Süden des Landes besonders betroffen - Brandenburger Wälder leiden trotz Regen unter Trockenheit

Ein Wald im Elbe-Elster-Kreis (Bild: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.08.2021 | Daniel Mastow | Bild: rbb

Im Juli regnete es in Brandenburg mehr als üblich, die Wälder haben das Wasser dankbar angenommen. Doch die Niederschlagsmenge reichte bei weitem nicht, um die zuletzt trockenen Jahre auszugleichen. Das zeigt sich vor allem im Süden des Landes.

Die Wälder in Brandenburg bleiben aufgrund fehlender Feuchtigkeit gestresst. Auch wenn es in den vergangenen Wochen mehr als üblich geregnet hat, leiden vor allem die Wälder im Süden des Landes nach wie vor unter dem Niederschlagsmangel der vergangenen Jahre, sagte der Waldbrandschutzbeauftragte des Landes, Raimund Engel, am Mittwoch rbb|24.

Die jüngsten Regenmengen würden noch lange nicht ausreichen, um die aufgebauten Defizite auszugleichen, so der Experte. "Insbesondere von Elbe-Elster bis in den Spree-Neiße-Kreis sehen wir immer wieder einzelne Kiefern, die von heute auf morgen braun werden und absterben."

Dass eigentlich vitale Bäume plötzlich vertrocknen, sei etwas, dass er gerade erst auch am Schönefelder Kreuz (Dahme-Spreewald) beobachtet habe. "Wenn ein Baum einmal gestresst ist, ist es für ihn verdammt schwer", sagt Engel. Als erstes würden Feinwurzelsysteme und feine Äste absterben. "Da haben Insekten und Pilze wieder Möglichkeiten, anzugreifen."

Experte: Brände im Mittelmeerraum sind nicht weit weg

Durch den Regen der vergangenen Woche seien zwar die oberen Bodenschichten feucht, das Wasser müsse aber auch in tiefere Bodenschichten vordringen. Doch dort sei bisher wenig angekommen, sagt Engel. Der Grundwasserspiegel habe sich nicht angehoben.

Völlig ohne Effekt ist der Niederschlag aber nicht geblieben. Insgesamt sei die Situation im Wald im Vergleich zum Jahr 2020 besser geworden. "Dennoch bleibt der Süden die Region in Brandenburg, die die meisten Hitzetage hatte, also Temperaturen über 30 Grad, während der Norden von Brandenburg, sehr lokal und regional, doch reichlich Regen abbekommen hat."

Es würde die Situation laut Engel weiter entspannen, wenn der Herbst richtig feucht werden würde - und der Winter "ein richtiger Winter mit einer Schneedecke, die langsam abschmilzt". Eine vollständige Entspannung sehe er vorerst aber nicht. Mit Blick auf das Thema Waldbrände habe Brandenburg in diesem Jahr "einfach Glück gehabt", sagt der Experte. "Was gerade in Italien, im Mittelmeerraum passiert, das ist nicht so weit weg. Die klimatischen Veränderungen haben enorme Auswirkungen."

Die heißen Hundstage fallen diesmal aus

In Berlin und Brandenburg ist der Juli im deutschlandweiten Vergleich am sommerlichsten ausgefallen. Laut Deutschem Wetterdienst wurden in Berlin durchschnittlich 20,7 Grad gemessen, gefolgt von Brandenburg mit 20,1 Grad. Das war mehr als die langjährigen Mittelwerte von 18,3 Grad und 17,9 Grad. Gleichzeitig kam mehr Regen als üblich runter - in Berlin waren es 75 Liter je Quadratmeter, in Brandenburg 60.

Dagegen hat der August kühl begonnen. Oft sind die ersten Wochen des Monats die heißeste Zeit des Jahres, doch 2021 bleiben die Hundstage eher frisch. Das Thermometer klettert wenig über die 20-Grad-Marke, Schauer bringen vereinzelt Regen. Erst ab Donnerstag ist eine Veränderung in Sicht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.08.2021, 09:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Unter Waldfachleuten werden die Fichten- und Kiefermonokulturen zu recht als grüne Wüste bezeichnet. Diese Forste sind nicht in der Lage bei Starkregen den Niederschlag aufzusaugen. Das Wasser verdunstet bzw. fließt ab.
    In gesunden Mischwäldern sind die Temperaturen nicht nur niedriger, sondern der Grundwasserspiegel ist auch höher.
    Ihr Vorschlag zum Waldumbau: Die sterbenden Bäume stehen lassen und die Forste sich selber überlassen, damit sich ganz natürlich widerstandsfähige Bäume herausbilden. Das dauert zwar länger, die Forstwirtschaft verdient kein Geld, ist aber nachhaltiger.

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