Interview | Kinderarzt aus Senftenberg - Hand-Fuß-Mund-Krankheit verbreitet sich unter Brandenburger Kindern

Symbolbild: Ein Kind mit Fieber nach der Fiebermessung liegt im Bett. (Quelle: dpa/A. Warnecke)
Bild: dpa/A. Warnecke

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit geht derzeit in Brandenburg um. Besonders Kinder stecken sich schnell an und bekommen schmerzhafte Bläschen und rote Flecken. Ein Senftenberger Kinderarzt gibt Rat, was man dagegen tun kann.

rbb24: Herr Genné, im Herbst verbreitet sich die Hand-Fuß-Mund-Krankheit regelmäßig unter den Kindern. Meist reicht ein Fall in der Kita, um einen Großteil der Kinder anzustecken. Was ist denn das Fatale an dieser Krankheit?

Kinderarzt Mathias Genné: Das Fatale an der Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist zum einen, dass sie recht ansteckend ist, dass sie sich im Kindergarten schnell durch Speichel, Niesen, Husten weiterverbreitet. Zum anderen, wenn man Pech hat, macht man eine recht lange Erkrankung durch. Oftmals verläuft es bei kleinen Kindern, Kindergartenkindern, so, dass sie insbesondere Bläschen im Mund haben, oder auch an Händen, Füßen oder im Gesäßbereich. Das Problem ist aber hauptsächlich der Mund, weil die Kinder irgendwann Schmerzen beim Essen und Trinken haben, Fieber entwickeln und dabei austrocknen können. Dann müssen sich die Eltern intensiv darum kümmern.

Warum verbreitet sich die Krankheit so schnell?

Das ist einfach eine Viruserkrankung, die typischerweise im Kleinkindalter auftritt und in der Kita hocken nunmal alle Kinder aufeinander. Es niesen alle Kinder, es husten alle Kinder, so, wie das halt seit Jahrzehnten der Fall ist. Kinder machen diese Erkrankung typischerweise durch, auch, wenn es nicht zu den klassischen Kinderkrankheiten gehört. Wenn man es einmal gehabt hat, sagt man, kriegt man es nicht noch einmal. Ich habe aber schon Fälle gehabt, die es mehrmals gehabt haben.

Was kann ich denn gegen die Bläschen, vor allem im Mund, tun?

Auf der Haut nimmt man austrocknende Salben, die vom Kinderarzt verschrieben werden. Man kann aber auch Schwarzteebäder oder Eichenrindebäder machen. Zinkcremes sind ebenfalls möglich. Im Mund gibt es verschiedene Dinge. Bei älteren Kindern, die schon Bonbons lutschen, ohne sie sofort herunterzuschlucken, helfen Halsschmerztabletten. Ansonsten nutzt man bei Kindern ein betäubendes Gel, das direkt auf die Bläschen auf den Lippen oder der Zunge aufgetragen wird.

Wie kann man sich denn vor der Krankheit schützen?

Ich würde spontan sagen, gar nicht. Es ist wie bei jeder anderen Viruserkrankung auch. Es gibt Kinder, die haben einen leichten Schnupfen, vielleicht sagen die mal "Aua" und dann ist es schon wieder erledigt. Andere haben einen schweren Verlauf. Ich glaube aber, dass jedes Kind diese Krankheit früher oder später mal durchmacht. Es gibt nur wenige Erwachsene, die es nicht gehabt haben. Es gehört auch ein bisschen zur Kindergartenzeit dazu. Es gehört dazu, das Immunsystem zu schulen und da muss man eben einige Infekte mal durchgemacht haben. Richtig vermeiden, richtig schützen, geht eigentlich nur mit völligem Kontaktverbot.

Kann die Krankheit auch auf Erwachsene übertragen werden?

Erwachsene können die Krankheit grundsätzlich auch bekommen. Wie gesagt, die meisten Erwachsenen haben es als Kind gehabt oder haben durch ihre Kinder eine kleine Immunität, sodass sie nicht dieses Vollbild mit den Bläschen im Mund und so weiter bekommen. Ich habe mehrere Erwachsene in meiner Zeit schon gehabt, die recht ausgeprägt erkrankt waren. Auch da gibt es schwere und weniger schwere Verläufe.

Ist die Hand-Mund-Fuß-Krankheit gefährlich?

Wenn die Kinder nicht mehr essen und trinken und Fieber haben, sozusagen austrocknen, kann es durchaus dazu kommen, dass das Kind ins Krankenhaus muss. In dem Fall wird dann eine Infusion gelegt, das Kind wird mit Schmerzmedikamenten behandelt. Dann bekommt es wieder Flüssigkeit und kann langsam wieder anfangen zu essen und zu trinken. Richtig gefährlich mit schweren Komplikationen ist es eigentlich nicht.

Der Herbst ist die typische Zeit für diese Infektion. Wann flaut diese Welle wieder ab?

So in Richtung Winter. Dieses Jahr ist es sowieso ein bisschen anders, das können Ihnen sicher auch andere Kinderärzte bestätigen, dass Infekte, die normalerweise ein bisschen später kommen, jetzt schon da sind. Aber im Frühling habe ich typischerweise niemanden mehr mit Hand-Fuß-Mund-Krankheit in der Praxis.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jasmin Schomber für Antenne Brandenburg.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.10.2021, 14.40 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Geht mir auch so. Nie gehört. Erst durch meine Enkelkindern kennen gelernt. Erinnert optisch erstmal an Windpocken.
    In den Kitas gibt es diese Erkrankung jetzt aber sehr regelmäßig.

  2. 8.

    Früher gab es die Krankheit als Mundkrätze. Wurde mit blauer Tinktur behandelt und die Kinder sahen aus, als ob sie gerade aus einem Blaubeerfeld kamen.Auch Die anderen Körperteile wurden damit eingepinselt. Ja ja ist schon lange her,da vergisst man schon so manches , soso

  3. 7.

    HMF Krankheit??? Ich bin über 50 Jahre, war selbst in Kita, habe Kinder, die auch in der Kita waren aber noch niemals von dieser Erkrankung gehört oder jemanden damit gesehen. Den Begriff auch beim Kinderarzt nie gehört. Warum?

  4. 6.

    Ist jetzt jede Erkrankung eine Schlagzeile wert? Bestimmt gibts da auch bald ein tolles neues Medikament. Natürlich dann freiwillig, sonst darf man gemeinschaftliche Einrichtungen nicht mehr betreten.

  5. 5.

    Hatte ich mit 2 Jahren, 1953. Erfolgreiche Behandlung mit Myrrhentinktur.

  6. 4.

    Nicht nur in Brandenburger Kitas geht der Virus rum, auch in der Berliner Kita meiner Kinder grassiert HMF. Leider hat es mich bereits ein zweites Mal erwischt und nun sitz ich da mit dem Mund voller Bläschen... Ich wünsche allen Erkrankten gute und vor allem schnelle Besserung.

  7. 3.

    Viren werden uns immer begleiten. Ich war auch in der Kita aber nie etwas davon gehört oder selbst krank geworden.

  8. 2.

    Die Krankheit ist in D nicht vom Infektionsschutzgesetz erfasst.
    Die Krankheit wurde erst ca. 1948 erstmals beschrieben.
    Impfstoff wurde zwar entwickelt, aber in EU nicht zu gelassen bzw. gar nicht geprüft.
    Die Krankheit wird in der Regel durch Blickdiagnostik "nachgewiesen" und nicht durch Labortests.
    In Österreich dürfen Kinder erst nach Abklingen der Symptome (ärztliches Attest)wieder in Gemeinschaftseinrichtungen.

  9. 1.

    Klingt ja so ähnlich wie Aphthen, auch sehr sehr unangenehm.

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