Kein Netz - Wie eine Lausitzerin vergeblich auf Internet hofft

Ortseingangsschild mit Straße und Strommast (Quelle: rbb/Mastow)
Bild: rbb/Mastow

Im Internet surfen, Videotelefonie mit Freunden: Für eine Frau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz unmöglich. Der Kreis verlegt zwar gerade Glasfaserleitungen - aber nicht zu ihr. Wer abgelegen wohnt, hat Pech. Von Daniel Mastow

Schnelles Internet in abgelegenen Dörfern: Um das zu ermöglichen, rüstet der Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Moment mit viel Aufwand und Geld die Orte im Kreisgebiet mit Glasfaserleitungen aus. So auch Lubochow in der Gemeinde Neu-Seeland.

Nur Renate Dunger hat Pech. Sie wohnt auf einem abgelegenen Gehöft in Lubochow, einen Kilometer von den anderen Häusern entfernt. Bis dahin wird das Glasfasernetz nicht verlegt. Die 83-Jährige hat kein Handynetz - und auch kein Internet.

Sie sei "abgeschnitten von der Welt", sagt Dunger, weil die digitale Technik bei ihr nicht eingeführt werde. Dabei sei sie schon aus Altersgründen auf die Kommunikation angewiesen. Renate Dunger fühlt sich "diskriminiert". Sie würde gern mit ihren Kindern und Enkelkindern videotelefonieren, das gehöre heutzutage einfach dazu, sagt sie. Nur eben bei ihr nicht.

Renate Dunger vor ihrem Haus in Lubochow (Quelle: rbb/Mastow)
Bild: rbb/Mastow

Sie habe große Hoffnungen gehabt, als vom Kreis angekündigt wurde, dass abgelegene Gehöfte angeschlossen werden sollen, schildert Dunger ihre Situation. Ihre Tochter solle das Haus einmal übernehmen, diese wäre aber ohne Internet nicht arbeitsfähig.

"Zu teuer"

An viele Kreis- und Landtagsabgeordnete hat Renate Dunger schon Briefe geschrieben, doch - bis auf eine Lesebestätigung - habe sie keine Antwort bekommen.

Der Landkreis verweist auf rbb-Nachfrage verweist bei den abseits gelegenen Häusern auf die Wirtschaftlichkeit: Für das von Renate Dunger wären 1.000 Meter Tiefbau nötig, um einen Glasfaseranschluss verlegen zu können, heißt es. Bei über 70.000 Euro pro Kilometer Tiefbaukosten sei das nicht wirtschaftlich umsetzbar.

Der Landkreis verweist stattdessen auf Funk- und Satellitenlösungen. Diese kann sich Renate Dunger durchaus vorstellen, sagt sie. Ihr Sohn werde sich darum kümmern.

Dennoch, sagt die 83-Jährige, hätte sie sich gewünscht, dass ihr der Landkreis selbst diese Alternative vorgeschlagen hätte - denn sie habe vom Kreis telefonisch nur die lapidare Aussage "ist zu teuer" und ansonsten keine Rückmeldung bekommen. Auch deshalb fühle sie sich ausgeschlossen und abgehängt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.06.2021, 16:40

Beitrag von Daniel Mastow

13 Kommentare

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  1. 13.

    1. TELEKOM:
    Ein Km Glasfaser kostet bis zu 70.000 Euro
    Der FTTH/B-Ausbau bis ins Haus ist der Telekom zu teuer. In einem Telekom-Blogbeitrag wird darum der Höchstbetrag statt eines Durchschnittswerts genannt.
    FTTB-Ausbau ab 1.123 Euro pro Haushalt

    2. Aussagekräftiger sind die Angaben, die der TÜV Rheinland für das Bundesland Rheinland-Pfalz vorgelegt hat. In bereits gut versorgten, eng besiedelten Gebieten, in denen die Kabeltrassen kurz sind, betragen die Kosten je Haushalt für den FTTB-Ausbau zwischen 1.123 und 2.500 Euro. In schlecht versorgten, dünn besiedelten Regionen, in denen lange Verkabelungen notwendig sind, fallen 2.500 bis 5.345 Euro je Haushalt an. Der Ausbau der teuersten fünf Prozent der Ausbaugebiete kostet rund 710 Millionen Euro. Dies entspreche rund 25 Prozent der gesamten Kosten für einen hundertprozentigen FTTB-Ausbau.

    3. Telefon wurde zur Bürgerin verlegt. Auf Basis Mischkalkulation. Beim Internet werden nur die Rosinen
    rausgepickt, in BB.

  2. 12.

    Die sozialistischen Zeiten sind eben auch in der Lausitz vorbei. Bezahlen Sie und Amazon doch mehr Steuern dann kann auch mehr verteilt werden.

  3. 11.

    Und ab Steglitzer Kreisel bis Zdorf Mitte habe ich täglich mehr Funklöcher als Burkina Faso...

  4. 10.

    Das klappt wahrscheinlich in Afrika, Indien, am Nordpol, aber doch nicht in Deuschland. Da brechen ja selbst in der Hauptstadt die Datenleitungen zusammen. Regelmäßig, jeden Abend, liegt nicht am Provider.

  5. 9.

    An der Adr. sollte es lt. Netzabdeckungskarte LTE geben. Ich kann hier leider keine Werbung machen, aber probeweise habe ich herausgefunden, dass es einen Mobilfunktarif mit 15 GB Datenvolumen pro Monat mit bis zu 50 MBit/ s für 8,99 € für die ersten 24 Monate gibt. Danach allerdings 26,99 pro Monat. Naja immer noch ok. Wir(ein Dorf in der Lausitz)zahlen zzt. 35-40 € für 50 Mbit bei einer DSL-Leitung. Also mal probeweise LTE-Antenne aufs Dach und dann mal die Empfangsqualität ausprobieren. Den Router bzw. die F-Box würde ich kaufen. Dann sollte schnelles Internet kein Problem sein. Schade nur, dass die Dame die Kommentare nicht lesen kann. Im Übrigen sollten 70 Tsd. € für die großen Telek.-Anbieter kein Problem sein. Das ist bei einem Jahresumsatz des großen deutschen Anbieters von 100 Millarden € und einem Jahresüberschuss von über 4 Milliarden € eher ein Taschengeld. Allerdings was kostet da 70 TSd. € f. ein km Kabel? Das ist schlichtweg ein Witz.

  6. 8.

    Kennt Ihr das Geräusch noch? Piieeeepp! Ich habe volles Mitleid, muss aber auch sagen, ab Stahnsdorf Richtung Süden ist es vorbei mit Handy... zwar hängt in jedem Dorf so ein Plakat, dass schnelles Internet jetzt bis dort kommt - vermutlich aber nur bis zum Spritzenhaus ;-) So schön es im leeren Brandenburg ist, Kommunikation ist ein Fremdwort! 2021! Krass...

  7. 6.

    Naja, wenn man einen Kilometer vom nächsten Dorf(!) entfernt wohnt muss man halt mit Abstrichen bei der Infrastruktur rechnen. 83 ist sicher kein Alter wo man noch umziehen möchte, aber vielleicht klappt's ja per Satellit. Das ist dann natürlich leider deutlich teurer als wenn die Gemeinschaft die kosten trägt.

  8. 5.

    Es ist eine Schande, das gewählte Volksvertreter immer wieder kein Interesse zeigen, diejenigen zu vertreten, die hauptsächlich durch Steuern die Bezüge von Volksvertretern finanzieren…
    Und dann wundert sich die Politik über Politikverdrossenheit und Wegzug in die Städte

  9. 4.

    Wir wohnen auch abgelegen. O2 ist hier aber einwandfrei verfügbar. (LTE). Auf einem ca. 2 km entfernten Feuerwachturm befindet sich eine LTE-Antenne. Vielleicht wäre soetwas ja eine Möglichkeit? Glasfaser steht hier auch nicht zur Debatte, aber mit der Funkantenne klappt es super.

  10. 3.

    1 Kilometer Kabel für 70.000€…Das ist ja mal eine Hausnummer. Aber ich finde es schon heftig dass man die Dame weder mit Mobilfunk noch mit Internet dastehen lässt und nichts anderes als Vorschlag hat als eine Funk- oder Satellitenlösung. Und dies wird ja kein Einzelfall sein.
    Vielleicht sollte man in Deutschland mal ein wenig in die Forschung investieren um abgelegene Orte mit Internet zu versorgen. Eine Strecke von einem Kilometer konnte man doch sicher mit einer Funk Lösung überbrücken, ähnlich wie ein WLAN Repeater. Das Haus hast sicherlich ein normalen Telefonanschluss und Strom. Der muss ja auch da hinkommen.

  11. 2.

    Wer ist für das Glasfasernetz verantwortlich, wieviel Fördergelder sind geflossen und warum werden jene nicht angeschlossen, bei denen der Aufwand etwas kostenintensiver ist? Welche Verträge gibt es mit dem Unternehmen und warum scheut sich die Kommune, sich an den Kosten zu beteiligen? Natürlich rechnet sich das, funktioniert ja in anderen und ärmeren Ländern auch. In Rumänien gibt es Europas schnellstes Netz, kaum zu glauben. Vielleicht ist auch der Betreiber zu undurchsichtig und es gibt keine vertragliche Absicherung, dass Gegenden, die weniger profitabel sind, gar nicht erst versorgt werden müssen. Alles Vermutungen, aber ein bundesweites Problem.

  12. 1.

    Ich würde der Dame empfehlen, zu prüfen ob das System von Starlink (Satelliten) an Ihrem Ort verfügbar ist. Dann hätte sie Highspeed-Internet innerhalb kürzester Zeit verfügbar.

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