Europäischer Tag der Ersten Hilfe - Wie ein Lausitzer zurück ins Leben geholt wurde

Roland Hebestreit sitzt an einem Tisch und berichtet, was ihm passiert ist (Foto: rbb/Rausch)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.09.2021 | Bild: rbb/Rausch

Infarkt, Unfall, Schlaganfall: Der Europäische Tag der Ersten Hilfe macht darauf aufmerksam, wie wichtig schnelle Hilfe im Notfall ist. Der Lausitzer Roland Hebestreit hat es erlebt. Er würde ohne das richtige Handeln seiner Ersthelferin nicht mehr leben.

"Wie schnell können Sie hier sein? Wenn das Hämatom einblutet, wird er die Nacht nicht überleben." Diese Worte hört Ramona Hebestreit aus Schwarzbach (Oberspreewald-Lausitz), als sie von einer Klinik in Bayern angerufen wird, rund 600 Kilometer entfernt von ihrem Wohnort.

Doch zu diesem Zeitpunkt war der erste wichtige Schritt schon geschafft: Eine Ersthelferin hat ihren Mann Roland Hebestreit zurück ins Leben geholt, nachdem er vom Rad gefallen war. Ein Blutgerinnsel hatte einen Infarkt ausgelöst. Der heute 61-Jährige stand minutenlang auf der Schwelle zum Tod.

Ein Artikel in einer Bayrischen Zeitung über die Lebensretterin (Foto: rbb/Rausch)
Ein Artikel in einer Bayrischen Zeitung über die Lebensretterin | Bild: rbb/Rausch

Keine Erinnerungen mehr

Sommer 2017. Roland Hebestreit ist erneut auf Montage in Bayern, diesmal mit Fahrrad. Er und seine Arbeitskollegen wollen eine Tour machen. An einem Fußgängerüberweg fällt der Lausitzer plötzlich vom Rad. Ab dem Moment kann er sich an nichts mehr erinnern.

Alles was er weiß, erfährt er später von den Rettungsärzten und Ines Sigl, seiner Ersthelferin. Sie ist gelernte Krankenschwester, ihre Mutter war an einem Herzinfarkt gestorben. "Und sie hat sich gesagt: Das passiert nicht nochmal. Dem Wildfremden, dem hilfst du."

Noch heute spürt er die Auswirkungen

"Sie hat mich dort beatmet, beatmet, beatmet, Herzdruckmassage." Lange kniete sie auf dem heißen Asphalt, berichtet Hebestreit. Nach zehn Minuten begann er schließlich wieder, aus der Schläfe zu bluten. "Da hat sie gesagt: Jetzt hat er es geschafft!“ Als der Lausitzer an diesem Punkt der Geschichte ankommt, kommen ihm die Tränen. "Das geht mir immer noch so nah."

Das Blut war das Zeichen, dass Hebestreits Herz wieder angefangen hatte, zu schlagen. Acht Minuten später lag er bereits im Krankenhaus. "Sie haben mich ins künstliche Koma gelegt, weil ich mir auch sieben Rippen gebrochen hatte. Schmerzmittel, Morphium und alles."

Nach dem Koma wurde er lange zurück ins Leben geführt, mit monatelangen Therapien und Reha. Bis heute spürt er Auswirkungen von damals, hat zum Beispiel Konzentrationsstörungen. "Aber ich habe das alles gut überstanden und bin froh, dass es für mich so optimal gelaufen ist", sagt er.

Hebestreit: Ein zweiter Geburtstag

Mit seiner Lebensretterin verbindet Roland Hebestreit inzwischen viel. Im Juni 2021 ist die Familie aus Bayern in die Lausitz gekommen, um Hebestreit und seine Frau Ramona zum ersten Mal zu besuchen. Sie haben viel unternommen, den Spreewald besucht, geredet.

Dass Ines Sigl im richtigen Moment zum Unfallort kam und schnell mit der Hilfe begonnen hat, war Hebestreits Glück. "Die Leute sind dann ja immer so: jeder weiß es besser, aber keiner will etwas unternehmen." Der Lausitzer spricht seit dem Tag von seinem zweiten Geburtstag.

DRK rät zu regelmäßigen Erste-Hilfe-Auffrischungen

Wie wichtig schnelles Reagieren im Notfall ist, darauf macht jährlich am 8. September der Europäische Tag der Ersten Hilfe aufmerksam. Jeder sollte sein Ersthelferwissen alle fünf Jahre auffrischen, rät das Deutsche Rote Kreuz Brandenburg.

Dabei gehe es vor allem darum, wieder Routinen zu erlangen, sagte DRK-Landessprecher Fabian Lamster dem rbb am Mittwoch. "Wie funktioniert nochmal die stabile Seitenlage, wie war das mit der Herz-Druck-Massage, was ist in meinem Erste-Hilfe-Koffer und wann benutze ich was?"

Das Schlimmste, was jemand in einer Notfallsituation tun könne, sei nichts zu tun, so Lamster. "Man kann nichts Falsches tun." Diese Sorge sei unbegründet. "Es ist eine natürliche und instinktive Hilfe, die dann aus einem hervorkommt." Wer sich unsicher sei, könne auch den Notruf 112 wählen. Dort bekomme man Unterstützung, was genau zu tun sei.

Für Verkehrsteilnehmer plädiert das DRK Brandenburg allerdings für einen verpflichtenden Erste-Hilfe-Auffrischungskurs. "Mit Blick auf das immer weiter zunehmende Verkehrsaufkommen und dem damit stetig steigenden Risiko eines Verkehrsunfalls halten wir insbesondere eine gesetzliche Regelung für notwendig", so Lamster.

Mit Informationen von Andreas Rausch.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.09.2021, 16:10 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Es macht durchaus einen Unterschied, ob man sich zur Reanimation und stabilen Seitenlage ein Video ansschaut oder ob man dazu am Objekt selbst Hand anlegt. Das wird Ihnen jeder Seminarleiter bestätigen können. Ebenso die Tatsache, dass es auch im x-ten Wiederholungskurs Teilnehmer gibt, die dann überlegen müssen: Äh, wie war das nochmal gleich? Das zeigt doch, wie notwendig die Auffrischungen sind. Für Kraftfahrer sollten die Auffrischungen ebenfalls verpflichtend sein! und wenn es nach mir ginge, sollten auch alle werdenden Eltern einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Dass das DRK für seine Fortbildungen Geld bekommt, ist ja wohl völlig rechtens. Schließlich leistet das DRK anderswo unentgeltlich Erste Hilfe - keine Massenveranstaltung wäre möglich ohne die ehrenamtlichen Ersthelfer im Rote-Kreuz-Zelt.

  2. 9.

    Liebe Heike, und auch liebe Nicole, Sie können sicher sein, ich kann reanimieren. Ich muss es können, arbeite in einer Arztpraxis, und auch wir müssen jährlich dazu eine Auffrischungs-Fortbildung absolvieren. Die Inhalte gleichen sich, das ist normal - weil die Methode sich auch nicht viel ändern wird. Wenn es Ihnen um den "Zwang" zur Wiederholung geht: Wer zwingt einen denn dazu? Wenn man sich bereit erklärt, in einem Betrieb als Ersthelfer zu fungieren, so wird man in der Regel auf die Auffrischungsveranstaltungen hingewiesen. Wenn man nicht mehr Ersthelfer sein möchte, und das kann ich nach vielen Berufsjahren auch verstehen, dann klärt man das mit dem Arbeitgeber, Punkt.

  3. 8.

    Ist doch egal WER die Kosten bezahlt, oder wie hoch sie sind, das DRK erhält durch diese erzwungenen Lehrgänge kontinuierlich Geld. Ich würde die Entgelte auch selber bezahlen, hätte ich noch die Überzeugung. Aber es ist eben eine Neverending Story für die einen und die anderen müssen nie ran. Das stört mich.

  4. 7.

    Doch, ich habe Gerdi's Beitrag schon verstanden.
    Allerdings stimmen Ihre Fakten bzgl. der Kosten nicht. Auch bei uns im Betrieb zahlt die BGN die Ausbildungskosten.

    "Die Lehrgangsgebühren werden von den Unfallversicherungsträgern in Form von Pauschalgebühren getragen. Sie werden direkt mit den Ausbildungsstellen abgerechnet. Für Unternehmen und Kursteilnehmer fallen hier keine Kosten an."

    In meiner letzten Auffrischungsschulung bei den Maltesern (Juli 2021) haben wir die Motorradhelmthematik nur 10 Min behandelt.

    Dass die Schulung freiwillig ist, damit gebe ich Ihnen Recht. Dann sollte man aber auch dem Arbeitgeber sehr bestimmt sagen, dass man kein Ersthelfer mehr sein möchte. Man kann dazu nicht gezwungen werden.

  5. 6.

    Ich finde, dass es nicht sein kann, dass das DRK behauptet es sei freiwillig und dass beim Lehrgang auch weiter so kundtut. Ich muss auch alle zwei Jahre diesen Kurs besuchen und langsam reichts auch.
    Und wenn "Gerdi" nach 30 Jahren (anscheinend 15 mal dabei) daran nicht mehr teilnehmen möchte, muss es einen Weg raus geben. Zwang geht gar nicht!
    Man könnte genauso aus Wichtigkeit argumentieren:
    Warum werden nicht alle Menschen von 18-40 zwangsverpflichtet? Warum werden überwiegend 40-60 Jährige gequält? Warum nur größere Firmen die der DGUV unterstehen? Warum nie die Führungskräfte, denen sicherlich auch den ganzen Tag Mitarbeiter über den Weg laufen? Warum keine Studenten? Ich kenne niemanden der dort gerne hingeht. Deshalb wohl auch Zwang seitens der Gesetzgebung.

  6. 5.

    Auch Sie haben Gerdis Kommentar überhaupt nicht verstanden......Ersthelfer zu sein sollte freiwillig sein, man sollte dazu nicht gezwungen werden. Es gibt genug Menschen die so etwas nicht können.
    Wenn Sie sich gut dabei fühlen dann ist es okay, aber respektieren Sie bitte auch die Meinung anderer.

  7. 4.

    Sie haben den Kommentar von Gerdi nicht im geringsten verstanden.
    Wann haben Sie das letzte Mal aufgefrischt. Es geht in diesen Kommentar um Ersthelfer in einem Betrieb. Und dort werden nun mal keine Motorradhelme getragen. Das wird einem als Ersthelfer z.B. bei der BVG bei der Bahnstromversorgung, aber alle zwei Jahre stundenlang gezeigt.
    Solch eine Erste- Hilfe Auffrischung alle zwei Jahre sollte arbeitsplatzspezifisch sein. Dann wären sie auch nicht so lange(ca neun Stunden ) und würden auch nicht so teuer für den Arbeitgeber sein, der seine Mitarbeiter dort hinschickt.

  8. 3.

    Echt jetzt? Ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder? Ich bin seit 20 Jahren Ersthelfer und fühle mich jedesmal gut, wenn ich die Widerholungsschulung alle 2 Jahre gemacht habe. Bei Notfällen jeglicher Art, ob Arbeitsplatz oder im privaten Leben, zu wissen, was zu tun ist, gibt mir ein gutes Gefühl. Dumm daneben zu stehen, wenn ein Mensch evtl. mit dem Leben ringt, wäre ein Albtraum für mich. So weiß ich immer, was zu tun ist - empfinde ich als sehr beruhigend.

    Und was heißt ständig, dort hinrennen zu müssen!? Alle 2 Jahre einen Tag des Lebens zu "opfern", um das Wissen aufzufrischen, verstehe ich nicht unter "ständig". Und die Kosten? Was sind schon 50€ alle 2 Jahre - gut angelegtes Geld. Man gibt sooo viel Geld für unnützes Zeug aus. Da sind diese 50€ wirklich gut angelegtes Geld! Ich wünsche Ihnen sehr, dass SIE nie in die Lage kommen, einen Ersthelfer zu brauchen u nd es stehen nur Unwissende um sie herum, die keine Ahnung von 1. Hilfe haben...

  9. 2.

    Ja, und? Wer sagt denn, dass Sie nur im beruflichen Umfeld mal in die Lage kommen können, Erste Hilfe leisten zu müssen? Die Situation kann Ihnen jeden Tag auf der Straße oder beim Einkaufen begegnen. Natürlich hofft man, dass man das Gelernte nie anwenden muss, aber können sollte es jeder. So, wie man es spätestens vor der Führerscheinprüfung lernen muss (Frage: Wie viele Kollegen ohne Führerschein haben Sie, die "noch nie dran waren"?). Und selbstverständlich kosten die Lehrgänge Geld. Die Mitarbeiter beim DRK wollen doch tatsächlich für ihre Arbeit bezahlt werden. Sicher auch in den Bereichen, die für den Bürger nicht unbedingt sichtbar sind - Rettungsdienst, Katastrophenschutz etc. Hätten Sie jetzt nicht gedacht, oder?

  10. 1.

    Erste-Hilfe-Auffrischungen nerven! Sie sollten freiwillig sein. Sind sie aber nicht! Ich MUSS das jetzt schon über 30 Jahre lang aufgrund eines Technischen Berufs machen, anscheinend will die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) Quoten in Firmen. Die einen drücken sich, die anderen müssen ständig hin. Das DRK sagt das das alles freiwillig sei. Es nervt, sollen doch die anderen die noch gar nicht waren ran! Außerdem sind die Lehrgänge Vetternwirtschaft, da sie Geld kosten. Wenn sie für eine gute Sache stehen würden wären sie umsonst. Außerdem verfehlen die Lehrgänge das Thema: Wer hat auf Arbeit einen Motorradhelm auf... alles nur sinnlos in die Länge gezogen, eine Stunde Diavortag würde reichen. Muss ich echt mal loswerden.

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