Kneipensterben auf dem Land - 50 Seelen und endlich wieder ein Dorfkrug

Steven Effenberger - der neue Gastwirt hinter dem Tresen seiner Dorfkneipe
Audio: Antenne Brandenburg | 05.07.2021 | Marie-Therese Harasim | Bild: rbb/Marie-Therese Harasim

Noch nicht einmal 50 Einwohner hat das Örtchen Schollen bei Luckau (Dahme-Spreewald). Bisher größte Attraktion im Ort war der Spielplatz mit Schaukel. Jetzt gehört auch eine Dorfkneipe dazu - zunächst auf Probe. Von Marie-Therese Harasim

Kneipeninhaber Steven Effenberger steht hinter dem Holztresen und zapft Bier. Etwa 15 Leute sitzen auf Barhockern an der Theke und auf Stühlen im Gastraum verteilt, trinken Bier und Wein, essen Knacker mit Schmalz. Und sie reden über Gott und die Welt und über das, was in ihrem Dorf los ist.

Ab jetzt erst einmal immer freitags. Die Kneipe "Schollen 7" in dem winzigen Örtchen Schollen bei Luckau (Dahme-Spreewald) hat offen, wenn Steven Effenberger gerade nicht arbeiten muss. Für den 41-Jährigen ist der Tresen ein Hobby, Geld verdiene er damit nicht, sagt er. Das macht er beruflich als Anlagenführer und Maschinist in einer Tiefbaufirma, und er ist in der Woche auf Montage.

"Es ist für mich schön zu sehen und zu hören, worüber hier am Tresen geredet wird, das macht einfach Spaß", sagt der Freizeit-Kneipier.

Gastraum in der Dorfkneipe Schollen bei Luckau
Gastraum der Dorfkneipe in Schollen | Bild: rbb/Marie-Therese Harasim

"Es belebt unseren Ort"

Diejenigen, die freitags in die Kneipe "Schollen 7" kommen, haben dafür ganz unterschiedliche Gründe. Manche fühlen sich einsam und haben jetzt wenigstens einmal pro Woche wieder Geselligkeit. "Es belebt unseren Ort", sagt eine andere im Gastraum. Ein Mann aus dem 50-Einwohner-Dorf ergänzt, man habe durch die Kneipe wieder viel Publikum. Es sei einfach ein schöner Treffpunkt.

Eingang zur neuen Dorfkneipe in Schollen bei Luckau
Eingang zur Dorfkneipe | Bild: rbb/Marie-Therese Harasim

"Es hat ein leises Sterben eingesetzt"

Wieviele Kneipen im letzten Jahr geschlossen wurden, kann der Brandenburger DEHOGA-Präsident Olaf Schöpe nicht sagen. Eine exakte Statistik gebe es nicht, man müsste jedes Brandenburger Gewerbeamt kontaktieren, um eine belastbare Zahl zu bekommen, sagt Schöpe rbb|24. "Es hat ein leises Sterben eingesetzt."

Kneipenbesitzer, die in den Ruhestand gehen, finden keine Nachfolger. Manche behalten noch ihre Konzessionen für den Fall, mal ein Familienfest ausrichten zu können. Nach Schöpes Ansicht haben junge Leute andere Lebensmodelle. Da passen keine langen Schichten hinterm Tresen bis tief in die Nacht oder an Wochenenden hineien.

Der Job des Gastronomen habe an Attraktivität verloren, auch durch ein Übermaß an Bürokratie. In Brandenburg gibt es nach DEHOGA-Informationen sechstausend Gaststätten, Kneipen, Bistros, Hotels und Pensionen mit mehr als 30.000 Beschäftigten.

Gäste sind von nahem Campingplatz mit Traktor und Anhänger angereist
Gäste kommen mit Traktor und Anhänger | Bild: rbb/Marie-Therese Harasim

Es muss sich irgendwie rechnen

Bisher gibt es die Kneipe nur auf Probe und noch nicht offiziell. Wenn alles klappt, soll "Schollen 7" in zwei Jahren regulär öffnen. Bis dahin müssen noch viele Formalitäten geregelt werden. Außerdem soll es eine neue Küche geben, der anliegende große Raum soll zum Veranstaltungssal für Feiern ausgebaut werden.

Für Hobby-Kneipier Steven Effenberger bleiben so lange Rechenaufgaben. Er muss Investitionen in den Ausbau stecken und dennoch das Bier zu einem "ordentlichen Preis" verkaufen. Effenberger hat wohl die endgültige Antwort auf die Frage, ob sich das alles rechnen wird, noch nicht gefunden.

Bis dahin werden noch viele Kneipenabende auf Probe in "Schollen 7" vergehen, immer freitags.

9 Kommentare

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  1. 9.

    Na was will der Besitzer so raushaben an Gehalt für sich? 10000 im Jahr doch schon, oder? Also rund 200€ Profit pro Einwohner und Jahr. Ob da jeder Einwohner 50€ pro Monat in der Kneipe lässt? Also mir wär das zu viel. Aber wenn der Besitzer das als Ehrenamt machen möchte könnte die Rechnung vielleicht aufgehen.

  2. 8.

    "Könn die Männer nicht ohne?"

    Hier wäre Genderneutralität angebracht. Hierzulande saufen die Menschen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.

  3. 7.

    Kaffee ist auch nicht besser ,dazu noch ein Stück Torte.... dann lieber ordentlich Bier.

  4. 6.

    Nur die Männer? Ich kenne auch etliche Frauen, die nicht ohne (Alkohol) können.

  5. 4.

    Ja, Bier und Knacker wollen wir!

    Eigentlich auch Zigaretten, aber das darf man ja hier nicht mehr laut sagen.

    Dafür sterben wir gerne ein paar Jahre früher :)

  6. 3.

    Wer sagt, dass in Bier immer Alkohol sein muss? Es gibt mittlerweile alles auch ohne diesen.
    Also nicht gleich verallgemeinern!

  7. 1.

    Alle Alkoholiker freuts, alle Opfer von Alkoholikern gruselt es. Warum keine Café? Warum immer Alkohol? Könn die Männer nicht ohne?

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