Schwacher ÖPNV - Wie Mitfahrerbänke das Trampen wiederbeleben sollen

Mi 23.06.21 | 10:53 Uhr
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Eine von fünf Mitfahrerbänken in und um Vetschau
Video: rbb|24 | 23.06.2021 | Material: Brandenburg aktuell, zibb | Bild: rbb/Aline Lepsch

Wer auf dem Land wohnt, kennt das Problem: Busse fahren eher selten, wer einkaufen will, Termine beim Arzt oder sonstwo hat, muss sich nach dem Fahrplan richten. In Vetschau (OSL) wird eine neue Idee probiert: Mitfahrerbänke. Von Aline Lepsch

Das Problem ist bekannt: Die Anbindung kleinerer Orte an das Netz des Öffentlichen Personen Nahverkerhrs (ÖPNV) ist löchrig. Wer von zu Hause weg will, muss seine Pläne nach dem Fahrplan ausrichten. Martin Minde etwa lebt in Tornitz bei Vetschau und kennt das Problem nur zu gut. Es gebe einen Schulbus und einen Rufbus, sagt er. Gerade für Rentner sei es schwer, von einem Ort zum anderen zu kommen. Da könnte die Idee der Mitfahrerbänke helfen, ist er sich sicher.

Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler weiht die erste Mitfahrerbank ein
Offizielle Einweihung | Bild: rbb/Aline Lepsch

Start der Idee mit Bedenken

Vor einem Jahr brachte die Fraktion Die Linke diese Idee in die Stadtverordnetenversammlung von Vetschau ein. Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) hatte anfänglich Bedenken. Wo sollen diese Bänke stehen und können dann dort auch Autos gefahrlos anhalten? Zudem sind solche Einrichtungen auch möglichem Vandalismus ausgesetzt, erinnert sich Kanzler an seine Zurückhaltung von damals.

Bank mit Beschriftung als Mitfahrerbank
Zweckbeschreibung | Bild: rbb/Aline Lepsch

Schließlich gab es eine Entscheidung zugunsten der neuen Idee. Fünf der knallroten Mitfahrerbänke stehen jetzt in und um Vetschau. Je 1.000 Euro haben sie gekostet, fast vollständig durch Spenden regionaler Unternehmen finanziert.

Es sei ein Angebot zur Selbsthilfe, sagt Kanzler heute. Wer mitgenommen werden möchte, sitzt auf der Bank und wartet auf ein Auto, das anhält und ihn mitnimmt. Die Idee folgt dem Zufallsprinzip.

Ein Jahr lang soll die Testphase dauern, dann wird über die Zukunft der Mitfahrerbänke erneut entschieden. Ganz neu ist die Idee der Mitfahrerbänke indes nicht. Die erste wurde bereits 2014 in Rheinland-Pfalz aufgestellt, andere Kommunen folgten.

Wer von jemandem mitgenommen wird, muss dafür nichts bezahlen. So lautet die Verabredung. Unklar freilich ist eine andere Frage: Wie kommt man wieder zurück? Und schon ist man wieder beim Thema Rufbus.

24 Kommentare

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  1. 24.

    "diese Bank und ihre frauenausgrenzende Bezeichnung."
    Dann lassen sie doch einfach den Revoluzzer in ihnen raus und setzen sich auf eine "Männerbank".

  2. 23.

    Ja so kann man als Verantwortliche r für die Daseinsvorsorge auch aus der Verantwortung verabschieden. Sorgt lieber für einen guten ÖPNV dann habt ihr mehr gekonnt, zumal Trampen auch mit gewissen Gefahren verbunden ist.

  3. 22.

    Sorry, aber ich lese nur Mitfahrer und Rentner. Das schließt mich nicht ein bzw.fühle ich mich nicht angesprochen und damit bin ich in meinem Freundes-und Familienkreis nicht allein. Alle schütteln den Kopf über diese Bank und ihre frauenausgrenzende Bezeichnung. Wir sind doch nicht mehr im 19.Jahrhundert.
    Desweiteren würde ich keiner Frau empfehlen zu einem Mann einzusteigen. Auch zu DDR Zeiten ist viel schlimmes beim Trampen passiert. Man sprach halt nur nicht darüber. Es wurde alles schön unter den Tisch gekehrt. Freie Presse gab es nicht, das Land hat absichtlich die Kriminalitätsstatistik runtergedrückt um im Ausland gut dazustehen. Leider vergessen hier einige zu schnell was damals passiert ist.

  4. 21.

    Mich erinnert das an die Rote Punkt Aktion aus den 70er Jahren in Westberlin. Autos mit diesem Zeichen hielten an wenn man den Daumen raushielt. Und da Westberlin nicht so groß war, konnte es auch passieren bis an die Haustür gefahren zu werden.

  5. 20.

    Aus Niemandens Leben gibt es nur Gutes zu berichten, aber sich hier blind gegenüber den Gefahren zu zeigen, die sich hieraus unmittelbar ergeben, halte ich für blauäugig und gefährlich.

  6. 19.

    Mhhh ... Trampen "früher" ... Pappschild, Ziel raufschreiben, kurz warten und wech :-). Ok - da waren auch noch nicht soviele Schmutzfüsse im Auto unterwegs. Wäre heute als junge Frau doch ein höheres Risiko bei Fremden einzusteigen oder, auch als nicht mehr sooo junge Frau, einen Fremden mitzunehmen. Seitdem ich vor ein paar Jahren einen Unbekannten aus dem Auto "komplimentieren" musste, bevorzuge ich Mitfahrzentralen - funktioniert für beide Seiten eigentlich ganz gut und ein kleiner Umweg um jemanden einzusammeln ist doch wohl drin. Kleine Spritbeteiligung und gut is. Sogar Musikwünsche können u.U. erfüllt werden - nur bei "Ballermannmukke", oder "aloholbedingte Bienchensprache" streikt der Motor garantiert.

  7. 18.

    Ja. Rufbus ist die Lösung. Verlässlich und sicher. Der Landkreis Teltow-Fläming macht es vor.

  8. 17.

    Wieso sollte es heutzutage mehr Ihrer „guten Onkel“ geben als zu DDR-Zeiten? Etwas sicherer könnte es machen, bei Fahrtantritt schnell noch eine Nachricht mit dem Kennzeichen abzusetzen, damit jemand informiert ist, in wessen Auto man da gerade gestiegen ist. Außerdem könnten z.B. Frauen nur zu Frauen ins Auto steigen ...

  9. 16.

    Wäre zu einfach. Zumal man schon den jetzigen Verkehr nicht beherrscht.

  10. 15.

    Ja so ist es. Zu einem Fremden in sein Auto zu steigen, das bedeutet, ein Risiko einzugehen, nicht um sonst warnt die Polizei davor.

  11. 14.

    Klappt auf längere Sicht nicht. Kenne ich aus Süddeutschland.

  12. 13.

    Nach jahrelangem Kopfzerbrechen habe ich endlich die Lösung für das eigentliche Problem gefunden:
    "Baut ganz einfach den Regionalverkehr aus!"

  13. 12.

    Finde ich sehr gut. Aber Schmidt hat Recht. Diese Gefahr besteht. Man sollte sich also gut überlegen zu wen man einsteigt. Außerdem muss man sich als Autofahrer einen Haftungsausschluss unterschreiben lassen, wenn man keine Insassenversicherung hat.

  14. 11.

    Stranger Danger ist ein ziemlich überholtes Konzept, das von Kriminalitätsstatistiken noch nie gestützt wurde.

  15. 10.

    Naja, vielleicht sollte der Landkreis Geld in die Hand nehmen und jemanden stundenweise beschäftigen, um die omis bei Bedarf zu fahren. Ich lebe zwar nicht auf dem Land, aber ich würde dort nicht in ein fremdes Auto steigen und würde es meinen Kindern auch nicht erlauben. Aber vielleicht versteht man es auch mehr als Nachbarschaftshilfe. Die Leute steigen vermutlich/ hoffentlich nicht zu wildfremden ins Auto?!

  16. 9.

    Das habe ich auch gedacht. Klappt vielleicht nur auf einem Dorf, wo jeder jeden kennt.

  17. 8.

    Da steht Mitfahrerbank - für Leute, die mitfahren wollen. Das schließt Frauen ebenso mit ein. Man kann sich auch anstellen...

  18. 7.

    So ein Quatsch! Immer vom negativen ausgehen! Gefahr gibt es überall, aber man kann doch nicht immer vom Schlechten ausgehen.

  19. 6.

    Im Grunde eine gute Idee.
    Trotzdem erstaunt es, wenn einerseits pausenlos von einer "Verkehrswende" gesprochen wird, auf der anderen Seite der ÖPNV auf dem Lande immer miserabler wird.

    Für mich ein Widerspruch.

  20. 5.

    Trampen in Pandemie Zeiten, wird bestimmt klappen!

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