Falkenberg (Elster) - Gedenkstein und Ausstellung erinnern an Flüchtlinge von 1945

Josefine Krüger in ihrem Wohnzimmer in Falkenberg
Video: Brandenburg Aktuell | 06.10.2021 | S. Schiller | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren Hunderttausende auf der Flucht. Für viele war Falkenberg damals eine Station. Manche zogen weiter, andere blieben. So wie Josefine Krüger. Ein Gedenkstein erinnert jetzt an die Flüchtlinge. Von Florian Ludwig

Als Josefine Krüger 1946 mit dem Zug in Falkenberg (Elbe-Elster) ankam, hatte sie bereits eine Odyssee hinter sich. Die Eltern waren aus dem heutigen Rumänien zunächst als Bauern nach Oberschlesien gekommen. Im Januar 1945 zwang die vorrückende Front die Familie schließlich zur Flucht.

Sie war in Frauendorf, in Ortrand, in Oschatz, wie Josefine Krüger sich erinnert. Irgendwann, sagt sie, seien sie nach Leipzig gekommen und von dort aus schließlich nach Falkenberg.

Ein erschreckendes Bild habe sich ihr da geboten. Überall Schutthaufen und Gefühle von Angst und Beklemmung, sagt die heute 81-Jährige. "Man wusste ja nicht, wann hört das auf - und ob es überhaupt schon aufgehört hat".

Situation in Falkenberg 1945 chaotisch

Die Familie kam zunächst in einem Lager unter und wurde versorgt. Der Vater knüpfte Kontakte zu den russischen Soldaten, so wurde Josefine Krüger und ihrer Familie schließlich eine Wohnung in Schmerkendorf bei Falkenberg vermittelt.

Die Situation in Falkenberg war zu dieser Zeit chaotisch. Der Bahnhof sei ein wichtiger Knotenpunkt gewesen, erzählt Monika Mietsch vom Kultur- und Tourismusverein Falkenberg. "Der Bahnhof war zerbombt, es kamen trotzdem noch viele Züge an, es herrschte Chaos." Es habe auch Tote unter den Flüchtlingen gegeben, nicht alle hätten das Inferno überlebt, sagt Mietsch.

Gedenkstein in Falkenberg
Gedenkstein in Falkenberg | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Gedenkstein und neue Ausstellung

Während die meisten Flüchtlinge Falkenberg schnell wieder verließen, blieben einige und halfen beim Wiederaufbau. Von den Einheimischen wurden sie nicht immer gut aufgenommen, aber, berichtet Monika Mietsch weiter, sie hättem sich eingebracht und engagiert. "Ohne die Flüchtlinge wäre hier doch nicht manches so wieder aufgebaut, wie es jetzt ist."

Um an die Situation in Falkenberg zum Kriegsende und das Schicksal der Flüchtlinge zu erinnern, sind am Dienstag in Falkenberg ein Gedenkstein eingeweiht und eine neue Ausstellung eröffnet worden. Josefine Krüger sagt, sie finde das gut. Sie habe ihre Heimat gefunden, aber auch die Jugend solle sich mit der damaligen Zeit beschäftigen, sagt sie.

Ihre eigenen Erinnerungen habe sie als Jugendliche mehr und mehr verdrängt. Geblieben sei der Wunsch, der Frieden möge erhalten bleiben - und es solle nie wieder Krieg geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.10.2021, 16:40 Uhr

Nächster Artikel