Mit heißem Wasser und Schaum - Neue Methode gegen Ambrosia ist vielversprechend

Ambrosiapflanzen werden mit Heißwasser bekämpft (Foto: rbb/Lepsch)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.08.2021 | Daniel Mastow | Bild: rbb/Lepsch

Ausreißen, Abmähen, Strom einleiten - viel wurde versucht, um die hochallergene Ambrosiapflanze zu bekämpfen. In der Lausitz wurden nun heißes Wasser und Schaum getestet. Und das offenbar erfolgreich.

Eine in Südbrandenburg getestete Bekämpfungsmethode gegen die hochallergene Ambrosiapflanze scheint zu wirken. Das gezielte Besprühen mit heißem Wasser könnte nach ersten Erkenntnissen dazu geeignet sein, die Pflanze dauerhaft zu bekämpfen. Das hat der Ambrosiabeauftragte des Landes Brandenburg, Matthias Hoffmann, dem rbb am Donnerstag auf Nachfrage mitgeteilt.

Anfang Juli wurden auf einer Strecke von vier Kilometern zwischen Cottbus und Kolkwitz (Spree-Neiße) Ambrosiapflanzen mit 85 Grad warmen Wasser und biologisch abbaubarem Heißschaum besprüht - mit einem Gerät, das optisch einem Staubsauger ähnelt. Der Schaum legt sich über die Pflanze und soll dazu führen, dass die hohen Wassertemperaturen länger gehalten werden, die Einwirkzeit also verlängert wird. Seit der Anwendung im Juli wird kontrolliert, wie erfolgreich die Methode ist.

Eine hochallergene Ambrosiapflanze am Straßernrand zwischen Cottbus und Kolkwitz
Hochallergene Ambrosiapflanze | Bild: rbb/Aline Lepsch

Schonend und effektiv

Ambrosia ist nicht giftig. In einer einzigen Staude stecken aber bis zu eine Milliarde Pollen, die schwere Allergien bis hin zu Asthma auslösen können.

Bisher wurde versucht, die Pollenproduktion der Pflanze durch Abmähen aufzuhalten. Auch Elektrizität sei schon im Kampf gegen die Pflanzen eingesetzt worden, so Hoffmann. Außerdem wurden Pflanzen ausgerissen. Diese Methoden hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

"Durch das Heißwasser wird die Pflanze abgetötet", sagt Hoffmann. Und nicht nur das. Es habe sich gezeigt, dass die Wurzel nach der Behandlung nicht erneut austreibt. "Dann haben wir im Herbst halt keine Ambrosia, die Samen bildet."

Positiv sei auch, dass das Sprühverfahren sehr "selektiv" sei, sprich: Andere Pflanzen am Straßenrand, wie Grasnelken, könnten geschont werden, so der Experte.

Auf einem guten Weg hin zu Erfolgen

Wie notwendig der Kampf gegen die Allergie-auslösende Pflanze in der Lausitz ist, beschreibt der Ambrosia-Koordinator des Landes mit einer Zahl: 500 Kilometer der Südbrandenburger Straßenränder sind bereits befallen. Von hier aus verbreitet sie sich auf angrenzende Äcker, Baustellen oder kommunale Flächen. Deutschlandweit gibt es südlich und südwestlich von Cottbus die größten Ambrosia-Vorkommen.

Matthias Hoffmann hofft nun, dass das Heißwasser-Verfahren zur erfolgreichen Bekämpfung von Ambrosia führt. "Es ist ein langwieriges Problem, das sich über Jahrzehnte aufgebaut hat und wir werden sicher nicht über Nacht oder kurzfristig Erfolge erzielen", sagt der Experte. "Aber wir haben jetzt die finaziellen Mittel vom Land und die Möglichkeit, tatsächlich etwas zu tun." Das Land Brandenburg unterstützt die Bekämpfung der Pflanze mit 500.000 Euro.

Hoffmann geht davon aus, dass sich in den nächsten Jahren Erfolge zeigen werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.08.2021, 09:30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Das ist eine Frage, von der ich erhoffe, daß kompetente Bodenbiologen sie klären und uns beantworten werden,- falls diese Methode großräumig angewandt werden sollte.
    Das diese Methode selektiv von Hand scheinbar jede Ambrosia einzeln ansteuert, so daß benachbarte Pflanzen geschont werden können, - hoffe ich, daß so auch am ehesten Nützlinge geschont werden können und geschont werden.
    Wer von ihnen sich zu nah an der Ambrosia aufhält oder dort lebt, der wird das heiße Schaumbad möglicherweise nicht überleben.
    Möglicherweise verdrängt die invasive Ambrosia jedoch auch einheimische Pflanzen oder im Boden lebende Tiere ? -
    Hoffentlich ist oder wird auch das geklärt und öffentlich gemacht.

  2. 10.

    Mit "Nützlingen" meinen Sie jetzt aber nicht die Menschen, die durch die hochallergene Wirkung der Ambrosia Pollen schwer erkranken.?..??

  3. 9.

    Wie viele Nützlinge gehen dabei drauf?

  4. 8.

    Liebe Leute , lasst Euch nicht ständig so einen Blödsinn erzählen. Es gibt einfach biologisch - chemische Tatsachen ,daran kann auch keine vermeintlich grüne Ideologien nichts ändern.Warum nicht mit 95 Grad heißem Wasser.Das geht genau so nicht .
    Gehen würde das Ding mit dem Schaum .Aber nur wenn da ein gewisser Prozentsatz Glyphosat drin wäre .
    Ist wieder mal ein schrecklicher Gedanke aber völlig Gesetzes konform. Genehmigungspflichtig aber generell genehmigungsfähig. Das ist das Verfahren mit einem Rotowipergerät oder einem Dochtstreich Verfahren .
    Mal beim zuständigen Pflanzenschutzamt nachfragen.
    Wo jedoch jede Sachkenntnis fehlt regiert die Einfältigkeit..

  5. 6.

    Wenn ich auf meinen Rasen schaue, der im Sommer bestimmt über 50 Grad heiß wird an einer Stelle, und genau dort im Winter unglaublich durchfriert, das einzige, was dort wächst ist Unkraut :-)) vor allem das mit tiefen Wurzeln. Wenn man heißes Wasser lang genug Einwirkung lässt, verkocht man die Pflanzenteile. Aber Samen? Den findet man im aufgeräumten Permafrost wieder, und in Lava. Hm.

  6. 5.

    Vielleicht wird soviel heißes Waaser auch auf den Wurzelbereich geschüttet, dass auch die Wurzeln kaputt gehen? Ein Restrisiko bleibt natürlich, da man die Wurzeln nicht sieht.

  7. 4.

    Ob das heiße Wasser wirklich alle Wurzeln restlos vernichtet, darf bezweifelt werden. Aus Erfahrung mit anderem Kraut weiß man, dass auch kleinste Wurzelreste irgendwann wieder neu austreiben. Die Vernichtung der Pflanze ist meist nur oberflächlich, egal ob man sie abflammt oder mit heißem Wasser bearbeitet. Ein paar Wochen Sonne und Regen dazu - und schon wächst es wieder nach. Es ist nur eine Frage der Zeit und somit ein stetiger Kampf.

  8. 3.

    Sie gießen kochendes Wasser auf die Ameisen? Das geht aber auch anders.

  9. 2.

    500.000 € sind ein Witz, gemessen an der Ausbreitung der Pflanze, wenn man bedenkt, welche Summen für andere, zweitrangige Projekte ausgegeben werden .

  10. 1.

    Was für eine Erkenntnis ;-) der Haushaltsgärtner geht mit dem elektr. Wasserkocher auf die Terrasse und "wässert" Unkraut und Ameisenlöcher *sorry* vor der Terrassentür. Funktioniert und ist ungiftig.

    Interessant wäre dieser Schaum für Leute mit größerem Garten. Gibts da Lieferanten?

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