Nagetierproblem in Schlepzig - Biber-Familien knabbern sich durch den Spreewald

Umgeknickte Bäume, von Bibern in Schlepzig angefressen (Foto: rbb/Friedrich)
rbb/Friedrich
Audio: Antenne Brandenburg | 11.06.2021 | Daniel Friedrich | Bild: rbb/Friedrich

Sie sind putzig, aber gefräßig: Biber futtern sich seit einiger Zeit entlang der Spree durch Schlepzig, bringen selbst jahrzehntealte Bäume zu Fall. Offenbar sind gleich mehrere Familien am Werk - die auch vor einem Fachwerkhaus nicht Halt machen. Von Daniel Friedrich

Biber-Kahntouren durch den Spreewald - die werden in Schlepzig (Dahme-Spreewald) angeboten. Gäste können in der Abenddämmerung eine gemütliche Kahnfahrt machen und dabei die Biber bei der Arbeit beobachten. Rund 200 von ihnen gibt es im Spreewald.

Doch nicht alle sind damit glücklich. Denn die Biber verursachen Schaden. Entlang der Spree fällen sie seit Monaten dicke Bäume, Kähne standen schon auf dem Speiseplan - und auch an einem denkmalgeschützen Fachwerkhaus haben sie nun mit ihren scharfen Zähnen sichtbare Spuren hinterlassen.

Biber haben einen Balken eines Fachwerkhauses in Schlepzig angefressen (Foto: rbb/Friedrich)
Fachwerkhaus in Schlepzig, von Bibern angefressen | Bild: rbb/Friedrich

"Der Biber frisst, was er findet"

Die Balken des Hauses in der Dorfstraße wurden angenagt, das Holz-Hoftor gleich nebenan auch. Die Schäden sind zwar deutlich sichtbar, aber noch überschaubar, sagen die Bewohner.

"Es ist so, dass der Biber das frisst, was er vorfindet", sagt Bürgermeister Werner Hämmerling (Wählergruppe Freiwillige Feuerwehr). "Er hat schon Sachen gefressen, die schon gestrichen, getränkt waren. Man kann es echt nicht mehr nachvollziehen."

Der Ärger ist groß, und das nicht erst seit der Sache mit dem Fachwerkhaus. Schon vorher hat sich der Biber im Ort unbeliebt gemacht. "Er staut ständig irgendwelche Fließe an, er hat schon Straßen bei uns unterquert - da ist auf einer Seite der Asphalt abgesackt", sagt Hämmerling. Das Loch sei tief gewesen, die Gefahrenstelle musste gesperrt werden.

Biber jagen nur in Ausnahmefällen

Dazu kommen unzählige uralte Bäume, die die Biber rechts und links der Fließe schon gefällt haben. "So sieht's nicht nur hier aus, sondern auch im weiteren Verlauf der Hauptspree", berichtet Rene Schiela vom Ortsbeirat dem rbb. Es gebe viele Stellen, an denen in den Uferbereichen "meterweise Bäume abgetragen" wurden. Auch junge Bäume könnten nicht mehr nachwachsen, weil die Biber sie gleich wieder wegfressen würden.

Durch die vielen Schäden und die Größe des Gebietes geht unter anderem auch das Landesumweltamt davon aus, dass man es im Spreewald mit mehreren Biberfamilien zu tun hat. Zu einer gehören im Schnitt vier bis fünf Tiere.

Vertreiben oder sogar jagen darf man Biber nur in Ausnahmefällen. Die Tiere stehen streng unter Naturschutz. Bisher wurden in Schlepzig alle Anträge dazu abgelehnt. Lediglich ein paar Drahtgitter wurden um einzelne Baumstämme gebunden, damit der Biber dort nicht mehr herankommt und knabbern kann.

Umgeknickte Bäume, von Bibern in Schlepzig angefressen (Foto: rbb/Friedrich)
Umgeknickte Bäume am Fließ | Bild: rbb/Friedrich

Biberstreit soll gemeinsam beigelegt werden

Doch eine Lösung für alle Spreewaldbäume könnten die Drahtgitter nicht sein, sagt der Amtsdirektor in Unterspreewald, Henri Urchs (parteilos). "Der Spreewald ist Biosphärenreservat. Da sind die Pflanzen geschützt. Wir haben den Biber, der geschützt ist. Und beides widerspricht sich."

Brandenburgs Biberbeauftragte Lisa Giese sieht das anders. "Es geht gar nicht mal so um die Frage, schützen wir den Baum oder den Biber, es geht wirklich um das komplette Ökosystem Auwald." Und zu diesem gehöre der Biber an sich dazu, sagt Giese. Normalerweise mache sich das Tier in einem 20 Meter breiten Uferstreifen zu schaffen.

Über ihre unterschiedlichen Ansichten wollen alle Beteiligten demnächst ins Gespräch kommen, sagten sie dem rbb - und dann gemeinsam nach Lösungen im Biberstreit von Schlepzig suchen.

Beitrag von Daniel Friedrich

15 Kommentare

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  1. 15.

    Jetzt kann man auch verstehen, dass es jetzt wieder eine Ausstellung der alternativen Kunst in der Natur um Schlepzig gibt, wo kunterbunte Vogelscheuche in den Bäumen gehangen werden, um die nistende Tierwelt zu erschrecken!

  2. 14.

    "Ausgleichspflanzungen, in besserer Waldqualität" soll man da lachen, der Mensch macht alles andere als das. Wieviel Wald wurde in den letzten Jahren gefällt und wieviel Fläche versiegelt und zugebaut. Das Totholz ist übrigens Nahrung für anderen Insekten, wovon sich widerrum andere Tiere ernähren. Übrigens Bäume direkt am Ufer sorgen dafür, dass der Fluß austrocknen. Dazu gabe es mal irgendwo einen Artikel hier.

  3. 12.

    Biber und Menschen fällen aus unterschiedlichen Gründen Bäume. Die vom Menschen gefällten werden meistens als Nutzholz verwertet. Den Biber interessiert sein Werk nicht mehr. Ist ja nach dem Fall "Totholz"geworden und sucht sich lieber den nächsten Baum. Der Mensch leistet Ausgleichspflanzungen, in besserer Waldqualität, als z.B. gerodete Fichtenplantagen. Was tut der Biber? Hat sein Verhalten einen Nutzen im heutigen Zeitalter an jedem beliebigen Ort? Rettet die Bäume zum Klimaschutz gilt wohl nicht für die Natur selbst.

  4. 11.

    Zitat Anfang: ---Biber dürfen keine Bäume fällen, Menschen roden ganze Regenwälder.--- Zitat Ende
    Jetzt weiß ich wenigstens wo in Deutschland die Regenwälder abgeblieben sind. Danke für die Info.

  5. 10.

    Das dumme Nagetier weiss, dass es nagen kann wie blöde, weil z.Z. fast alle Menschen ein grünes Mäntelchen an haben, und lacht sich über uns halb tot.

  6. 9.

    Und auch in Grünau zwischen Richtershorn und Strandbad in Höhe Bammelecke. Ganz viele völlig umgekippte und halb angenagte Bäume. Bei aller Liebe zu Natur und Tier, aber das kann es auch nicht sein. Die Biber nehmen überhand, weil sie keine Feinde haben.

  7. 8.

    biber schiessen problem beheben

  8. 7.

    Irgendwann vor langer Zeit hat der Mensch begonnen, sein Leben aus dem natürlichen Kreislauf "auszukoppeln". Landschaften zerstören, Tiere und Pflanzen ausrotten wurden Thema Nummer 1. Was dem Menschen nicht in den Kram passt, muss einfach weg. Biber dürfen keine Bäume fällen, Menschen roden ganze Regenwälder. Genau. Schließlich kann nur der Mensch ermessen, welchen Schaden er da anrichtet. Was weiß denn schon so ein dummes Nagetier.

  9. 6.

    Dieses Problem existiert nicht nur im Spreewald. Auf einem Rundweg um einen uckermärker See (5km) hörte ich bei 156!!!!!! umgenagten -ehemals gesunden Bäumen- vorwiegend Buchen, Eichen ,auf zu zählen.
    Das Gleichgewicht ist gestört und es muss dringend etwas zum Schutz des Mischwaldes getan werden!

  10. 5.

    Die natürlichen Fressfeinde des Bibers sind der Wolf und der Bär. Die braucht man halt wenn man ein intaktes Ökosystem haben möchte.

  11. 4.

    Zitat:"...es geht wirklich um das komplette Ökosystem Auwald." Und zu diesem gehöre der Biber an sich dazu, sagt Giese."

    Nur fehlt dem Biber sein natürlicher Feind:
    "Braunbär, Eurasischer Luchs, Puma und Wolf zählten früher zu den wichtigsten natürlichen Feinden des Bibers. Gefahr geht derzeit am ehesten von wildernden Hunden aus."
    Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Biber

  12. 3.

    Wenn durch übertriebenen Tierschutz ganze Landschaften verunstaltet werden oder sogar Überflutungen entstehen, dann hört mein Verständnis dafür auf. Das gilt auch für die Wölfe, die Schafe oder Kälber reißen.

  13. 2.

    Redet ruhig noch ein bisschen miteinander, es soll ja auch beim Psychologen helfen. Fakt ist, das die Tiere einen enormen Schaden anrichten der in kurzer Zeit kaum zu korrigieren ist. Biber und Wolfsschützer reden sich ein das der Mensch mit den Tieren leben muss, nicht umgekehrt. Es wird sich nichts ändern, solange grüngläubige Propheten ihre irrsinnigen Meinungen umsetzen können.

  14. 1.

    Vielleicht sollte man den Biber beim Wassermanagement mit integrieren, da das sein Spezialgebiet ist ;-). Aber da der Mensch den meisten Raum für sich beansprucht, bleiben den anderen Lebewesen nicht allzuviele Möglichkeiten woanders hin auszuweichen, und schon ist der Aufschrei wieder gross. Ich hoffe nur, dass dafür keine Tiere entnommen werden müssen!

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