Unkraut breitet sich aus - Lausitzer Dorf schlägt Ambrosia-Alarm

Ambrosia in Greifenhain (Foto: rbb/Lepsch)
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Audio: Antenne Brandenburg | 19.07.2021 | Aline Lepsch | Bild: rbb/Lepsch

Ambrosia-Alarm in Südbrandenburg: Das allergieauslösende Unkraut breitet sich in Drebkau ungehindert aus. Rings um den Friedhof, so weit man gucken kann: nur Ambrosia. Die Anwohner leiden - und hoffen auf mehr Hilfe. Von Aline Lepsch

Es ist keine schöne grüne Wiese, kein erfolgreicher Anbau - von was auch immer. Was man in Radensdorf (Spree-Neiße), einem Ortsteil von Greifenhain, das wiederum zu Drebkau gehört, auf den Feldern sieht, sind unzählige Ambrosiapflanzen - ein hochallergenes Unkraut, das sich zurzeit ungehindert ausbreitet. Brandenburgweit am meisten in Calau und Vetschau (beides Oberspreewald-Lausitz) sowie eben Drebkau. "Die Ambrosia wächst und gedeiht rund um den kompletten Bereich vom Friedhof Kriegsgräberstätte Radensdorf, so weit das Auge reicht", sagt Ortsvorsteher Rüdiger Krause.

"Ich habe gedacht, er stirbt"

Er ist ratlos. Weil die Pflanze nicht als gefährlich gilt, darf sie beispielsweise nicht mit chemischen Mitteln bekämpft werden. Doch Ambrosia kann schwere Allergien bis hin zu Asthma auslösen - und genau das tut sie auch bei den unmittelbaren Nachbarn. "Bei mir haben sich schon mehrere Anwohner gemeldet", sagt der Ortsvorsteher dem rbb, "und zufälligerweise sind die beiden Anlieger, die neben diesen Feldern wohnen, schwer gesundheitlich betroffen."

Wenn Ilona Scholtke aus ihrem Schlafzimmerfenster schaut, blickt sie direkt auf die vielen Ambrosiapflanzen. Sie und ihr Mann haben, wie auch andere Anwohner, über die Jahre hinweg starke Allergien entwickelt. "Mein Mann war vor zwei Jahren drei Mal in der Notaufnahme. Beim letzten Mal habe ich gedacht, er stirbt mir. So extrem war es." Er habe Atemnot gehabt, die Augen waren zugeschwollen. Die Symptome kommen von jetzt auf gleich, sagt Ilona Scholtke. "Und wir merken es immer mehr."

Ambrosia in Greifenhain (Foto: rbb/Lepsch)

Stadt fordert Land zum Handeln auf

Seit mindestens zehn Jahren gebe es in Radensdorf Ambrosia, berichtet eine andere Anwohnerin. "Dass es so extrem ist, dass es aussieht, wie gesät", dass sei allerdings das erste Jahr so, sagt sie.

Ungehinderte Ausbreitung, allergische Reaktionen: So kann es nicht weiter gehen, meint auch Ortstvorsteher Krause. Der Stadt Drebkau fehlen die finanziellen Mittel, sagt er. Das Land müsse sich kümmern.

"Diese Pflanze muss unbedingt als hochgiftige, allergene Pflanze eingestuft werden", sagt Krause, "so dass sie vernichtet werden kann." Seiner Meinung nach helfe nichts anderes als Gift. "Ansonsten haben wir den Kampf gegen die Ambrosia verloren."

Neue Bekämpfung wird getestet

Nun hat das Land mit Matthias Hoffmann einen Ambrosiabeauftragten und seit diesem Jahr auch jährlich 500.000 Euro zur Verfügung, um die Ausbreitung der Pflanze zu verhindern. Das wird bereits getestet, etwa aktuell in Kolkwitz (Spree-Neiße), mit Heißwasser und Isolierschaum - geplant ist es auch rings um Drebkau.

Doch der Fall in Radensdorf "ist eine andere Dimension", so Hoffmann: "Hier haben wir landwirtschaftlich genutzte Flächen, die sehr stark mit Ambrosia belastet sind." Hier seien andere Maßnahmen erforderlich als an Straßenrändern, sagt er. Bei den Feldern, auf denen abertausende Pflanzen stehen, kann nur beraten werden. Schnell abernten, dreschen und mähen, mähen, mähen - bis die Blütezeit durch ist.

Letztendlich liege die Verantwortung der Pflanzenentsorgung bei den Flächennutzern, sagt Hoffmann. "Aber mit dem Konzept, das wir jetzt erstellen lassen, werden wir sehen, welche Möglichkeiten wir in Zukunft haben werden."

Als Pilotprojekt werden jetzt bei einem Großbetrieb das Ambrosiaaufkommen kartiert und die Kosten der Bekämpfung erfasst, um Maßnahmen zu erarbeiten. Anschließend könne auch über Förderungen gesprochen werden, sagt Matthias Hoffmann.

6 Kommentare

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  1. 6.

    Schön, dann also die nächsten Jahre noch mit Ambrosia leben, ob Allergien oder sogar Anaphylaktische Schocks mit tödlichem Ausgang --erst machen wir mal einen Plan und ein Pilotprojekt, und dann schauen mer mal, Ich verstehe nicht, warum die Stadt auf den Heilsbringer von oben wartet, Traktoren mit Schneidewerk dürften doch vorhanden sein. Die Zeit drängt, bald ist Blütezeit

  2. 5.

    Natürlich nicht zu vergessen, dass ja jetzt schon ein "Pilotprojekt" initiiert wurde!
    Sollte das Wort des Jahres werden!

  3. 4.

    Das Ambrosiaproblem ist seit langer Zeit bekannt und es wurde immer schön vor sich her geschoben. Jetzt schaffen wir den Posten eines Ambrosiabeauftragten. Das klingt für mich so wie das Pfeifen im Walde nach der Devise, wir haben ja was gemacht, aber besonders erfolgreich waren wir nicht. Solange die Entscheider weit weg sind, wird sich in Sachen Ambrosia auch nicht viel ändern.

  4. 3.

    Wenn ich richtig informiert bin, wird die Pflanze erst zur Gefahr, sobald sie Blüten bildet, der Allergieauslöser sind die Pollen. Also keine Zeit für Arbeitsgruppe, Trecker mit .Mähwerk raus und alles abmähen und entfernen. Die Gesundheit Vieler steht auf dem Spiel

  5. 2.

    Da hilft nur Maske und Abstand.

  6. 1.

    Ist denn dann nicht Alles was dort "geerntet" wird mit Ambrosia durchseucht ?

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