Gräberfeld aus Bronzezeit bei Bauarbeiten entdeckt - Warum die Gräberfundstücke aus Guben etwas Außergewöhnliches sind

Archäologin Liana Jaberassian mit einem gut erhaltenen Gefäß (Foto: rbb/Jahn)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.07.2021 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Jahn

In Guben wird ein Haus gebaut, doch die Arbeiten enden Anfang Juli abrupt. Ein Gräberfeld ist entdeckt worden, mehrere tausend Jahre alt. Archäologinnen bergen rund 50 Gefäße - Urnen und Grabbeigaben. Viele sind erstaunlich gut erhalten. Von Josefine Jahn

Die Entdeckung eines Gräberfeldes aus der Bronzezeit in Guben (Spree-Neiße) Anfang Juli ist laut den untersuchenden Expertinnen etwas "ganz Besonderes". Das liegt vor allem an der Vielzahl und der reichhaltigen Dekoration der Gefäße, wie Archäologin Elisabeth Ida Faulstich-Schilling am Freitag dem rbb sagte.

Geplant ist, dass die Fundstücke eines Tages ausgestellt werden. Im Moment seien die Archäologinnen dabei, Kontakte zur Stadt Guben zu knüpfen, sagt sie. "Vielleicht setzen wir uns auch mit dem Museum in Raddusch (Oberspreewald-Lausitz) in Verbindung [gemeint ist die Slawenburg, d. Red.] , weil Raddusch schon eine hervorragende Sammlung von bronzezeitlichen Funden hat." Darüber hinaus hat sich ein historischer Verein aus Guben gemeldet, der die Stücke ausstellen will.

Ida-Elisabeth Faulstich-Schilling sieht sich 3-D-Aufnahmen von der Fundstätte Guben an (Foto: rbb/Jahn)
Ida-Elisabeth Faulstich-Schilling sieht sich 3-D-Aufnahmen von der Fundstätte Guben an | Bild: rbb/Jahn

"Ein Formenspektrum, das seinesgleichen sucht"

Rund 50 Gefäße, also Urnen und Grabbeigaben, aus 23 Gräbern sind innerhalb einer Woche auf der privaten Baustelle in Guben gefunden worden. Was die Archäologinnen bargen, wurde sofort mitgenommen, über Nacht wurde der Fundort mit einem Zaun abgesperrt und die Fundstellen mit einer Plane abgedeckt.

Die ärchäologischen Schätze sind zurzeit sicher verstaut im Freien Institut für Angewandte Kulturwissenschaften in Cottbus. Mehrere Schubladen füllen die Scherbenfragmenten, die die Archäologin Elisabeth Ida Faulstich-Schilling und ihre beiden Mitarbeiterinnen noch zusammenfügen wollen.

Die Funde des Gubener Gräberfeldes stammen aus dem Ende der Bronzezeit, circa 1.000 bis 500 v. Christus. Es seien alles sehr schöne und sehr fein ausgearbeitete Gefäße, sagt die Expertin und kommt ins Schwärmen. "Die Dekoration, die so viele Varietät aufweist und ein Formenspektrum, das seinesgleichen sucht." Selbst auf der zerbrochenen Keramik lassen sich filigrane Muster erkennen.

Ein gefundenes Gefäß (Foto: rbb/Jahn)
Ein in Guben gefundenes Gefäß | Bild: rbb/Jahn

Grab sagt etwas über die damaligen Menschen

Die Menge an gut erhaltenen Gefäßen ist für das Team das I-Tüpfelchen des Fundes und keine Selbstverständlichkeit in einer Archäologen-Laufbahn, sagt Virginia Trinco, die die Arbeiten an der Fundstelle geleitet hat. Sie habe schon zuvor Bronzezeitkeramik gefunden, doch dabei war "alles fragmentiert", sagt sie.

Daher sei der Fund in Guben etwas Besonderes. "Die Gefäße waren noch alle intakt. Man konnte wirklich gut die Formen sehen." Darüber hinaus ist den Archäologinnen eine Besonderheit aufgefallen: die Haupturnen waren teilweise auf Granitsteinen positioniert, die etwa als Mahlsteine genutzt wurden, erklärt Faulstich-Schilling.

"Das heißt, wenn ich einen Stein da hinlege, die Urne darauf stelle, dass sie längere Zeit stabil bleiben soll." Die Expertin geht deshalb davon aus, dass es einen längeren Ritus gegeben haben muss, sprich: "dass mehrere Leute ihre Gefäße, Blumen und sonstiges mit in das Grab gelegt haben."

"Oh, so schöne Lausitzer Kultur"

Die geborgene Keramik wird der Lausitzer Kultur zugeschrieben. Der Arzt und Allgemeingelehrte Rudolf Virchow hat den Begriff eingeführt. Er beschreibt die vorslawische Keramik, die sich durch bauchige Formen und Ornamente auszeichnet.

Der Fund hat sich unter den Kollegen schnell herumgesprochen. "Die Kollegen im Westen sind echt neidisch", sagt die Archäologin Elisabeth Ida Faulstich-Schilling. Sie würden die Funde sehen und sagen "Oh, so schöne Lausitzer Kultur, so schön."

Einzigartig - die filigranen Verzierungen (Foto: rbb/Jahn)
Einzigartige, filigrane Verzierungen | Bild: rbb/Jahn

Untersuchung mithilfe von 3D-Aufnahmen

Um den circa 20 mal 20 Meter großen Fundort vermuten die Wissenschaftlerinnen noch weitere Gräber. Hier gelte aber die Devise: Denkmalschutz vor Ausgrabung. Und so sind auf der Privatbaustelle in Guben inzwischen die Archäologinnen verschwunden, das Haus kann weiter gebaut werden.

Die gefundenen Gefäße und weiteren Fragmente werden jetzt unter anderem mithilfe von 3D-Aufnahmen vom Fundort weiter untersucht. Sie kommen anschließend ins Brandenburgische Zentralarchiv für archäologische Funde nach Wünsdorf - bevor sie irgendwann einmal vielleicht für alle in einer Ausstellung präsentiert werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.07.2021, 16:40 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    … herzlichen Glückwunsch zum schönen Fund und den Bauherren viel Erfolg bei ihrem Projekt. Das sie nicht von Kosten, Bauverzögerung oder der Bank erschlagen werden, denn als Bauherr ist man in solchem Falle alleine gelassen …

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