheitswesen brauche mehr solche Vernetzungen.

Generell, so Spahn, gebe es bei den Krankenhäusern in Deutschland viel Fehlversorgung. "Wir haben Überversorgung vor allem im Ballungsraum, und wir haben auch manche Unterversorgung." Nicht jedes Krankenhaus müsse alles machen, sagte er. Und es sei eine zentrale Aufgabe, für eine angemessene Personalausstattung zu sorgen. Dem stimmt der Vorstandsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, zu und forderte zugleich eine Reform der Krankenhausfinanzierung.

Wie die Zukunft aussehe, sei aber ungewiss, meint Brodermann nach dem virtuellen Krankenhaus-Gipfel - sei es die Situation der Krankenhäuser oder des gesamten Gesundheitssystems. Die Kliniken seien unterfinanziert. Zur Hälfte komme das Geld von den Krankenkassen, zur anderen vom Land. Brandenburg zahle dem Carl-Thiem-Klinikum jährlich zwischen fünf und sechs Millionen Euro, wo 20 Millionen nötig seien, rechnet Brodermann vor. Und die Kassen, sagt er, zahlen je Patient eine Pauschale.

Der Geschäfstführer des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums, Dr. Götz Brodermann während des Krankwenhausgipfels mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
Götz Brodermann, Chef des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums | Bild: rbb/Josefine Jahn

Keine Patienten, kein Geld

"Im Moment ist es so, dass für jeden Patienten, der im Klinikum behandelt wird, eine Pauschale gezahlt wird. Gibt es keine Patienten, gibt es auch kein Geld", erklärt Brodermann. Dennoch müsse es eine bestimmte Vorhaltung geben, etwa für Schlaganfall-Patienten, für jene, die mit einem Herzinfarkt eingeliefert werden oder eben auch für Notfälle. "Diese Fallpauschalen setzen den Anreiz, immer mehr zu machen. Und das ist nicht unbedingt im Sinne der Patienten", gibt sich Brodermann skeptisch.

Besonders für die Intensivstation waren die vergangenen Monate eine besondere Herausforderung. Von insgesamt etwa 1.000 Corona-Patienten am Cottbuser Klinikum starben 200. 215 Menschen wurden auf der Intensivstation behandelt. Man sei zwar durch diese Situation auch zusammengewachsen, aber man müsse viel mehr das Personal auffangen, das mit der Situation während er Corona-Pandemie schwer klargekommen sei, beschreibt Jens Soukup, Chefarzt der Intensivtherapie, im Gespräch mit dem rbb das Klima.

Nach über einem Jahr mit Einschränkungen durch die Corona-Pandemie kehrt das Cottbuser Carl-Thiem-Thiem-Klinikum allmählich zur Normalität zurück. Das Personal bleibe aber in Alarmbereitschaft, kündigt Jens Soukup, Chefarzt der Intensivtherapie, an.

Nach Auffassung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) muss das Gesundheitswesen nach der Pandemie neu gedacht werden. Nur eine regionale Neuordnung der Krankenhaus-Landschaft könne eine hochwertige Versorgungsqualität sicherstellen, sagte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß beim zweiten Krankenhausgipfel.

2 Kommentare

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  1. 2.

    Mit der Union ist nicht nur in diesem Punkt weiterer Stillstand ab September zu erwarten.

  2. 1.

    Im Gegensatz zu dem Klinikchef, war ich objektiv und habe daher nichts erwartet.

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