Waldbrandbekämpfung in Brandenburg - Neue Löschwasserbrunnen in Lieberoser Heide sind kaum einsatzfähig

Fr 06.08.21 | 18:54 Uhr
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Löschwasserbrunnen Lieberoser Heide (Foto: rbb/Schiller)
Video: Brandenburg Aktuell | 06.08.2021 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Schiller

Nach mehreren Großbränden in der Lieberoser Heide sind neue Löschwasserbrunnen gebaut worden. Doch würde erneut ein Waldbrand ausbrechen, könnten sie kaum genutzt werden. Von Josefine Jahn

Sechs neue Löschwasserbrunnen in der Lieberoser Heide in Südbrandenburg sind nicht richtig funktionsfähig. Das hat der rbb vom Amt Lieberose-Oberspreewald erfahren. Die Brunnen waren auf Kosten des Landes nach den letzten Großbränden rund um die "rote Zone" gebaut worden. Das sind die Bereiche der Heide, in denen sich ein ehemaliger Truppenübungsplatz mit Kampfmittelresten befindet. Feuerwehrleute dürfen die 22.000 Hektar große Fläche nicht betreten. Dort befand sich der größte Truppenübungsplatz der DDR.

Archivbild: 09.07.2018, Brandenburg, Lieberose: Heideflächen brennen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Südbrandenburg (Quelle: dpa/Pleul)
Brand in der Lieberoser Heide 2018 | Bild: dpa/Pleul

Amtsdirektor: "Nicht ganz zu Ende gedacht"

Weil die Brunnen auf einer Hochebene gebaut sind und sehr tief in die Erde gehen, benötigen die Pumpen besondere Stromaggregate. Für die kommt das Land im Gegensatz zu den Brunnen allerdings nicht auf. "Es wurde eben nicht ganz bis zum Ende gedacht", sagt Amtsdirektor von Lieberose-Oberspreewald, Bernd Boschan (parteilos) dem rbb. Das Amt kaufe nun die notwendigen Aggregate, "aber natürlich nur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten, sprich: Wie unser Haushalt es zulässt." Der Bau der Löschbrunnen sei ein Anfang, wenn auch nicht ausreichend für die Größe der Fläche, so Boschan.

Die Technik ist da - aber zu weit entfernt

Bisher haben die Haushaltsmittel des Amtes für ein einziges Aggregat à 15.000 Euro gereicht. Das wird zurzeit produziert. Ein weiteres wurde von einem Waldbesitzer gesponsert, darf aber nicht eingesetzt werden, weil es nicht der Feuerwehrnorm entspricht.

"Diese Pumpen haben einen gewissen Leistungsbedarf", sagt Axel Becker von der Oberförsterei Liebreose. "Der wird regelmäßig auf den Einsatzfahrzeugen von den Aggregaten nicht gedeckt, so dass du größere brauchst."

Die größeren seien auch in den Katastrophenschutzlagern des Landes vorhanden, sagt Becker. Es sei aber wichtig, sie schnell vor Ort zu haben. "Weil: Je schneller so ein Brand bekämpft werden kann, desto weniger Wald verbrennt letztendlich."

Der nächste Brunnen ist schon in Planung

Dennoch kann das Amt Lieberose-Oberspreewald im Moment nicht mehr Geld für Aggregate ausgeben. Die jüngste große Anschaffung war ein Feuerwehrauto für rund 400.000 Euro.

Dass das Amt als Träger des örtlichen Brandschutzes Verantwortung trägt, sei völlig klar, sagt Boschan. Allerdings komme aufgrund der "Besonderheiten und der Größe hier eine Last den Gemeinden" des Amtes zu. "Letztendlich, muss ich sagen, ist die Unterstützung [durch das Land, d. Red.] eigentlich im sehr bescheidenen Maße angekommen."

Nichtsdestotrotz wird gerade ein siebter Brunnen geplant. Die Förderung dafür muss vom jeweiligen Flächenbesitzer beantragt werden. Die zum Wasserpumpen nötigen Stromaggregate wird das Amt Lieberose-Oberspreewald nur nach und nach anschaffen können.

Löschwasser schwer zu erreichen

Vor allem in den Jahren 2017, 2018 und 2019 war die Lieberoser Heide immer wieder stark von großflächigen Waldbränden betroffen. Bei den Großbränden 2018 und 2019 mussten oft kilometerlange Leitungen von umliegenden Seen zu den Brandorten gelegt werden, um die Feuer löschen zu können. Auch Löschhubschrauber der Bundeswehr kamen bei den Bränden zum Einsatz.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.08.2021, 16:40 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Da wird ein leistungsfähiges Aggregat gesponsert aber es darf nicht eingesetzt werden. Sankt Bürokratius lässt lieber hektarweise Wald abbrennen. Geht's noch??

  2. 9.

    Es wird aber hier auch eine schnelle Verfügbarkeit gefordert. Die ist laut Artikel selbst mit den Aggregaten auf Landesebene nicht gegeben, das THW gehört sogar zum Bund.

  3. 8.

    Es ist nicht die primäre Aufgabe des THW, also des Bundes, schnell Haushaltslöcher zu schließen. "Es wurde eben nicht ganz bis zum Ende gedacht" sagt der Aufgabenträger durchaus zurecht. Schon nach der Waldbrandsaison 1992 finanzierte das Land diverse Tanklöschfahrzeuge und schuf für die sogar eine eigene Norm. Der mittlerweile fälligen Ersatz kostet pro Stück eine schlanke Million und damit rd. doppelt so viel wie ein HLF
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/av7/video-neuenhagen-feuerwehr-uebung-elektro-auto-loeschen.html
    Eine weitere Serie Fahrzeuge außerhalb der DIN ist in der Beschaffung.

    Dass die Boulevardpresse wegen der einfacher zu drehenden Videos einen anderen Zweck im Sinn kommt, ist ein anderes Thema. Platz für einen anderen Wasserzusatz ist auch auf dem alten Auto.

  4. 7.

    Hallo @Bendte, das ist auch meine Meinung, einfach nur noch schlimm.

  5. 6.

    Da kann doch sicher das THW aushelfen oder wieviel Leistung brauchen die? Versteh die Aufregung nicht.

  6. 5.

    Wieder ein Beleg dafür, dass wir viele „Fachleute“ an den entscheidenden Stellen haben. Sie geben ja nur Steuergelder aus. Man o man, es ist schlicht zu kotz…

  7. 4.

    Die Schildbürger sind wohl jetzt endgültig in Brandenburg ansässig. Der Alte Fritz würde seinen Krückstock schwingen...

  8. 3.

    Mein Aufruf an Brandenburgs Landesregierung: Bitte dringend nachbessern und entsprechend nachrüsten. Auch den Bund in die Pflicht nehmen, weil er in solchen Situationen immer noch zuständig war und ist.

  9. 2.

    "Es wurde eben nicht ganz bis zum Ende gedacht" ist scheinbar ein Merkmal unserer Zeit.

  10. 1.

    Soll man sich: An den Kopf fassen; schreien "so ein Irrsinn" oder lieber heulen= Wundern jedenfalls tut sich wohl längst keiner mehr.

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