Grundschule mit Medienkonzept - Wie eine Brandenburger Schule bei der Digitalisierung die Nase vorn hat

Lesen lernen mit iPad (Quelle: rbb/Lepsch)
Video: Brandenburg aktuell | 15.06.2021 | Aline Lepsch | Studiogespräch mit René Mertens | Bild: rbb/Lepsch

Die technische Ausstattung mangelhaft, die Lehrer nicht engagiert genug: Am Home-Schooling während der Corona-Pandemie gab es viel Kritik. Doch es geht auch anders, wie die Grundschule Hirschfeld im Elbe-Elster-Kreis zeigt. Von Aline Lepsch

In der Corona-Pandemie sind vielerorts Schwächen an den Schulen zutage getreten: Wegen fehlender Ausstattung und Ausbildung der Lehrkräfte war es schwierig, die Unterricht nach Hause zu verlagern. Ausgerechnet eine Grundschule in Hirschfeld (Elbe-Elster), weitab vom Schuss, kurz vor der sächsischen Landesgrenze, hatte damit kein Problem.

105 Kinder aus Hirschfeld und der Nachbargemeinde Groß Thiemig gehen hier in die erste bis sechste Klasse. Alle sind fit in den digitalen Medien. Online-Unterricht ist für sie kein Problem.

Sie finden es "cool, dass sie mit Tablets arbeiten dürfen", ihnen gefällt der Unterricht mit "iPad besser als mit Papier". Die Sechstklässler sind das seit der ersten Klasse gewohnt und empfinden es als modern. Damit "passt man sich an die heutige Zeit an", sagt eine Schülerin.

Entlastung für Eltern

Was die Kinder cool und modern finden, hat ihren Eltern die anstrengende Zeit zwischen Home-Schooling und Home-Office etwas erleichtert, so Mutter Nicole Thieme. Der Umgang mit den Medien in der Schule habe sehr geholfen. Die Kinder konnten zum Beispiel problemlos eine Videokonferenz starten. "Das haben sie eigenständig geschafft", so Nicole Thieme. Die Eltern seien entlastet gewesen.

Klingt gut - doch wie kommt es, dass ausgerechnet eine kleine Schule fernab der Metropolen so medienaffin ist? Schuleiterin Petra Plotzke sieht da keinen Widerspruch. Man lebe in einer digitalisierten Welt, die sich so rasant entwickle, dass Medienkompetenz für das Kollegium eine Schlüsselkompetenz für die Kinder sei. "Dafür legt die Grundschule die Grundlagen", meint die Schulleiterin.

Motivation mit iPad

2012 stellte die Schule ein Medienkonzept auf, zwei Jahre später wurde der erste Förderantrag für digitale Medien gestellt. Heute hat die Schule 51 Tablet-Computer, zwei voll ausgestattete Medienräume, Whiteboards, Wlan im ganzen Haus, Smart-TVs und 49 Lern-Apps.

Schon in der ersten Klasse werden die Mädchen und Jungen an Technik und Medien herangeführt. Sie hätten große Freude daran und seien begeistert, wenn das Tablet ihnen signalisiere, dass sie richtig gut waren und die nächste Stufe erreichen können, erzählt die Schulleiterin. Das ziehe sich bis in die sechste Klasse. Dort gebe es zum Beispiel Apps, mit denen Videos selbst bearbeitet und gestaltet werden können. Diese Filme aus dem Unterricht und von Projekten würden dann im Schulgebäude für alle sichtbar gezeigt.

Lehrer Jens Marticke in der 6.Klasse (Quelle:rbb/Lepsch)

Internet mangelhaft

Für die Lehrkräfte ist diese Art des Unterrichts jedoch auch eine Herausforderung. Lehrerin Marie Christin Friedemann erzählt von Anfangsschwierigkeiten in der ersten Klasse. "Da muss man entspannt bleiben", sagt sie. Je öfter man es übe, desto selbstständiger würden die Kinder. Schön sei es dann in der sechsten Klasse, wenn die Schüler ganz selbstverständlich ihr Tablet herausnehmen und genau wissen, wie sie Bildschirmfotos und Präsentationen machen.

Doch allein mit Technik im Haus ist die Digitalisierung noch nicht erledigt. Es muss einen Kollegen geben, der alles organisiert und am Laufen hält. Der IT-vernarrte Lehrer in Hirschfeld ist Jens Marticke. Selbst er war erstaunt, dass seine Schüler die erste Videokonferenz im Distanzunterricht ohne Probleme gemeistert haben. Dumm nur, dass die Internetverbindung auf dem Dorf nicht so fit wie die jungen Hirschelder ist. "Herr Marticke, ich kann sie nicht hören, Herr Marticke, ich sehe die Präsentation nicht", hätten diese geklagt.

Geld aus Digitalpakt

Am fehlenden Datendurchsatz können auch die Engagiertesten nichts ändern. Doch die Hirschfelder kämpfen sich durch, Jens Marticke an vorderster Front. Neben seinem Unterricht habe er sich um die Einrichtung der Technik, die Schulung der Kolleginnen und Kollegen und die Ausschreibungen gekümmert, sagt er. Das habe unzählige Stunden gekostet und sei eigentlich nicht so nebenbei zu machen.

Wenn Digitalisierung an den Schulen gelingen soll, müssen dafür zusätzliche Stunden bewilligt werden, fordert auch Schulleiterin Petra Plotzke. Außerdem müsse es Fortbildungen geben und Kräfte, die sie besuchen. Auch eine Elternschaft, die wie jetzt in der Corona-Pandemie mit der Technik mitarbeitet und das unterstützt, sei nötig. Schließlich müsse der Schulträger dafür ein offenes Ohr haben und die Eigenanteile für die Ausstattung übernehmen.

Hirschfeld hat da offenbar einiges richtig gemacht: Während die Auszahlung des Geldes aus dem Digitalpakt 1 noch auf sich warten lässt, ist Digitalpakt 2 schon bestätigt. Für die Grundschule gibt es dann noch einmal 18 neue Tablets.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.06.2021, 14:10 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich lach mich kaputt. Ordentlich recherchieren geht anders. Mein Kind besucht diese Schule. Kiloweise Papier gab es jede Woche zum bearbeiten. Nichts mit digitalem Unterricht.

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